Nach dem Frühstück schlendern wir zu unseren Lieblings-Locations, Boris zu einem neuen Plattenladen und ich zurück zu dem Buchladen. Wir treffen uns kurz nach drei Uhr wieder und gehen in „Hal’s Café“ im alteingesessenen „Crystal Hotel“, ein Erlebnis wie eine kleine Zeitreise. Weil wir Downtown Portland noch gar nicht richtig erforscht haben, bummeln wir anschließend durch weihnachtlich geschmückte Straßen, verbringen viel Zeit im bisher schönsten „Muji“-Laden, besuchen auch hier, wie in allen anderen Großstädten, den Broadway, und bewundern die Neonreklamedisplays der vielen alten Kinos, die es hier noch gibt. Und dann ist es Zeit für leckere Hamburger im veganen „Next Level Burger“.
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18. November, Portland
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Google hat 100% Regenwahrscheinlichkeit angekündigt, aber noch ist es schön, deshalb gehen wir in den Washington Park, der ca. zehn Minuten entfernt von uns liegt. Park bedeutet in diesem Fall eher so etwas wie der Wald um unsere Bärenseen herum, es gibt ausgeschilderte Wege und ab und zu ist er durchbrochen von einer Autostraße. Nur die Bäume sind hier etwas größer, schließlich sind wir in den USA. Mittendrin gibt es einen tollen Rosengarten und einen japanischen Garten, den wir allerdings nicht besuchen, weil der Eintrittspreis ziemlich hoch ist. Das Arboretum wollen wir aber noch anschauen, der Weg schlängelt sich den Berg hinauf, rechts und links wachsen große Farne, ab und zu begegnet man anderen Spaziergängern, aber größtenteils ist es hier ziemlich unberührt. Die über 6.000 Baumarten im Arboretum schauen wir uns nicht alle an, sondern beschließen, dass 2,5 Stunden strammer Marsch für heute reichen. Weil der Park so groß ist, gibt es einen Shuttlebus der Besucher umsonst zu verschiedenen Punkten fährt und mit dem fahren wir zurück zum Eingang. Nach einem kurzen Zwischenstopp im Hotel gehen wir zu „Trader Joe’s“ um einzukaufen und danach zu „Ken’s Bakery & Pattiserie“ einen Kaffee trinken. Die Burnside Street hinunter liegt „Powell’s City of Books“, der größte Buchladen der Welt und während Boris weiter zieht zu zwei, von ihm noch unerforschten Plattenläden, bleibe ich hier und verbringe die nächsten 2,5 Stunden im Glück. Beschwingt gehe ich kurz vor sieben Uhr durch den Regen zurück ins Hotel.
17. November, Portland
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Halb fünf, der Wecker klingelt, wir machen uns fertig und verlassen das Hotel. Eine Stunde später sind wir am Greyhound Busbahnhof und laut unserem Ticket fahren wir heute auch mit einem Greyhound Bus. Wir ignorieren also anfänglich den Bolt Bus nach Sacramento und erst als mir einfällt, dass unser Bus ja weiter fahren wird und Boris die Busnummer vergleicht, wird uns klar — wir fahren heute mit Bolt. Es geht pünktlich los und kurz nach sieben wird es langsam hell. Die Fahrt geht durch dunkle Wälder, dazwischen liegen kleine Tümpel und große Wiesen auf denen sich kanadische Gänse auf ihrem Flug nach Süden ausruhen, es ist total neblig und sieht dadurch sehr verwunschenen aus. Viertel nach zehn kommen wir an und unser Hotel liegt wieder bergauf, aber zum Glück nicht ganz so steil wie in Seattle. Wir richten uns ein und ziehen los, die Stadt zu erforschen. Auch hier gibt es wieder riesige Autobahnen, die die Stadt zerschneiden und auch hier sehen wir wieder viele Obdachlose. Wir fragen uns, warum es in Vancouver, Seattle, und Portland immer in Chinatown am heftigsten ist und wie sehr die Pandemie die Situation verschlimmert hat. Portland galt im 19. Jahrhundert eine zeitlang als die verruchenste Stadt der USA, aber es gibt hier viele schöne Gebäude die auf einigen Wohlstand hindeuten. Im Internet habe ich nach nachhaltigen Cafés geschaut und um zwei Uhr gibt es dann in einem davon Frühstück. Ich begleite Boris noch zu einem Plattenladen und gehe dann ins Hotel um die Füße hochzulegen.
