Boris hat schlecht geschlafen und ich wache früh auf und weil der Pool erst ab neun Uhr genutzt werden darf, sind wir schon um halb acht Uhr im Frühstücksraum. Ich werde allerdings noch mal auf unser Zimmer geschickt, mit Hausschlappen darf ich nicht rein. Um neun Uhr stehe ich dann wieder am Pool, stecke eine Zehe ins Wasser, brrr, da gehe ich doch lieber wieder auf unser Zimmer. Leider ist unser Weg zum nächsten Hotel sehr anstrengend, aber das Hotel ist sehr schön, wir geben unsere Koffer ab und dann zieht jeder wieder los. Mein erster Stopp ist das Schreibwarengeschäft „itoya“. Es liegt auf der Ginza, DER Einkaufsstraße Tokios mit, Prada, Chanel, Gucci und all den Anderen. Schreibwarengeschäft ist allerdings leicht untertrieben, das Angebot verteilt sich auf acht Etagen, ich bin recht lange drin und verlasse diesen tollen Laden schwer bepackt und glücklich. Zurück im Hotel bringe ich unser Gepäck aufs Zimmer, packe ein paar Sachen aus, wasche ein wenig Wäsche und dann gehe ich wieder los, denn es ist Kaffeezeit. Weil wir jetzt in der Nähe vom Kaiserpalast wohnen, ist alles etwas teurer und touristischer. Das Café, in das ich letztendlich gehe, mutet sehr französisch an. Erst muss ich mit anderen Gästen circa 15 Minuten auf der Treppe warten und auch meine Bestellung dauert, aber ich habe Lesestoff dabei, deshalb bin ich ganz entspannt. Die Tasse steht schon auf dem Tisch und dann kommt die Kellnerin mit zwei kleinen Kannen und fragt mich in welchem Verhältnis ich Kaffee zur Milch haben möchte. Ich wähle zwei zu eins und aus etwa 40 cm Höhe gießt sie in Auf- und Abwärtsbewegungen bis zum obersten Tassenrand ein, so dass der Milchkaffee ordentlich schäumt aber nicht überfließt. Was für ein Spaß. Einen weiteren Stopp habe ich heute noch, das Schreibwarengeschäft „Kyukyodo“ das es seit 1663 gibt. Aber ich schaue mich nur um, denn für heute habe ich dann doch genug geshoppt und dann gehe ich zurück ins Hotel.
22. Oktober 2025, Tokio
Es gibt hier einen 72-Stunden Metropass und den wollen wir uns heute holen. Also gehen wir los zur Shinjuku Station, aber die ist riesig und es dauert ein Weilchen bis wir herausgefunden haben, dass wir zum Busbahnhof am anderen Ende müssen. Am Schluss klappt alles prima und wir sind für die kommenden drei Tage und auch die darauf folgenden drei Tage versorgt. Boris zieht los zu diversen Plattenläden und ich mache mich auf nach Nippori, dem Stadtteil von Tokio der dem Fashion District in NYC entspricht und einen Stoff- und Nähzubehörladen am anderen hat. Die Preise sind fantastisch und ich finde tolle Dinge. Da stört mich selbst der Dauernieselregen nicht. Kurz vor 15 Uhr suche ich nach einem Café und da das „Lavender Café“ nett ausschaut und nicht weit entfernt liegt, gehe ich dort hin. Es ist aber leider eher eine Enttäuschung, das Kuchenangebot ist sehr reduziert und die hübschen Tassen gibt es nur auf der Website. Aber ich bin zu glücklich mit meinen Schätzen um mich zu ärgern und der Rückweg zur Metro versöhnt mich auch, denn er führt durch kleine Gassen. Fahrradfahrer in Regencapes kommen mir entgegen und eine Pfütze sieht aus wie ein Herz. Mit der Metro fahre ich als nächstes zu „Hands“, einer Kette die auch schöne Papeterieprodukte führen soll, aber das Angebot ist eher klein, also fahre ich nach kurzer Zeit heim. Boris ist schon da und wir beschließen erst etwas essen zu gehen und dann eine Jazz Kissa zu besuchen. Das ist ein Lokal in dem Jazz nicht als Hintergrundmusik läuft, sondern tatsächlich angehört werden soll. Mit dem Essen haben wir Glück, wir finden ein vietnamesischen Restaurant mit leckeren Speisen. Mit der Jazz Kissa haben wir leider weniger Glück, sie ist extrem verraucht. Deshalb gehen wir wieder und zwar direkt zurück ins Hotel.
21. Oktober 2025, unterwegs
Ein allerletzter Onsenbesuch, frühstücken, packen, auschecken und dann stehen wir im Nieselregen an der Bushaltestelle. Neben uns steht ein junger Mann, wir kommen über einen Snoopy-Anhänger ins Gespräch und so vergeht die Zeit, obwohl der Bus 20 Minuten Verspätung hat, doch recht schnell. Der Bus ist, entgegen unseren Erwartungen, voll, aber irgendwann ergattern wir einen Sitzplatz und um halb zwölf stehen wir dann am Bahnhof von Odawara. Die Tickets für den Shinkansen sind schnell besorgt und auch mit der Metro in Tokio klappt es wunderbar. Unser Hotel ist direkt an einer Haltestelle, wir geben unser Gepäck ab und gehen Kaffee trinken. Um halb vier checken wir ein, unser Zimmer ist winzig, aber da wir im 15. Stock sind, ist die Aussicht spektakulär. Bis zur berühmten Shibuya-Kreuzung, auf der alle Fußgänger gleichzeitig grün haben, ist es ungefähr eine Stunde zu Fuß, aber wir ergehen uns gerne eine Stadt und ziehen los. Unterwegs sehen wir die bisher schönste öffentliche Toilette, kommen durch eine entzückende kleine Straße und dann sind wir da. Was für ein verrückter Ort, hunderte von Touristen drängen sich in den umliegenden Cafés im ersten Stock, um zu fotografieren oder posieren auf der Kreuzung. Vor dem Kaufhaus „Seibu“ trennen wir uns, Boris geht zu ein paar Plattenläden und ich probiere im Tiger ein Paar Schuhe an (zu schmal), gehe ins „Loft“, wo ich nicht das finde was ich mir notiert hatte, aber dafür andere schöne Dinge und anschließend ins „Muji“ um mir die Sachen zu kaufen die ich mir in Osaka notiert hatte. Punkt halb acht treffen wir uns wieder und gehen zu einem thailändischen Restaurant. Leider ist es ein Thailänder/Inder/Italiener mit begrenztem vegetarischen Angebot, es ist hier halt ein Touristeneck. Dann geht es mit der Metro heim, noch schnell etwas für den Fernsehabend eingekauft und dann wird entspannt.
