
Als erstes wollen wir heute je einen Wochenpass für die öffentlichen Verkehrsmittel erstehen. Wir gehen zur nächsten Haltestelle und probieren es erneut am Automaten, leider ohne Erfolg. Eine winzige süße alte Asiatin versucht uns zu helfen, aber auch sie weiß nicht weiter. Zwei Metro Angestellte empfehlen uns die Union Station und lassen uns umsonst fahren, wie nett. Wir fragen uns an der Union Station, wo sogar die Toiletten wunderschöne Fliesen haben durch, finden schließlich den Schalter und ich erhalte von der jungen Frau sogar ohne großes Murren einen Seniorenpass. Höchst zufrieden fahren wir zum Pershing Square und gehen von da zu „The Last Bookshop“, diesem wunderbaren, verwinkelten, verstaubten Buchladen in dem es für Boris auch Schallplatten gibt und für mich natürlich Bücher, Bücher, Bücher. Zurück am Square finden wir ein Café mit gutem Kaffee und Schneckennudeln. Boris will noch zu Amoeba Music, dem größten unabhängigen Plattenladen der Welt und ich gehe bergauf zu der wunderbaren Central Library, die 1926 von Bertram Goodhue im Art Deco Stil entworfen wurde. In den 60er Jahren war das Gebäude dann nicht nur renovierungsbedürftig, es herrschte inzwischen auch extremer Platzmangel, 1986 gab es einen Brand — und nun musste wirklich gehandelt werden. Das Problem bestand darin mitten im Zentrum der Stadt, mit wenig finanziellen Mitteln ein bestehendes, öffentliches Gebäude zu vergrößern. Die finanzielle Lösung fand sich in einer Regelung die besagt, dass Air Rights, also das Recht höher in die Luft zu bauen als das Gesetz vorsieht, an angrenzende Neubauten veräußert werden können die dann höher als vorgesehen gebaut werden dürfen. Um die Air Rights veräußern zu können und trotzdem ein ausreichend hohes Gebäude zu bauen wurde ein achtstöckiger Flügel an das ursprüngliche Gebäude angedockt mit einem oberirdischen und sieben unterirdischen Stockwerken. Das klingt unglaublich düster, ist aber so geschickt gemacht, dass man nie das Gefühl hat sich im Keller zu befinden. Um halb sechs mache ich mich auf den Heimweg vorbei an der Eislaufbahn, kaufe noch kurz ein und kurz darauf kommt Boris mit einem großen Koffer nach Hause.