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16. November, Seattle
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Unseren letzten Tag wollen wir etwas entspannt angehen, auch weil unser Bus morgen früh schon um 6 Uhr losfährt. Unser erster Stopp ist die Bibliothek. Sie wurde 2004 eröffnet, ist zehn Stockwerke hoch und 33.725 qm groß — also ganz schön beeindruckend und auch ästhetisch ein Genuss. Nachdem wir alles, inklusive dem entzückenden Buchladen, ausführlich erforscht haben, gehen wir weiter Richtung Meer um uns den großen Fähranleger anzuschauen und dann am Wasser entlang in die Innenstadt. Der Pioneer Square ist sehr nett gemacht und im Waterfall Park könnte man fast vergessen, dass man in einer Stadt ist. Auf einem Blog habe ich das Café Tougo entdeckt und es ist noch viel entspannter als gedacht und Brian ist unglaublich freundlich und er und Boris fangen sofort an über Musik zu fachsimpeln. Ein bisschen traurig machen wir uns auf, Boris zu zwei Plattenläden und ich noch kurz einkaufen und dann zurück in Hotel.
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15. November, Seattle
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Als erstes gehen wir heute nochmal zum Broadway und während Boris Schallplatten durchschaut, wühle ich mich durch alte Postkarten. Weiter geht es die Thomas Street entlang, wir finden die Brücke über die Stadtautobahn und stehen schließlich vor der 1961 erbauten Space Needle. Die Inspiration, oben ein Restaurant zu integrieren, kam tatsächlich vom Stuttgarter Fernsehturm. Gleich daneben steht das wunderbare „Museum of Pop Culture“ von Frank Gehry. Wir überlegen kurz ob wir mit der Monorail durch das Museum Richtung Innenstadt fahren sollen, aber wir haben in diesem Teil der Stadt noch ein paar Programmpunkte, deshalb verschieben wir die Fahrt und machen uns auf den Weg zum Skulpturen Park. Anschließend trinken wir einen Kaffee und suchen dann noch zu zwei Plattenläden auf. Inzwischen ist es dunkel geworden, wir kaufen uns etwas zu essen und gehen heim.
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14. November, Seattle
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Auf dem Stadtplan habe ich ein paar Sehenswürdigkeiten von Seattle notiert, wir fügen drei Plattenläden hinzu und ziehen nach dem Frühstück los. Während Boris sich durch Platten wühlt, gehe ich entweder in einen Laden mit Dingen die mich interessieren oder lese ein bisschen. Gleich den ersten Laden finden wir nicht, aber ein sehr netter Security-Mann googelt und hilft uns weiter. Überhaupt sind hier alle sehr entspannt und freundlich. Zuerst haben wir immer gescherzt und gesagt, „das muss ein Kanadier sein“, aber inzwischen ist uns klar geworden, dass es hier einfach anders ist als in NYC. Wir genießen die lockere Atmosphäre und das schöne Wetter, gehen am alten Paramount Theater vorbei, lauschen kurz einem Straßensänger und stehen dann vor den Amazone Sphären die leider nur für Angestellte zugänglich sind. Wir trösten uns jeder mit einer der Bananen die Amazone vor dem Gebäude aus einem kleinen Trailer verteilt und ziehen weiter Richtung Pike Place Market. Vor dem allerersten Starbucks verteilt eine Angestellte kleine Pappbecher mit Kaffee an die Menschen in der Schlange, aber uns zieht es nach gegenüber in die Markthalle. Hier gibt es T-Shirts, Obst und Gemüse, Schokolade, Bücher, Fisch, Zauberartikel, und Schallplatten, also genug zu sehen. Etwas erschöpft gehen wir die Stäffele hinunter bis fast ans Meer und trinken in einem skandinavischen Cafe ein Heißgetränk. Frisch gestärkt gehen wir wieder nach oben, denn Boris hat zwei weitere Plattenläden entdeckt, die wir noch besuchen. Und dann geht es wieder steil bergauf zurück zum Hotel. Zu Abend essen wir heute bei einem Italiener.
