23. April 2026, Berlin

Wir fahren nach Berlin. Eigentlich wären wir mit den Grünen (als Bildungsurlaub) gefahren, aber weil ich uns versehentlich bei den Grünen Hamburg angemeldet habe, fahren wir mit dem Flixtrain alleine hoch. Mit nur drei Minuten Verspätung stehen wir mit kleinem Gepäck um 14:03 h auf dem Hauptbahnhof Berlin und machen uns auf den Weg zum Reichstagsgebäude wo wir uns um 14:30 h mit den Hamburger Grünen treffen werden. Wegen einer Demo anlässlich des Besuchs vom Sohn des ehemaligen Schahs müssen wir etwas hetzen, denn der direkte Weg ist abgesperrt. Aber es klappt alles, wir gehen in das Gebäude und müssen dort natürlich zuerst durch die Sicherheitsschleuse. Bei mir gibt es Stress, denn ich habe diverse Elektronikartikel und ein Taschenmesser dabei. Das kommt in einen Beutel zum später wieder abholen und dann wetze ich los um unsere Gruppe zu fangen. Zuerst dürfen wir eine Plenarsitzung besuchen. Interessant wieviele AfD-ler hier sitzen, die haben wohl sonst nichts zu tun. Die Vertreter der anderen Parteien sind fleißig am nebenher arbeiten und verlassen auch mal die Sitzung wegen eines Termins. Anschließend geht es zu einem Treffen mit dem MdB Dr. Steffen bei dem wir sehr viel über die Arbeit eines MdB und des Bundestags im allgemeinen erfahren. Danach geht es in die Kuppel, noch schnell ein Gruppenfoto und dann haben wir freie Sicht über Berlin, 60% bebaut, 30% Grünfläche und 10% Wasser. Weil ich meine beschlagnahmten Sachen noch abholen muss, gehen wir rechtzeitig runter, haben ein kurzes „Berliner Schnauze“ Erlebnis und dann muss ich draußen warten bis der Rest der Truppe kommt, eine gute Gelegenheit mit dem Mann am Ausgabeschalter zu schnacken. Weiter geht es zum Brandenburger Tor und dem Restaurant „mama trattoria“ wo man uns mit einem Buffet von dreierlei Pasta und einem Kaltgetränk verwöhnt. Nach all den Eindrücken sinken wir im Bus erschöpft in unsere Sitze und lassen uns zum „Garner Hotel Berlin“ beim Checkpoint Charlie fahren. Das Zimmer ist super, wir flitzen noch kurz zum Supermarkt um die Ecke für ein Kaltgetränk und dann heißt es Füße hoch.

27. März 2026, Straßburg

Etwas wehmütig nehmen wir Abschied von unserem Zimmer, geben unser Gepäck am Empfang ab und ziehen ein letztes Mal los. Boris macht noch einen kurzen Zwischenstopp in einem Plattenladen während ich mich in einem süßen kleinen Laden nebenan an Schleckmuscheln und Schnickschnack erfreue. Weil meine Hausschuhe kaputt sind, gehen wir zu einem marokkanischen Laden der Basar heißt, sich aber leider als eine Enttäuschung entpuppt. Auf der Suche nach einer Toilette landen wir auf dem Unigelände und sind ganz verzaubert von dem schönen alten Komplex. Wir bummeln noch ein wenig herum, landen irgendwann im Petit France mit den vielen Souvenirläden und sind zufällig bei einer Schleusenumsetzung dabei. Ein Sträßchen hoch stehen wir wieder auf der Grand Rue und da ist ja der charmante Salon du Thé „Grand Rue“ nicht weit. Wir ergattern einen Platz und essen jeder ein gigantisches Stück Käsekuchen. Vollgestopft wanken wir zum Hotel, holen unser Gepäck und gehen zum Bahnhof. Unser Zug ist pünktlich, was nicht nur uns freut sondern auch die Schulklasse mit der wir das Abteil teilen.

