29. November, San Francisco

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Bei Boris stehen heute die restlichen Plattenläden auf der Liste und ich habe noch ein paar Highlights, die ich mir anschauen will. Zuerst gehe ich zum Alamo Square um die „Painted Ladies“ zu sehen. So werden die viktorianischen Häuser genannt, die mit mehr als zwei Farben gestrichen sind. Auf dem Weiterweg entdecke ich noch einige der angemalten Damen. Wie in jeder Stadt, gibt es auch in San Francisco inzwischen sehr viele schöne Murals, aber die Clarion Alley ist komplett besprayt und es sind tolle Bilder dabei. Einige von euch wissen wie gerne ich rutsche und als ich von der Rutsche im Seward Mini Park gelesen habe, habe ich sie natürlich sofort auf meine Liste gesetzt. Entworfen hat sie 1973 die damals 14-jährige Kim Clark im Rahmen eines, von Bildhauerin Ruth Asawa ausgeschriebenen Wettbewerbs, um den steilen Straßenabschnitt zu überwinden. Natürlich kann man auch zu Fuß gehen, aber rutschen macht so viel mehr Spaß. Inzwischen ist es halb drei, ich lasse die Twin Peaks, von den spanischen Gründern der Stadt Los Pechos de la Chola (in etwa, die Brüste des Indianermädchens) genannt, links liegen und gehe ins Castro, das genderübergreifende Viertel der Stadt, wo die Auswahl an Restaurants und Cafés groß ist. Frisch gestärkt gehe ich zurück zum Hotel mit vorher noch einem kurzen Abstecher nach Japantown und dann marschieren Boris und ich die 45 Minuten zum „Next Level Burger“, der uns schon in Portland so gut gefallen hat. Heim nehmen wir aber den Bus, heute sind wir genug gelaufen.

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28. November, San Francisco

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Auf dem Programm stehen heute einige Punkte und wir sind froh, dass wir als Stuttgarter hügelerprobt sind. Unser erster Stopp, der „City Lights Bookstore,“ ist noch relativ ebenerdig zu erreichen. Seit 1953 gibt es ihn und seit 1955 auch als Verlag, dessen vierte Veröffentlichung „Howl and Other Stories“ von Allen Ginsberg, es schnell auf die Bestsellerliste schaffte. Unser nächstes Ziel ist der Cuit Tower auf dem Telegraph Hill, 387 Stufen hinauf bis an das Ende der Filbert Street. Wir machen kurz Pause, genießen die Aussicht, fotografieren die Golden Gate Bridge und beginnen dann den Abstieg. Morgen werden wir sicher unsere Schienbeine spüren. Es geht weiter zur Lombard Street, bekannt aus Film und Fernsehen, die so steil ist, dass die Straßenführung nur im Slalom möglich war. Wir gehen erst rauf und dann natürlich wieder runter, damit wir den tollen Ausblick genießen können. Nun steht uns der Sinn aber nach flachen Wegen, deshalb gehen wir zu den Piers, schlendern dort etwas herum und besuchen das „Musee Mecanique“, in dem unzählige, zum Teil über hundert Jahre alte, Jahrmarktsautomaten ausgestellt sind. Die meisten sind noch voll funktionsfähig, was für ein Spaß. Inzwischen ist es Kaffeezeit, wir schlendern die Columbus Street entlang auf der Suche nach einem Café, kommen aber, weil es so viel zu sehen gibt, nur langsam voran. In einem sehr entspannten, netten, mexikanischen Deli werden wir fündig. Wieder draußen biegen wir ab in die Grant Street und sind plötzlich mitten in Chinatown. Allerdings finde ich es, nach Manhattans Chinatown, fast etwas zu gepflegt. Weil wir noch Zeit haben, gehen wir zu einem Plattenladen und danach indisch essen.

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27. November, San Francisco

Nach dem Frühstück checken wir aus, aber weil unser Bus erst um 13:55 h fährt, dürfen wir noch eine bisschen bleiben. Ein Stück Schnellstraße entlang und dann einen Teil Landstraße ohne Gehweg, vorbei an zahlreichen Obdachlosenzelten, erreichen wir endlich die Busstation. Unser Fahrer ist ein großer Selbstdarsteller, ist aber zum Glück während der Fahrt ruhig. Um 16:20 h kommen wir an und kurz vor fünf Uhr sind wir im Hotel. Es ist zwar sehr nüchtern, aber es hat einen Kühlschrank und es liegt mitten im Mission District mit allem, was man so braucht in einer Stadt, in der Nähe. Wir gehen noch ein bisschen die Nachbarschaft erforschen, kaufen etwas zu essen und zu trinken und gehen dann, zurück im Hotel, bald schlafen.