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13. November, Seattle
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Um 7:30 h klingelt der Wecker, der nette Busfahrer lässt uns direkt am Bahnhof raus, wir essen ein kleines Bahnhofsfrühstück, erfahren, dass die Flixbusse auf Steig drei und vier halten und stehen um 9:15 h bereit. Ein Flixbus kommt auf Steig drei an, der Busfahrer holt sich noch einen Kaffee, kündigt mehrere Stopps, unter anderem Seattle an und beginnt dann die Fahrgäste einzuchecken. Inzwischen ist es 9:30 h, in fünf Minuten ist die Abfahrt. Alles läuft — denken wir. Dann stellt sich heraus, dass dieser Bus um 9:50 h abfährt und unsere Tickets für diese Fahrt nicht gültig sind. Aber am gesamten Busbahnhof steht nur dieser Bus mit Fahrer, die Schalter im Gebäude sind alle geschlossen, der Angestellte, der uns vorher informiert hatte ist verschwunden. Wir bitten Greg, den Busfahrer, um Hilfe. Er sagt, dass er den Busbahnhof in Seattle nicht anfährt, uns aber an der Universität aussteigen lassen kann. Wir nehmen dankbar an und es geht los. Um 11:15 h sind wir an der Grenze und der nette Grenzbeamte sagt mir, dass mein B-Visum abgelaufen ist. Aber ich bin ja vorbereitet und zücke mein ESTA-Visum. Das will er gar nicht sehen, ich muss eine Wiedereinreisegebühr bezahlen. Zum Glück beträgt sie nur $6. Um 14 Uhr kommen wir an der Universität von Washington an, steigen aus und wollen schon mit Gepäck losgehen, da höre ich zufällig wie Greg zu einem anderen Fahrgast sagt, dass er auch in Downtown Seattle hält. Also schnell das Gepäck wieder in den Bus und noch einen Stopp weiter mitfahren. Die Haltestelle ist in Chinatown und auch hier sehen wir wieder viele verlorene Seelen. Wir gehen los Richtung Innenstadt, stärken uns erst einmal im Café Zeitgeist und schauen gleichzeitig, wie wir zum Hotel kommen. Wenn wir geahnt hätten, wo es liegt, wären wir gefahren. So zieht Boris, mit Rucksack bepackt, beide Koffer sechs Blocks die Spring Street (etwa so steil wie der Schimmelhüttenweg) hinauf. Wir beziehen unser Zimmer und gehen los um Seattle zu erforschen. Am Broadway um die Ecke gibt es viele Läden und Restaurants, wir kaufen ein bisschen ein, gehen thailändisch essen und sinken, zurück im Hotel, erschöpft in unser Bett. Was für ein Tag!
