9. Dezember, Los Angeles

dav

Als erstes wollen wir heute je einen Wochenpass für die öffentlichen Verkehrsmittel erstehen. Wir gehen zur nächsten Haltestelle und probieren es erneut am Automaten, leider ohne Erfolg. Eine winzige süße alte Asiatin versucht uns zu helfen, aber auch sie weiß nicht weiter. Zwei Metro Angestellte empfehlen uns die Union Station und lassen uns umsonst fahren, wie nett. Wir fragen uns an der Union Station, wo sogar die Toiletten wunderschöne Fliesen haben durch, finden schließlich den Schalter und ich erhalte von der jungen Frau sogar ohne großes Murren einen Seniorenpass. Höchst zufrieden fahren wir zum Pershing Square und gehen von da zu „The Last Bookshop“, diesem wunderbaren, verwinkelten, verstaubten Buchladen in dem es für Boris auch Schallplatten gibt und für mich natürlich Bücher, Bücher, Bücher. Zurück am Square finden wir ein Café mit gutem Kaffee und Schneckennudeln. Boris will noch zu Amoeba Music, dem größten unabhängigen Plattenladen der Welt und ich gehe bergauf zu der wunderbaren Central Library, die 1926 von Bertram Goodhue im Art Deco Stil entworfen wurde. In den 60er Jahren war das Gebäude dann nicht nur renovierungsbedürftig, es herrschte inzwischen auch extremer Platzmangel, 1986 gab es einen Brand — und nun musste wirklich gehandelt werden. Das Problem bestand darin mitten im Zentrum der Stadt, mit wenig finanziellen Mitteln ein bestehendes, öffentliches Gebäude zu vergrößern. Die finanzielle Lösung fand sich in einer Regelung die besagt, dass Air Rights, also das Recht höher in die Luft zu bauen als das Gesetz vorsieht, an angrenzende Neubauten veräußert werden können die dann höher als vorgesehen gebaut werden dürfen. Um die Air Rights veräußern zu können und trotzdem ein ausreichend hohes Gebäude zu bauen wurde ein achtstöckiger Flügel an das ursprüngliche Gebäude angedockt mit einem oberirdischen und sieben unterirdischen Stockwerken. Das klingt unglaublich düster, ist aber so geschickt gemacht, dass man nie das Gefühl hat sich im Keller zu befinden. Um halb sechs mache ich mich auf den Heimweg vorbei an der Eislaufbahn, kaufe noch kurz ein und kurz darauf kommt Boris mit einem großen Koffer nach Hause.

