19. Dezember, Los Angeles

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In Los Angeles gibt es nicht so viele Parks wie in Manhattan, deshalb gehen wir heute zum Blumenmarkt um mal wieder grün zu sehen — und gelb und blau und orange und, und, und. Die Blumen sind hier oft qietschebunt gefärbt und werden zum Schutz manchmal in kleine Netze gehüllt. In einer Seitenstraße gibt es Kränze für Beerdigungen und Weihnachtsmänner und Teddybären aus Blumen. Direkt nebenan liegt der Fashion-District und als wir in einen großen Stoffladen gehen, bekomme ich sofort eine Schere in die Hand gedrückt, damit ich mir Muster von den Stoffballen abschneiden kann. Nur von Seidenballen darf ich nichts abschneiden. Entlang vieler Zelte von Obdachlosen gehen wir weiter zur Santee Alley wo wohl früher mal ein Flohmarkt statt fand, sich inzwischen aber nur noch Buden mit Sonnenbrillen, Kappen, Billig-Klamotten und Ähnlichem befinden. Es ist viel los, vor allem Menschen mit mexikanischen Wurzeln sind unterwegs und kaufen wahrscheinlich Weihnachtsgeschenke. Wir lassen uns von der Menge treiben und irgendwann auf der 11th Street wieder ausspucken. Dort hatten wir ein Café gesehen das wir nun aufsuchen. Gestärkt ziehen wir weiter Richtung Innenstadt, bummeln durch diverse Geschäfte und bestaunen die extravaganten Weihnachtsdekorationen.

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18. Dezember, Los Angeles

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Leider bin ich immer noch etwas fußlahm und deshalb auch ein bisschen knatschig. Aber daheim bleiben ist auch blöd, wir fahren mit unserem „Haus-„Bus Nr. 2 zu Echo Park und Silver Lake, die direkt nebeneinander liegen und auch hier gibt es, am Sunset Boulevard entlang, viele kleine Läden und Cafés. In den Vorgärten sehen wir ab und zu aufblasbare Weihnachtsfiguren denen die Luft ausgegangen ist. Rechts und links geht es steil hoch, die Häuser weiter hinten stehen oft zur Straßenseite auf Stelzen und ab und zu führen Stäffele den Berg hinauf. Wir machen einen kurzen Zwischenstopp bei einem Plattenladen und überlegen dann zum Silver Lake Reservoir zu gehen, stellen aber schnell fest, dass es zu weit entfernt ist. Dann doch lieber einen Kaffee trinken und dem Treiben der Einheimischen zuschauen. Boris zieht es zu einem weiteren Plattenladen und mich zieht es aufs Sofa.

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17. Dezember, Los Angeles

sdr

6:30 h, der Wecker klingelt, denn Boris will auf einen Flohmarkt in Long Beach und ich will das Städtchen erforschen. Zwei Stunden dauert die Fahrt und dann bin ich auf breiten leeren Straßen mit riesigen Beaux Art Gebäuden unterwegs. Im East Village gibt es einiges an Murals zu sehen, auf der Promenade ist eine Plakatausstellung installiert und eine Straße weiter gibt es ein Katzenasyl, wo man Katzen streicheln kann. Leider ist es nicht „For free, donations welcome“, wie im Internet angekündigt, sondern recht teuer. Also gehe ich weiter Richtung Meer und setze mich erst mal eine halbe Stunde an den Strand um zu lesen, den Möwen zuzuschauen und einem einzelnen Pelikan der sich ab und zu ins Wasser stürzt. Dann wandere ich weiter, denn 90 Minuten am Strand entlang liegt Naples, das muss ich sehen. Im Meer liegen mehrere künstliche Inseln, die extra angelegt wurden um die Ölplattformen vor den Badegästen zu verbergen. Plötzlich fährt mir ein stechenden Schmerz in den linken Fuß, ich schaue auf den Boden und sehe, dass ganz viele Bienen am Strand sind. Manche sind bereits tot, aber viele torkeln Richtung Meer, warum wohl? Schnell springe ich ins eisige Wasser um den Stich zu kühlen und gehe dann weiter. Nach 90 Minuten kommt ein Pier und ich biege ab Richtung Landesinnere. Offensichtlich bin ich weit über das Ziel hinaus geschossen und muss nun ein ganzes Stück zurück, aber dadurch komme ich auf einen hübschen kleinen Fußweg der zwischen Häusern und Strand entlang führt. In Naples schaue ich mir den italienischen Brunnen an, gehe über kleine Brücken und trinke einen Cappuccino. Anschließend nehme ich den Bus zurück zur Metrostation, mache einen Zwischenstopp auf der 4th Street mit den vielen Thriftshops und weil ich kein Kleingeld mehr habe und die Busse nicht zum Los Angeles Transit System gehören, muss ich von hier zu Fuß zur Metro. Um 20 Uhr bin ich daheim, Mann bin ich heute viel gegangen. Zum Essen gehen wir zu einem kleinen Thai Noodle Restaurant um die Ecke und auf dem Heimweg raschelt es plötzlich in einem Vorgarten. Neugierig schauen wir nach, sehen einen buschigen schwarz-weißen Schwanz und sind froh, dass wir nicht näher ran gehen konnten, denn so ein Stinktier kann schnell einmal verärgert sprühen. Dieses hier schaut uns nur neugierig an, während es an etwas herum kaut. Was für ein toller Tagesabschluss.