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12. November, Vancouver
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Nach dem Frühstück gehen wir gleich los zu dem Vintageladen um meinen Diebstahlverhinderungsknubbel los zu werden. Der junge Mann entschuldigt sich sehr charmant und wirft ein paar Worte deutsch ins Gespräch, denn seine Mutter stammt aus Berlin. Versöhnt verlassen wir den Laden und während Boris sich auf den Weg zu drei weiteren Plattenläden macht, gehe ich über die Granville Street zur Granville Bridge um Granville Island zu besuchen. Unterwegs sehe ich viele großartige Neonschilder, das muss hier einmal eine der Hauptstraßen mit Kinos und Theatern gewesen sein, inzwischen ist sie leider ziemlich herunter gekommen. Die Autobrücke ist vierspurig, aber sie bietet einen tollen Blick über die English Bay. Auf Granville Island gibt es einen Kid Market mit Spielzeugläden und vielen begeisterten Kindern, eine kleine Brauerei mit Restaurant, eine Markthalle, und viele Läden mit Schmuck, Papierwaren, Bastelsachen, gestrickten Mützen, und Oberbekleidung. Ich bummele eine Weile herum, gehe dann in das Café, das etwas versteckt liegt, und danach zum Fährenanleger. Die kleinen Fähren flitzen über das Wasser und alle fünf Minunten hält eine an um Passagiere aufzunehmen. Laut Schild passen 22 Personen darauf, aber das wird dann echt eng. Es fängt an leicht zu nieseln, aber ich gehe trotzdem am Wasser entlang zurück zum Hotel und lege dort noch ein bisschen die Füße hoch. Um halb sieben gehen wir los zu „Mary’s Diner“ und sind angenehm von dem leckeren Essen überrascht. Wir hauen unsere letzten kanadischen Dollar auf den Kopf und zahlen den Rest mit Karte, toll, dass das geht.
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11. November, Vancouver
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Es ist Rembembrance Day in Kanada und viele Menschen tragen eine rote Mohnblüte am Revers um an die Toten der zwei Weltkriege zu erinnern. Wir gehen erst mal Wäsche waschen in der „Hot Sox Laundrette“ und danach wieder in das Café Delany, das war so gemütlich. Nicht weit vom Hotel liegt der Stanley Park, Nordamerikas größter urbaner Park mit riesigen Farnen und Mammutbäumen, da müssen wir natürlich hin. Weil wegen dem Feiertag viele kleinere Geschäfte geschlossen haben, habe ich per Google die großen Ketten herausgesucht und da sie auch nicht weit entfernt sind gehen wir zu Fuß weiter. Das Wetter ist etwas besser als gestern und meine Laune sogar sehr viel besser. Auf der Robson Street ist die Stadt wieder ganz anders, es sind viele Menschen unterwegs und die Straße ist bereits weihnachtlich geschmückt. In einem Vintageladen kaufe ich einen Schal, aber sonst nichts — der Koffer ist voll. Wir wollen wieder den Bus zum Hotel nehmen und hoffen, dass wir mitfahren dürfen. Das dürfen wir, nur sind wir leider in der falschen Richtung unterwegs. Nicht schlimm, denken wir, denn der Bus fährt einen großen Kreis, wir werden also auf jeden Fall bei unserer Haltestelle ankommen. Leider hat unsere Busfahrerin Schichtende, wir unterhalten uns sehr lustig mit ihr, aber dann müssen wir raus. Der nächste Bus bringt uns dann zum Hotel, wo ich merke, dass die Kassiererin im Vintageladen den Diebstahverhinderungsknubbel nicht von meinem Schal entfernt hat. So ein Ärger.
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10. November, Vancouver
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Es hat sich eingerechnet und ich habe schlechte Laune. Wegen dem Wetter natürlich, aber auch weil die Downtown Szene von gestern mir noch in den Knochen hängt. Am liebsten würde ich mich im Bett verkriechen, aber wir ziehen trotzdem los, heute am Ufer der English Bay entlang und Vancouver hat natürlich auch hübsche Ecken. Am Abend beim Einsteigen in den Bus noch ein kurzer Schreck — unsere Fahrscheine sind ungültig. Weil es wenige Fahrkartenautomaten gibt und man im Bus nur mit „exakt change“ oder Kreditkarte zahlen kann, haben wir uns gestern jeder fünf Fahrkarten gekauft ohne zu ahnen, dass die Karten ab Verkauf nur 24 Stunden gültig sind. Zum Glück winkt uns der Fahrer einfach in den Bus.