dav
dav

8. Dezember, unterwegs

Alles fängt gut an. Wir verpassen zwar die Auffahrt auf den Highway 99, aber das setzt uns nur zehn Minuten zurück. Das Wetter ist perfekt, der Verkehr fließt und um 13 Uhr geben wir das Auto beim LAX Flughafen ab. Zwei Stunden hat Google für die Metrofahrt zu unserer Unterkunft veranschlagt, das könnte noch für einen Kaffee reichen. Die knappe Stunde mit, erst dem Autovermietungs-Shuttle zum Flughafen und dann dem Metro Connector Shuttle zur Bahn, kommt zu den zwei Stunden allerdings noch dazu. Ich hatte Sonnenbrillen Etui und Handy (mit Screenshots für den Weg zur Autovermietung) vorne in die Ablage gelegt und Boris hat, weil er lieber die Landkarte verwendet hat, das Handy hochgeklappt, damit wir es nicht vergessen. Während der Fahrt ist es gekippt und lag daher an der rückwärtigen Kante der Ablage. Als ich nach Etui und Handy greife, erfassen ich daher nur das Etui und denke, „Ach, Boris hat das Handy schon raus genommen“. An der Metro Haltestelle fährt uns die erste Bahn vor der Nase weg, die zweite Bahn lassen wir ziehen weil „Not in service“ drauf steht. Kurz bevor die dritte Bahn kommt, frage ich Boris nach meinem Handy und — man ahnt es schon — er hat es natürlich nicht genommen. Kurze Panik, dann fahre ich alleine und ohne Gepäck zurück zur Autovermietung, kann nach längerem Warten die nette junge Frau überreden, mit mir kurz direkt im Auto, das zum Glück noch dasteht, zu schauen und tatsächlich, da steht mein Handy an der rückwärtigen Kante der Ablage. Ich fahre zurück zu Boris, der an der Haltestelle gewartet hat, und dann fahren wir gemeinsam in die Stadt. An unserer Haltestelle angekommen überlege ich kurz, ob ich den Kompass in meinem Handy einsetzen soll, aber der Screenshot zeigt den Weg vorbei am Krankenhaus und das liegt vor uns. Leider liegt es auch hinter uns, wir gehen also erst mal in die falsche Richtung, können uns zum Glück irgendwann bei dem WLAN von MacDonalds einloggen und finden so den richtigen Weg. 30 Minuten später stehen wir, endlich an der richtigen Adresse, aber vor einem verschlossenen Tor. Weil wir keine Email erhalten hatten, war ich davon ausgegangen, dass es eine Concierge gibt, die uns in die Wohnung lässt. Dem ist leider nicht so, wir machen uns also auf die Suche nach einem Restaurant mit WLAN, um in unserem Emailaccount nachzuschauen, ob wir Post bekommen haben. Unterwegs sehen wir ein paar Motels, das wäre eine Alternative, aber Boris meint, wir sollten erst unsere Emails checken. Die ersten drei Restaurants haben kein WLAN, aber dann meint ein netter Ladenbesitzer, der gesehen hat, dass wir Hilfe benötigen, dass nebenan ein Chicken Joint sei, über denn wir vielleicht ins Internet kommen. Wir stellen uns außen hin und, hurra, das WLAN ist free, wir müssen also nicht hinein und Hühnchen essen und nochmals hurra, es gibt eine Email mit allen Informationen zu unserer Wohnung. Wir gehen zurück und stehen um 20 Uhr endlich in unserem Zuhause für die nächsten zwei Wochen. Nachdem wir alles abgeladen haben, gehen wir noch kurz einkaufen und dann lade ich Boris in ein sehr lustiges kleines Thai Noodle Restaurant ein. An meinem Platz steht plötzlich ein orangefarbenens Getränk und als ich den Kellner frage, was das sei, sagt er, „Oh, wrong table, this is Thai tea. You want it? It’s on the house.“. Das Getränk ist sehr süß und ich finde es köstlich, ein bisschen wie einen Nachtisch. Trotz des süßen Abschlusses, war dies der schwärzeste Tag unserer Reise und wir sind sehr froh, dass alles, obwohl wir keine SIM-Karten haben, doch noch geklappt hat.

7. Dezember, Ventura

dig

Von Touristinformation haben wir einen Stadtplan mit einer historischen Walking-Tour bekommen und die wollen wir heute zumindest zum Teil abgehen. Das Parken in der Innenstadt ist umsonst und auch das Museum of Ventura mit Ausstellungen zum Thema Wasser, es gibt hübsche viktorianischen Häuser und natürlich auch einige im spanischen Baustil. Die Main Street ist zum Teil Fußgängerzone und es gibt sehr wenig Leerstand, was, auch wenn hier alles eher touristisch ist, nach Fresno und Bakersfield auch mal wieder schön ist. Nachdem wir Kaffee getrunken haben, gehen wir ans Meer und schauen bis zum Sonnenuntergang den Surfern zu. Wir beschließen den Tag mit dem Besuch eines Einkaufzentrums, um uns Koffer anzuschauen und Salat, Brot und Käse für unser Abendessen zu kaufen.

sdr
hdr

6. Dezember, unterwegs

dig

Die Koffer sind gepackt und Viertel vor elf fahren wir los, leider wieder erst einmal in die falsche Richtung, aber kurz darauf sind wir auf dem Highway 99 nach Süden und Ventura. Ab da klappt alles prima, wir kommen gut durch und sind kurz nach 13 Uhr beim Motel, geben kurz Bescheid, dass wir da sind und fahren dann in die Innenstadt. Boris sucht einen Plattenladen auf und ich gehe zur Touristeninformation, besorge uns Stadtpläne und ein bisschen weiteres Material und setze mich damit in die Sonne, um mich über Ventura zu informieren. Dann ist es auch schon Zeit einzuchecken und anschließend gehen wir zu Fuß zu einem Café um uns zu stärken. Boris macht sich auf den Weg zu einem weiteren Plattenladen und ich besuche den wunderbaren Buchladen direkt neben dem Café, so frönen wir beide unseren Hobbys. Auf dem Weg zum Café haben wir ein ganz kleines Burgerrestaurant gesehen, dort wollen wir später zu Abend essen. Aber erst geht es noch, auf mehreren Irrwegen und vorbei an zahlreichen weihnachtlich dekorierten Häusern, ans Meer.