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16. Dezember, Los Angeles

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Um sieben Uhr stehen wir auf um frühzeitig auf einem Flohmarkt in South Pasadena zu sein. Es gibt einen Plattenstand, ein paar Stände mit selbstgemachten Weihnachtsdekorationen und viele Stände mit Kleidung. Die meisten haben professionelle Preisschilder und man findet erstaunlich viele Vintagesachen. An einem Straßenende spielt eine Schülerblaskapelle Weihnachtslieder, die Sonne scheint und es ist alles sehr entspannt. Wir fahren weiter nach Pasadena, denn es gibt noch immer Ecken die wir nicht kennen und erforschen wollen. Gegen 14 Uhr zieht es uns auf die Colorado Avenue, weil ich bei „Vroman’s“, einem riesigen unabhängigen Buchladen ein Buch in den Büchertauschkasten legen will und dort finde ich sogar ein neues Buch für mich. Gleich um die Ecke spielt eine Kombo mexikanische Musik und wir hören ein Weilchen zu bevor wir weiter gehen zum „Sweet Valentine“. Die Bedienung erkennt uns sogar wieder und wir freuen uns an dem schönen Wetter und schauen dem Straßenleben zu. Zurück in Downtown Los Angeles schlendern wir ein bisschen herum, vorbei am Bradburry Building, bekannt aus „Bladerunner“ und anderen Filmen und machen noch einen Abstecher in „The Last Bookstore“. Ich bleibe dort hängen während Boris zu einem Plattenladen geht.

sdr
dav

15. Dezember, Los Angeles

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Dieses Foto habe ich vom Hollywood Boulevard aus aufgenommen und näher sind wir auch nie an das Symbol für Los Angeles heran gekommen, aber das reicht ja und hier unten gibt es auch sehr viel zu sehen. Wunderschöne alte Kinos, den Capitol Records Turm, Menschen in verrückten Outfits, und natürlich die ganzen Sterne auf dem Walk of Fame. Wir trinken einen Kaffee im „Intelligentsia“ und dann geht Boris auf Plattensuche und ich zurück zur wahrscheinlich schönsten Metrostation der Stadt mit Keramikpalmen und Mosaiken, um in die Innenstadt zu fahren. Dort gibt es eine alte Markthalle und gegenüber die kleine Seilbahn die „Angels Flight“ heißt. Die 91 Meter lange Schienenstrecke wurde 1901 eingerichtet um die 29 Höhenmeter zwischen Downtown und Bunker Hill, damals eine der besseren Wohngegenden der Stadt, zu überwinden. Seitdem fahren Olivet und Sinai, so heißen die zwei Waggons, im Wechsel bergauf und bergab, allerdings mit mehreren Unterbrechungen. 1969 wurde das gesamte Ensemble eingelagert um die, inzwischen heruntergekommene Bunker Hill Nachbarschaft zu demolieren und erst 1996 wurde alles einen halben Wohnblock nach Osten versetzt wieder aufgebaut. Aus Sicherheitsgründen gab es noch zwei weitere Unterbrechungen, aber seit 2013 fahren die beiden Waggons ohne Unterlass. Von oben hat man einen wunderbaren Blick über die Stadt und bergab geht es leicht über viele Stufen. Ich bummele durch die Markthalle mit ihren vielen Essensständen und als ich sie am anderen Ende verlasse ist es dunkel geworden und Zeit heimzufahren.