26. November, Sacramento

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Boris fährt zu einem Plattenladen am Stadtrand und ich gehe zuerst in die alte Kathedrale und dann setze ich mich mit meinem Buch im Park auf eine Bank in der Sonne. Zwei Stunden ungestört lesen, so stelle ich mir das Rentnerleben vor. Um 14 Uhr breche ich auf Richtung 24th Street um mich mit Boris auf einen Kaffee in „Rick’s Diner“ zu treffen. Ich schlendere die J Street entlang und fotografiere all die wunderbaren Murals. Der Diner ist komplett im Stil der 50er Jahre eingerichtet und die Auswahl an Kuchen und Törtchen ist unglaublich. Wir entscheiden uns für Karamell-Napoleons und für einen Iced Latte, weil es draußen so warm ist, machen uns dann gut gesättigt auf den Rückweg und beschließen, nochmal zum alten Teil der Stadt zu gehen. Die drei ältesten Gebäude dienen heute Abend als Bühne für eine Darstellung der Geschichte Sacramentos, Schauspieler tummeln sich auf den Balkons und dazwischen gibt es ab und zu eine Lightshow. Und dann ertönt der klagenden Ton der Lokomotive und aus dem Zug strömen wieder Menschen in Schlafanzüge, sehr lustig. Zwei Straßen weiter ist ein Oldtimer Treffen und wir bewundern die schönen alten Autos. Und dann ist es auch schon Zeit fürs Abendessen.

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25. November, Sacramento

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Wir sind immer noch auf der Suche nach dem perfekten Koffer, damit Boris seine neuen Platten sicher heim bekommt. Deshalb beschließen wir, die Black Friday Sonderangebote im Mall anzuschauen. Mit Bahn und Bus geht es auf die grüne Wiese, die allerdings aus einem riesigen Parkplatz und vielen Gebäuden besteht. Im Bus gibt es kurz Ärger, ein Fahrgast rollt sich wohl beim Einsteigen einen Joint, die Busfahrerin weist ihn darauf hin, dass dies in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht erlaubt ist woraufhin er extrem ausfällig wird, letztendlich aber wieder aussteigt. Wir gehen gezielt zu Macy’s und JCPenny, kaufen aber nichts. Eigentlich wollte Boris noch zu einem Plattenladen und ich wollte durch den Park zurück in die Stadt, aber er hat keine Lust mehr und ich keine Zeit, denn ich will auch noch in die Bibliothek. Deshalb fahren wir zurück, nehmen allerdings eine andere Strecke und landen dadurch in einem sehr hübschen Viertel mit einem netten Café und danach gehen wir getrennte Wege.

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24. November, Sacramento

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Pünktlich um 6:28 h kommen wir in Sacramento an orientieren uns kurz und gehen dann zu dem Hostel in dem wir 2019 bereits einmal übernachtet haben. Wir klingeln, Keera lässt uns herein und, wie lieb, lässt uns sogar schon unser Zimmer beziehen und wir dürfen im Hostel frühstücken. Sie ist echt ein Schatz. Wir richten uns ein und fragen, ob es einen Stadtplan gibt und sie verneint und druckt uns einen aus. Gut gerüstet gehen wir los Richtung Plattenläden. Ich habe ein Buch dabei, es ist ein wunderschöner Tag, in der Sonne hat es 17 Grad oder mehr und Boris kauft eine Platte. Wir finden ein entzückende, kleines Café, trinken den wahrscheinlich schlechtesten Kaffee unserer Reise und essen einen superfetten süßen Kuchen. Danach gehen wir zum alten Teil der Stadt der sehr touristisch ist. Es gibt Souvenirläden, einen Weihnachtsbaum, und ganz viele Menschen in Schlafanzüge die Tickets für den Polarexpress haben. Noch schmunzelnd gehen wir durch die Innenstadt zu einem Supermarkt und kaufen ein bisschen ein.

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23. November, Eugene

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Nach dem Frühstück packen wir alles zusammen und checken aus. Weil unser Zug erst um 17:15 h los fährt, fragen wir ob wir noch ein Weilchen bleiben dürfen — toll, wir dürfen. Der Supermarkt hat bis 15 Uhr geöffnet und wir holen uns etwas zu essen für die Fahrt und machen es uns dann in der Leseecke im Hostel gemütlich. Es wird Nachmittag, wir verabschieden uns, versuchen noch ein Café zu finden das geöffnet hat, aber alles ist zu und alle feiern Thanksgiving. Zwei Obdachlose begegnen uns und sagen uns, dass es zwei Straßen weiter „free food“ gibt. Wir bedanken uns und wünschen ihnen ein happy Thanksgiving. Und dann sind wir an dem hübschen kleinen Bahnhof von Eugene, Boris holt uns noch zwei Kaffee und zwei Kekse und kurz darauf geht es los. Was für ein Genuss mit Beinfreiheit in einem sauberen Zug zu sitzen und wir gratulieren uns nochmals für die gute Entscheidung zu wechseln.