26. März 2026, Straßburg

Nach dem Frühstück schlendern wir am Kai entlang und biegen dann in eine kleine Straße ab, denn ich möchte in den wunderbaren Stoff- und Nähbedarfsladen „Tissue Toto“. Neben einer Unzahl an Bändern, Knöpfen und vielem Anderen entdecke ich tatsächlich auswaschbare Filzstifte die ich schon seit einiger Zeit suche und die Boris mir schenkt. Vergnügt gehen wir weiter am Wasser entlang und dann über eine Brücke in die Neustadt, das Viertel mit zahlreichen traumhaften Jugendstilhäusern. Nach dem Ende des deutsch-französischen Krieges 1870 sollte dieser zerstörte Stadtteil zur Glorie des deutschen Kaisers prunkvoll neu aufgebaut werden. Dabei entstanden auch eine Reihe außergewöhnlicher Gebäude wie zum Beispiel das ägyptische Haus. Während ich Fotos mache, findet Boris in der Straßenrinne einen Fetzen eines €5 Scheins. Wir schauen noch ein wenig und finden zwei weitere Fetzen, das ergibt zusammen einen kompletten Schein. Bei unserem Spaziergang haben wir immer wieder Glück und erwischen dreimal jemanden der in einem der Jugendstil-Häuser wohnt und dürfen auf Rückfrage auch einen kurzen Blick in das jeweilige Treppenhaus werfen. Wir schlendern weiter und landen ganz unverhofft im Diplomatenviertel auf dem Boulevard de l‘Orangerie und haben einen Riesenspaß an all den Storchennestern und ihren Bewohnern. Zurück im Zentrum trinken wir Kaffee im „Cà Phê Dièm“ und gehen nochmal zum Monoprix wo Boris ein wenig shoppt und wir Salat und Käse für unser Abendessen kaufen. Auf dem Weg zum Hotel holen wir uns ein Baguette, laden alles im Zimmer ab und sausen dann gleich wieder los, Boris nochmal zu fnac und ich zu Monsieur Bricollage, einem Haushaltswarengeschäft. Um 19:00 h gibt es Essen auf dem Zimmer und danach wird entspannt.

25. März 2026, Straßburg

Gestern Abend sind wir kurz vor 19:00 h mit dem TGV nach Straßburg gefahren. Eineinhalb Stunden später waren wir da und sind zu dem Ibis Hotel am Bahnhof gegangen in dem wir bereits zweimal übernachtet hatten. Leider gab es keine Reservierung, dafür eine im Ibis Styles um die Ecke, das uns auch gut gefallen hat. Nach dem Einchecken sind wir noch schnell los um ein Kaltgetränk zu kaufen und dann haben wir es uns gemütlich gemacht.
Nach dem aufstehen gehen wir in den Frühstücksraum. Dort läuft ein Plattenspieler und das Frühstücksbuffet ist lecker und sehr umfangreich bestückt mit, unter anderem, zwölf verschiedenen süßen Brotaufstrichen. Während Boris nach dem Frühstück duscht, richte ich seinen Geburtstagstisch her. Dann gibt es Bescherung und danach geht es los Richtung Plattenabteilung im fnac, wo es für Boris soviel zu sehen gibt, dass ich mich nach einem Weilchen in eine Ecke setze um zu lesen. Diverse Verkaufskräfte schleichen misstrauisch um mich herum und irgendwann werde ich aufgefordert zu gehen. Wahrscheinlich wurde ich des Herumlungerns verdächtigt. Zurück im Freien müssen wir leider immer wieder unsere Schirme aufspannen, selbst auf dem kurzen Weg zum Monoprix, wo wir vier Flaschen von unserem Lieblings-Cidre kaufen die wir direkt ins Hotel bringen. Anschließend fahren wir mit der Tram in den Stadtteil Neudorf und weil das Handy vergessen im Zimmer am Ladekabel hängt, müssen wir uns ohne zurecht finden. Große Überraschung, wir überleben. Auf dem Weg zurück in die Innenstadt weht uns ein Graupelschauer fast weg. Brrrr, was für ein Wetter, schnell in den Mall der plötzlich vor uns auftaucht und dann ins Café „Blue Note“ zu Apfelkuchen, Bananenbrot und Cappuccino. Wir besuchen noch zwei Plattenläden und im letzten kaufe tatsächlich ich mir zur Abwechslung mal eine LP. Zur Feier des Geburtstages nehmen wir jeder einen Cocktail zu uns und gehen anschließend lecker thailändisch essen.

6. März 2026, unterwegs

Die Taschen sind gepackt, wir frühstücken und stecken jede noch eine „Fette Dorate“ (Zwieback) für unterwegs ein und dann gehen wir ein letztes Mal zum „Bacaro ae Bricoe“. Während wir einen Caffè trinken, bereitet uns die nette Bedienung ein Lunchpaket zu, für mich gibt es gratis einen Carnevale-Krapfen dazu. Auf dem Rückweg zum Gepäck abholen feuern wir noch eine Damenmannschaft an und dann geht es zum Bahnhof wo unser Zug pünktlich abfährt. Abgesehen von einem pathologisch redseligen Italiener verläuft die Fahrt ruhig. Auch das Umsteigen in München klappt prima. In Wendlingen kommt dann die Durchsage, „Wegen eines Personenschadens voraussichtlich eine Stunde Verspätung“. Zum Glück holt uns Bernd mit dem Auto ab.