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sdr

14. Dezember, Los Angeles

dav

Pasadena hatte uns schon beim letzten Besuch hier in LA sehr gut gefallen, deshalb fahren wir heute nochmal dort hin. Die Colorado Avenue ist zwar eine breite Straße, aber sie hat trotzdem, neben größeren Läden und Filialen von Ladenketten, einige unabhängige kleinere Geschäfte, wie zum Beispiel Platten- und Buchläden. Wir verbringen einen wunderbar entspannten Tag, staunen, mal wieder, über die tolle Architektur und genießen im „Sweet Valentine“ leckere Cupcakes zu unserem Iced Latte. Langsam wird es dunkel und wir schlendern durch das weihnachtlich geschmückte Städtchen zurück zur Metrostation und fahren bis „Little Tokyo“, dem japanischen Stadtteil von Los Angeles um uns dort noch ein bisschen umzuschauen. Und dann fahren wir nach Korea-Town, wo wir bei unseren letzten beiden Besuchen gewohnt haben, um zu schauen ob es die kleine Bar noch gibt, in die wir öfter gegangen sind. Leider ist die Beleuchtung aus, aber als wir vor der Türe stehen, sehen wir, dass wir einfach zu früh da sind, hurra. Wir gehen im Noodle Restaurant etwas essen und dann zurück zur Bar und sogar Marie, die japanische Barkeeperin, ist noch da. Boris fragt nach der Cocktailkarte, obwohl er weiß, dass es keine gibt und erklärt dann, dass dies ein Scherz sei und, dass wir vor vier Jahren das letzte Mal hier gewesen seien. So kommen wir schnell ins Gespräch und es ist einfach so nett und unprätentiös. Wir bestellen, wie immer, zwei Whiskey Sour, unterhalten uns oder lauschen den Gesprächen der drei anderen Gäste und fühlen uns sehr wohl. Als es ans Bezahlen geht, bittet mich Marie hinter die Theke um meine PIN einzugeben, die Gäste fragen, ob ich eine neue Bedienung sei, ich frage zurück ob sie noch ein Bier bestellen möchten und ruckzuck erzählen wir uns, unter viel Gelächter, unsere Lebensgeschichten, Boris schnackt in der Zeit noch ein bisschen mit Marie und es fällt uns schwer zu gehen. An der Bushaltestelle sehe ich einen größeren Vogel in einen Baum fliegen. Wir machen Fotos und unsere Recherchen zu Hause ergeben, dass es vermutlich ein Nachtreiher war.

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13. Dezember, Los Angeles

Boris geht auf Plattenjagd und ich mache heute einen Home-Day. Die Abrechnung ist schon lange fällig, ich will versuchen mit meinem Brooklyn Library Ausweis eBooks herunterzuladen, zwei Tage Blog wollen geschrieben werden, Fotos herunter geladen und sortiert werden und vielleicht gehe ich noch schwimmen, denn wir haben hier einen kleinen Pool. Dafür ist es dann leider, bis ich soweit bin doch zu frisch, aber den Rest schaffe ich großteils und ein bisschen Zeit zu lesen ist natürlich immer.

12. Dezember, Los Angeles

sdr

Jeden zweiten Dienstag im Monat ist der Eintritt in das LACMA (Los Angeles County Museum of Art) frei, was für ein Glück, dass das heute passt. Wir gehen vorbei am Pedersen Automotive Museum, einem irren rot-silbernen Gebäude und an den La Brea Teergruben mit den Dinosaurier Skeletten entlang zum Eingang. Ich freue mich besonders „Metropolis II“ von Chris Burden wieder zu sehen. Leider wird gerade viel umgeräumt und neu gebaut, so dass ein Drittel des Museums geschlossen ist, aber drei Stunden sind eigentlich auch ausreichend und nachdem wir entspannt Kaffee getrunken haben gehen wir noch zum Farmers Market, einer alten Markthalle, und dem nebenan liegenden Einkaufszentrum mit einem dreistöckigen Barnes & Noble. Und dann ist es Zeit heimzufahren.