dig
dav

5. Dezember, Bakersfield

dav

Wir haben noch nicht alle Thriftshops in Bakersfield erforscht, deshalb wird es heute ein reiner Vintage Tag, gar nicht um zu shoppen, sondern der Kuriositäten wegen. Unterwegs schauen wir uns die historischen Gebäude an und während wir die Informationstafel am „Hayden Building“ lesen, werden wir von Casey und Anton eingeladen, das Gebäude, inklusive einer kleinen Führung, von innen anzuschauen. Das ist so unglaublich nett und, wie ich finde, sehr amerikanisch. Dann machen wir wieder Kaffeepause im „Dagny’s“ und abends gehen wir nochmal thailändisch essen, weil es so lecker war.

dav
dav

4. Dezember, Bakersfield

mde

Für Boris steht heute sein allerliebster Lieblingsplattenladen an. Ich setze mich in der Zwischenzeit auf eine Bank und schreibe meine Blogeinträge für die letzten zwei Tage. Weil die Bank etwas unbequem ist, mache ich mit Boris aus, dass wir uns um 14:30 h im „Dagny’s“ treffen und gehe dann zum Central Park. Der Weg ist leider etwas trostlos, es gibt viel Leerstand und der Park ist leider auch recht desolat, keine Bänke, vertrocknetes Gras ohne Bäume und ein paar Obdachlose. Gleich daneben ist das Kunstmuseum von Bakersfield mit einer sehr gepflegten, allerdings eingezäunten Gartenanlage. Aber weil ich ja ein Glückskind bin, sehe ich, dass einige Gärtner am arbeiten sind und ein Törtchen offen gelassen haben. Dort schleiche ich mich hinein (natürlich werde ich gesehen) und setze mich auf eine kleine Bank um zu lesen. Kurz vor halb drei verabschiede ich mich von den Gärtnern und gehe zum Café. Boris kommt dazu und zeigt mir seine Schätze und dann fahren wir noch zum „Your Wildest Dreams“, dort sind inzwischen all die Läden, die vorher im Woolworth’s waren, untergebracht, und freuen uns an den Kuriositäten. Nach einem kurzen Zwischenstopp im Hotel fahren wir zu dem tollen Thai Restaurant, das wir von unseren letzten Aufenthalten kennen und das die Pandemie zum Glück überlebt hat.

3. Dezember, Bakersfield

dig

Nach dem Frühstück ziehen wir um in ein ruhigeres Zimmer und dann fahren wir Wäsche waschen und Einkaufen. Anschließend geht es in die Innenstadt um im alten Woolworth’s Gebäude einen riesigen Erdbeer-Milkshake zu uns zu nehmen. Das Gebäude wurde 1994 in eine Art Mall umgewandelt, in dem neben unzähligen Vintage, Thrift, und Antiquitäten Shops Woolworth’s Lunchette, komplett mit Theke und Booths erhalten geblieben ist. Unsere Enttäuschung ist riesig, als wir vor verschlossenen Türen stehen. Weil es Sonntag ist, ist die Stadt recht verlassen, wir wandern etwas ziellos herum, fragen schließlich in einem geöffneten Geschäft nach einem Café und landen so im gemütlichen „Dagny‘s“. Weil es erst später Nachmittag ist, fahren wir noch zu „Ross Dress for Less“, um nach einem großen Koffer (für die Schallplatten) zu schauen. Und auf dem Rückweg zum Hotel erkennen wir dann einiges wieder, zum Beispiel den großen „Barnes & Noble“ Buchladen in dem wir einen Zwischenstopp machen und als wir das „Super 8“ Hotel sehen, wird uns klar, dass unser ehemaliges Hotel nur den Namen geändert hat.