5. März 2026, Venedig

Irgendwie fühlen wir uns beide nach dem Frühstück total gestopft und nehmen vorsorglich Martinas Kräutertropfen. Dann ziehen wir los zum Bahnhof um von dort zur Rialtobrücke zu fahren und über den Markt zu schlendern. Die Brücke ist bereits voller Touristen und der Markt ist bereits fast abgebaut. Da hätten wir wohl doch früher aufstehen sollen. Wir schlängeln uns durch die Gassen um bei „da Lele“ einen Ombre, also ein Achtele als Frühschoppen zu uns zu nehmen. Martina ist das allerdings noch etwas zu früh. Es ist viel los und ich freue mich sehr, dass er die letzten Jahre gut überstanden hat. Weiter geht es zum schönen Campo Santa Margherita wo wir einen Caffè zu uns nehmen um unsere Lebensgeister zu wecken. Weil wir zum Mittagessen wieder in unsere Lieblingsbar im Cannaregio wollen, gehen wir zum Anleger Zattere, schauen noch kurz ob wir in eine Gondelwerkstatt hinein spickeln können — leider nicht und fahren dann zur Piazzale Roma und von dort geht es zu Fuß weiter. So kommen wir etwas spät zu unserem super leckeren Lunch und beschließen anstatt ins Peggy Guggenheim Museum nochmal nach Murano und dort ins Glasmuseum zu gehen. Auf dem Weg schauen wir in die Kirche Sankt Alvise rein und bewundern die Tromp l’oeil Decke. Leider sind wir dann für das Glasmuseum fünf Minuten zu spät dran und bis wir wieder von Murano weg kommen hat auch San Michele, die Friedhofsinsel geschlossen. Deshalb fahren wir zurück zu Sankt Alvise, schmunzeln über die Madonnenstatue die dort den Fußballplatz beschützt, machen uns auf den Heimweg und ruhen uns noch ein bisschen aus. Und zum Abschluss geht es ein letztes Mal ins Restaurant um die Ecke.

4. März 2026, Venedig

Wir werden vom Glockenklang einer Kirche geweckt, machen uns fertig für den Tag und frühstücken reichhaltig. So gerüstet ziehen wir los um all die Kirchen und Scuole anzuschauen die uns unser freundlicher Hotelier empfohlen hat. Leider biegt unser Vaporetto am Piazzale Roma in die falsche Richtung ab, so dass wir erneut an der Giudecca entlang fahren und am Markusplatz aussteigen. Das muss ein Trick der Tourismusindustrie Venedigs sein, dass man immer am Markusplatz landet. Nicht schlimm, laufen wir eben von dort los zuerst zum berühmtesten Buchladen in Venedig, der „Libreria Acqua Alta“. Dort ist es wirklich sehr ungewöhnlich mit Badewannen, einer Gondel und Booten die alle mit Büchern gefüllt sind, aber auch sehr touristisch. Wir ziehen weiter zur Scuola di San Marco. Die Scuole Venedigs waren ursprünglich Bet-, Bruderschafts- und Fürsorgehäuser von Handwerkszünften die finanziell gut gepolstert und so in der Lage waren die schönen Künste zu unterstützen. Die Scuola di San Marco liegt im oberen Stockwerk eines Krankenhauses und beherbergt alte Schriften und medizinisches Werkzeug. Während sich Martina alles anschaut warte ich draußen, lese ein bisschen und schaue umher. Dabei fallen mir auch die Schornsteine auf, die am oberen Ende wie Blüten auseinander gehen. Man hat sie damals so gebaut um die Stadt vor Funkenflug zu schützen, denn durch die Erweiterung wirbelte der Rauch länger herum und kühlte dabei ab. Was für eine tolle Idee. Unser nächster Halt ist die Kirche San Maria di Miracoli mit einer wunderschönen hölzernen bemalten Kassettendecke. Inzwischen meldet sich langsam ein kleines Hungergefühl, Zeit sich auf den Weg zum „Bacaro ae Bricoe“ am Fondamente dei Ormesini zu machen. Dort haben wir gestern unseren ersten Caffè getrunken und fanden es so charmant, dass wir beschlossen haben wieder hinzugehen. Und wir bereuen es nicht, es ist lustig, es ist lecker, der Caffè geht aufs Haus — wir sind verliebt. Nach unserem Spritz leicht beschwingt machen wir uns auf zum Vaporettoanleger um nach Murano zu fahren. Das Museum hat leider bereits geschlossen und in den Läden gibt es nichts was uns wirklich reizt. Wir schauen noch kurz in die Kirche Santa Maria e Donato, die aber außen mit dem runden Balkon interessanter ist als innen. Heute ist es recht frisch daher eilen wir zurück zum Vaporettoanleger um heim zu fahren. Auf dem Boot kurze Verwirrung, denn dort steht es fährt zur Giudecca, aber dann fährt es zum Glück doch zum Hotel. Wir erforschen die Restaurants in unserer Nachbarschaft und landen wieder im selben Restaurant wie gestern, wo wir wie alte Stammkunden begrüßt werden.