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11. Dezember, Los Angeles

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Wenn ich nach Los Angeles ziehen würde, würde ich am liebsten in Venice wohnen, auch wenn es, was öffentliche Verkehrsmittel angeht, schlecht angebunden ist. Venice of America, wie es ursprünglich hieß, wurde 1905 von Abbot Kinney als Vergnügungspark gegründet. Um das Sumpfgebiet nutzbar zu machen, ließ Kinney Kanäle graben, die mit original italienischen Gondeln von venezianischen Gondolieri befahren wurden. Zwanzig Jahre später waren die Kanäle in desolatem Zustand und mussten zum Teil aufgeschüttet werden, es gab politische Querelen und Venice wurde, nach einer Abstimmung, Teil von Los Angeles. Ein kurzer Oil Rush half dem Stadtteil während der Wirtschaftskrise, danach verfiel er, von Los Angeles vergessen, in einen Dornröschenschlaf aus dem er langsam erwachte, als ihn die Beat Generation in den 50er Jahren entdeckte. Gleichzeitig begannen sich Gangs zu bilden und in den 90er Jahren führten die Feindlichkeiten zu Kämpfen um Crack Verkaufsgebiete. Das Eingreifen der Polizei verlagerte das Problem und Venice wurde wieder attraktiver, sowohl für Künstler als auch für junge Familien. Immobilienpreise stiegen, alte Regelungen machten es schwierig neue Wohngebieten zu erschließen und eine der Konsequenzen war der Anstieg von Obdachlosen zwischen 2014 und 2020 von 175 auf 2000. In der Metro auf dem Weg nach Santa Monica erleben wir dann auch gleich eine kleine Einstimmung. Eine etwas älter Afro-Amerikanerin setzt sich in unsere Nähe und hört laut Musik, Boris bittet sie die Lautstärke zu reduzieren und ihre Antwort lautet „No, I will not, you racist asshole“. Andere Fahrgäste geben ihre Kommentare ab, eine bizarre Situation die aber zum Glück nicht eskaliert. Wir fahren mit dem Bus weiter Richtung Venice, gehen die Kanäle entlang über kleine Brücken und dort ist es ruhig und sehr entspannt. Zurück auf der Pacific Avenue trinken wir gemütlich Kaffee und gehen dann an den Strand. Es gibt geschwungene Pfade für Fahrradfahrer, Inlineskater, und Rollschuhläufer, dazwischen liegt eine runde Fläche auf der gerade eine Rollschuh-Disco stattfindet. Langsam geht die Sonne unter und wir fahren mit Bus und Metro nach Hause.

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10. Dezember, Los Angeles

dav

Um 7:30 h klingelt der Wecker, denn Boris will möglichst früh zur Rose Bowl wo heute ein riesiger Flohmarkt stattfindet. Wir frühstücken zusammen, er macht sich auf den Weg und ich gehe zurück ins Bett um noch ein bisschen zu lesen, denn ich würde auf so einem großen Flohmarkt so viele Dinge sehen, die ich gerne kaufen will und nicht kann, weil mein kleiner Koffer ja jetzt schon aus allen Nähten platzt, da bleibe ich lieber daheim. Ich mache mir also einen gemütlichen Tag und um 14 Uhr schnappe ich Geldbeutel und Rucksack, spaziere den Sunset Boulevard mit seiner diversen Architektur entlang und gehe einkaufen. Wieder daheim will ich mir gerade einen Kaffee machen, da klopft es und Boris ist schon zurück, wir trinken gemeinsam Kaffee und er erzählt mir von den vielen tollen Dingen die er gesehen hat. Gut, dass ich daheim geblieben bin, das wäre hart für mich gewesen.

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