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22. November, Eugene

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Unser Hostel bietet Frühstück und einen Waschservice, das ist toll und wir nehmen beides gerne an. Anschließend ziehen wir zusammen los durch einen schönen Park am Fluss zu einem Mall mit Plattenladen. Natürlich gibt es hier auch andere Läden die wir uns anschauen. Kurz nach zwei steigen wir in den Bus zur Innenstadt und erfahren, dass Senioren umsonst fahren dürfen, hurra! Da morgen Thanksgiving ist, fragen wir überall nach den Öffnungszeiten und langsam wird uns klar, dass fast alles, Cafés, Restaurants, Läden, Kino, geschlossen sein wird und die paar Restaurants, die geöffnet haben bereits ausgebucht sind. Unser Bus fährt erst um 22:30 h — das kann ja heiter werden. Boris geht weiter zu ein paar Plattenläden und ich gehe zur Bibliothek. Für eine relativ kleine Stadt ist sie ganz schön großzügig und was ich interessant finde, ist die „Bibliothek der Dinge“. Das bedeutet, man kann hier auch Gegenstände wie zum Beispiel ungewöhnliche Backformen ausleihen. Ich google nach Möglichkeiten wo wir morgen essen können und wie wir zu unserem Bus kommen und habe immer weniger Lust auf diese Fahrt. Der Zug kostet doppelt so viel, aber er fährt früher los, hat ein Bordcafe und ist sicher komfortabler. Zurück im Hostel frage ich Boris, was er von der Idee hält umzubuchen, er findet sie gut und online ist das zum Glück auch schnell erledigt.

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20. November, Portland

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Boris macht sich nach dem Frühstück per Bus auf zu einem weiteren Plattenladen und ich möchte mir die Bibliothek anschauen. Aber zuerst will ich in einem winzigen japanischen Café einen Kona Kaffee trinken, stehe dann aber vor verschlossener Türe. Vor der Bibliothek das selbe Spiel, Closed for Renovation, steht auf dem großen Schild, vielleicht ist es Zeit für einen Tee. Auf dem Weg informiere ich mich vor einem Kino über die neuesten Filme, da spricht mich eine ältere Frau an, um mir zu sagen, dass Montag und Dienstag Kinotag sei. Wir kommen ins Gespräch und eine Stunde später habe ich zwar ein bisschen kalte Füße, aber auch sehr viel Informationen über San Francisco wo Marie 48 Jahre lang gewohnt hat. Was für ein nettes Erlebnis. Weil ich erst um 15 Uhr mit Boris im Hotel verabredet bin, gehe ich auf dem Weg zum Hotel noch in einen Laden der „Scraps“, also Reste, heißt und bin total begeistert. Es gibt ein Fass mit Kronkorken und eines mit kaputten Tischtennisbällen, es gibt Container voll mit Buntstiften, mit Wachsstiften und mit Filzstiften, es gibt Kisten mit kleinen Stofffetzen und Kisten mit aufgerollt Stoffresten, und es gibt Fächer mit alten Schnittmustern und da werde ich fündig. Was für ein absolut cooler Laden. Anschließend gehen Boris und ich nochmal zu „Ken’s Artisan Bakery“, weil die Backwaren so lecker sind und danach zu „Trader Joe’s“ und dann bummeln wir noch ein bisschen durch die Stadt bis es Zeit ist heim zu gehen und alles für die morgige Weiterfahrt vorzubereiten.

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21. November, Eugene

Mit dem Wetter haben wir weiterhin Glück, der Bus ist auch schon da (leider richt er sehr streng nach Urin) und pünktlich um 11:25 h geht es los nach Eugene, Oregon. Drei Stunden kommen wir an und gehen erst einmal in die falsche Richtung los. Wir bitten einen älteren Herren um Hilfe, aber er ist ziemlich unsicher, deshalb bedanken wir uns und gehen weiter zu einem Café. Das will gerade schließen, aber die junge Frau ist sehr hilfsbereit und dann sind wir auch auf dem richtigen Weg. Wir trinken einen etwas laschen Kaffee im „Union Farmers Coffee“ und kurz darauf stehen wir vor unserer Unterkunft. Das Hotel in Portland war sehr gepflegt und wir hatten ein großes Zimmer mit zwei queensize Betten. In Eugene wohnen wir in einem Hostel in einem kleinen Zimmer mit nur einem queensize Bett. Es ist witzig eingerichtet und wir fühlen uns hier genauso wohl wie in Portland. Wir richten uns kurz ein und ziehen dann los. Auf dem Weg zu einem Plattenladen entdecken wir das „Acorn Café“, da wollen wir heute zu Abend essen. Eine Stunde später stehen wir wieder davor und sehen den Zettel auf dem steht Open Thursday through Sunday. Zum Glück haben wir auf dem Weg ein indisches Restaurant gesehen, aber auch es hat geschlossen. Das thailändische Restaurant nebenan ist leider gar nicht ansprechend, aber wir haben auf dem Hinweg noch ein weiteres thailändischen Restaurant gesehen und dort bekommen wir dann ein wirklich sehr leckeres Abendessen.