3. März 2026, Venedig

Wir haben recht gut geschlafen und kurz nach 7:00 h fragt der Schaffner ob wir bereit sind für unser Frühstück. Dabei erfahren wir auch, dass vier Fahrgäste in der Nacht bestohlen worden sind, unter anderem eine unserer Abteilnachbarinnen. Die Geldbeutel sind wohl alle wieder aufgetaucht, aber natürlich ohne Bargeld. Martina erinnert sich daran, dass es in der Nacht mal kurz geklopft hat, das war wahrscheinlich der Dieb, unsere arme Nachbarin, was für ein blöder Start in den Urlaub. Kurz darauf, pünktlich um 8:34 h kommen wir an und besorgen uns als erstes je einen Drei-Tage Pass fürs Vaporetto. Google Maps können wir leider nicht einsetzen, denn mein Handy-Akku ist komplett leer, aber Martina führt uns zielsicher zum Hotel. Wir geben unser Gepäck ab und gehen los am Kanal entlang durch das erwachende Canareggio. Und Venedig verzaubert uns sofort, wir schauen hier in kleine Gässchen, dort in einen Garten und lassen uns einfach treiben. Zwischenrein gibt es einen Caffè und für Martina ein lecker belegtes kleines Cicchetti. Am Kanal wird ein Haus renoviert und der Bauschutt wird von einer Truppe junger Männer auf einen Kahn geladen. Wir sind ganz fasziniert und bleiben stehen um zuzuschauen. Aus drei Männern werden vier, fünf, sechs — am Ende posen acht Männer für uns und grinsen sich was. Und wir haben natürlich auch unseren Spaß. Jetzt aber weiter, es gibt noch viel zu sehen, zum Beispiel die Kirche Madonna dell‘ Orto mit zehn großformatigen Tintorettos. Und da wir in Cannaregio wohnen führt uns unser Herumschlendern natürlich auch in das allererste Ghetto mit seinem schönen Platz. Hier wurden im 16. Jahrhundert jeden Abend die Tore geschlossen und von Soldaten bewacht um zu verhindern, dass jüdische Mitbürger ihr Viertel verließen. Am nächsten Vaporettoanleger steigen wir ein und fahren zum Markusplatz, wo wir Dogenpalast, Markusdom und die Seufzerbrücke bestaunen. Aber bald wird es uns zu wuselig und wir gehen Richtung Arsenale, kaufen uns eine Pizza auf die Hand und setzen uns an ein ruhiges Plätzchen um zu essen. Gestärkt schlendern wir weiter vorbei am Torri dell Arsenale, nehmen einen Nachmittags-Caffè zu uns und stehen plötzlich wieder am Markusdom. Mit all den verwinkelten Gässchen ist es wirklich sehr leicht sich zu verlaufen. Wir verstehen den Wink des Schicksals und lassen uns im Vaporetto entlang der wunderbaren Giudecca und der hässlichen Petrochemie-Anlage zurück zum Hotel fahren. Dort ruhen wir uns eine Stunde aus und gehen dann ins Restaurant um die Ecke wo wir eine sehr leckere Pizza essen.

2. März 2026, unterwegs

Martina und ich fahren nach Venedig. Wir treffen uns abends um 20:00 h, denn wir haben zwei Plätze im Schlafwagen gebucht. Um 20:22 h rollt der Zug ein und wir marschieren vorbei an den Abteilen die für Budapest bestimmt sind, an den Abteilen die für Wien und Zagreb bestimmt sind und alle in Salzburg abgekoppelt werden und dann sind wir da. Es herrscht eine fröhliche Stimmung, der Zug ist gut gebucht und kurz darauf sitzen wir in unserem Abteil. Der „Nightjet“ ist etwas anders ausgestattet als die Waggons die in Salzburg abgekoppelt werden, es gibt z.B. keinen Saft, dafür aber Hausschuhe und Schlafmasken und in der Toilette eine Dusche. Die Schaffnerin wandelt die Sitze in ein Bett um, wir trinken unseren alkoholfreien Sekt, putzen die Zähne und dann legen wir uns schlafen.

28. Oktober 2025, unterwegs

Beim letzten Frühstück zeigt mir unser netter Kellner einen Streuer mit getrockneten Shisoblättern und empfiehlt sie auf den Reis zu streuen. Das ist vielleicht lecker. Beim Zähneputzen werfen wir wehmütig noch einen letzten Blick aus dem 18. Stock auf die Shinkansen die circa alle drei Minuten unten durchfahren. Wir packen ein paar Sachen um und dann ruhen wir uns vor dem langen Flug noch ein wenig aus.