dig
burst

2. Dezember, unterwegs

dig

Vor dem Auschecken machen wir noch eine kleine Runde und entdecken dabei, dass heute in Fresno die große Weihnachtsparade stattfinden wird. Um elf Uhr soll es losgehen und wir stehen pünktlich mit gezückten Kameras auf einem Mäuerchen. Die Stadt fährt alles auf was sie hat, Fahrräderr, Motorräder, Oldtimer, Football Teams, Baseball Teams, Leichenwagen, Feuerwehrwagen, Polizeiautos, und jede Menge an Kleinunternehmern in Pick-up Trucks. Eine Stunde später rollt das letzte Auto die Straße entlang und wir fahren nach Norden zu zwei Plattenläden. Kurz vor 14 Uhr machen wir uns dann auf Richtung Süden zu unserem geliebten Bakersfield. Anstatt des Highways wählen wir die Bundesstraße, für die etwas über zwei Stunden veranschlagt werden. Die Strecke ist wunderschön, aber die Zeitangabe stimmt leider nicht und als wir in Bakersfield ankommen wird es gerade dunkel, bei meiner Nachtblindheit eine blöde Situation. Zum Glück finden wir die richtige Straße, aber die Zufahrt zum Hotel „Travelodge“ ist etwas versteckt. Eigentlich müssten wir das Hotel leicht finden, denn wir waren ja schon zweimal da, aber irgendwie ist alles anders und im Dunkeln sowieso. Irgendwann steigen wir aus und zu Fuß finden wir es dann auch. Jetzt nur noch schnell etwas essen und dann ab ins Bett.

sdr
sdr

1. Dezember, Fresno

dav

Nach dem Auschecken und einem kurzen Zwischenstopp in einem Thriftshop fahren wir zum Zentrum von Oakhurst, aber entweder es gibt kein richtiges Downtown oder wir sind im falschen Eck. Also fahren wir auf dem Highway 41 weiter und weil wir so früh dran sind, biegen wir irgendwann auf den Yosemite Parkway ab, haben die Straße fast für uns alleine, bewundern die Landschaft und fragen uns, wo wir wohl rauskommen werden. Unser kleines Abenteuer endet zurück auf dem Highway 41. Am frühen Nachmittag kommen wir in Fresno an und fahren etwa eine Stunde lang ziellos durch die Stadt auf der Suche nach der Touristeninformation, denn wir haben noch keine Unterkunft gebucht. Fragen hilft leider auch nicht weiter, aber irgendwann finden wir ein Starbucks mit free WiFi und so ein, sogar zentral gelegenes Motel und dort bekommen wir auch ein Zimmer. Es ist Zeit für Kaffee und wir finden das nette Fulton Street Café in dem wir uns den letzten Muffin teilen. Ein Spaziergang durch die Stadt mit ihrer Mischung aus Beaux Art und 60er Jahre Space Age Architektur bringt uns zu einem Supermarkt, wir kaufen ein bisschen ein und gehen dann über den kleinen Bahnhof zurück zum Motel. Kurz die Füße hochlegen und dann gehen wir lecker Pizza essen.

dav
dig

30. November, unterwegs

dig

Um elf Uhr holen wir unseren roten KIA ab und fahren über zwei Brücken hinaus aus San Francisco, leider erst mal in die falsche Richtung. Wir wenden, lassen die Ausläufer der Stadt hinter uns und ein paar Stunden später sind wir mitten in den Bergen, die aussehen wie eine Herde schlafender Brontosaurier. Wenn wir gefragt werden, was uns an Kalifornien so gut gefällt, lautet unsere Antwort immer, „Die Landschaft und das Licht“. Auf Fotos lässt sich beides leider, oder zum Glück, nur bedingt einfangen. Wir machen trotzdem ein paar Fotostopps, kommen gegen halb fünf in Oakhurst an und fragen uns zu unserer Unterkunft durch. Noch ein kurzer Abstecher zum Supermarkt und dann sinken wir in unser kingsize Bett.

dig
hdr