20. Oktober 2025, Hakone
Unser letzter Tag hier in Hakone und wir beschließen es uns auf unserem Zimmer gemütlich zu machen. Nach dem Aufstehen mache ich einen kurzen Onsenbesuch, wir frühstücken und dann lesen wir und hören Musik. Um halb drei Uhr gehen wir los, noch einmal in das „Café Shima“ weil uns dort Kaffee und Kuchen am besten geschmeckt haben. Auf dem Rückweg nehmen wir eine neue Strecke und stellen fest, die ist viel schöner und hier fahren viel weniger Autos. Überall sehen wir riesige Spinnennetze in denen sich Regentropfen gefangen haben und auf der Auffahrt vom Hotel dann eine große quietschgrüne Raupe. Und aus unserem Fenster werden wir zum Abschied noch einmal mit dem Ausblick auf eine nebelig verwunschene Landschaft belohnt. Noch ein Besuch im Onsen, ein wenig ausruhen und dann gehen wir zum Abendessen. So ein schöner fauler Tag tut zwischendrin auch mal gut. Morgen geht es weiter nach Tokio.
19. Oktober 2025, Hakone
Ich wache früh auf und gehe runter in das Onsen (den Bereich mit dem heißen Quellwasser) und ruhe mich danach noch etwas aus. Heute ist der letzte Tag an dem unser FREE Hakone Pass gültig ist, deswegen fahren wir nach dem Frühstück mit der Seilbahn wieder hinunter nach Gora und warten dort auf den Shuttlebus zum Pola Museum. Das supermoderne Gebäude des Museums liegt mitten im Nirgendwo und ist — wie könnte es auch anders sein — sehr gut organisiert. Im Moment wird dort eine Ausstellung mit Werken von Ryan Gander gezeigt und wir sind begeistert von seinen lustigen und verrückten Exponaten. Besonders gefallen uns zwei animierte Mäuse die ein philosophisches Gespräch führen. In der Hauptausstellung geht es um den starken Einfluss von Vincent van Gogh auf japanische Kunst, etwas was mir so nicht klar war. Nach drei Stunden lassen wir uns zurück fahren und gehen wieder zum „Café Shima“, weil dort der Käsekuchen so lecker war, aber zu unserem Leidwesen ist es voll. Deshalb gehen wir weiter zum „Donburi & Café Zen“ wo der Käsekuchen zwar auch lecker ist, es aber leider, bis auf die Teller, nur Wegwerfgeschirr gibt. Eine letzte Fahrt durch den Nebel zur Bergstation, ein kurzer Onsenbesuch und dann gibt es wieder ein köstliches Abendessen. Und beim Fernsehen dann ein kurzer Schreck, plötzlich wackelt alles. Das war dann wohl ein kleines Erdbeben.
18. Oktober 2025, Hakone
Es gibt hier ein Open Air Museum mit Skulpturen von allem was Rang und Namen hat, da wollen wir heute hin. Mit der Seilbahn fahren wir hinunter nach Gora, mit dem kleinen Zug noch eine Station und da sind wir schon. Wir gehen direkt in die Main Gallery, in der Werke von Tetsuya Noguchi ausgestellt werden und sind total geflasht. Die Gemälde und Plastiken (von Miniatur bis halbe Lebensgröße) stellen, ohne sich über japanische Kultur lustig zu machen, Samurai mit zeitgenössischen Elementen, mal in Sneakern, mal mit Einkaufstüten, mal mit dem Chanel-Logo auf der Brustplatte, dar. Das ist so liebevoll und mit soviel Humor gemacht, wir finden es einfach wunderbar. Draußen im Freien schlendern wir durch den wunderschön angelegten Park mit vielen botanischen Sehenswürdigkeiten und natürlich mit Skulpturen. Es gibt Exponate von bekannten Namen wie Rodin, Moore oder Picasso, aber auch viele von japanischen Künstlern die uns oft noch besser gefallen. Die Zeit vergeht wie im Flug und schon meldet sich unsere innere Kaffeeuhr. Im „Café Shima“ bestellen wir heute keinen Iced Latte, denn das Wetter ist nicht ganz so gut wie versprochen. Auf der Heimfahrt reden wir über unser nächstes Ziel und sind uns einig, dass fünf Tage heiße Quellen in Hakone reichen und wir zwei weitere Tage in Nikko eigentlich gar nicht wollen, sondern lieber anstatt nur fünf Tagen Tokio dort sieben Tage. Ob man das noch ändern kann? Um 17 Uhr sind wir daheim und stellen fest, dass wir noch eine Stunde Zeit haben um Nikko gebührenfrei zu stornieren. Wir kontaktieren unser Reisebüro und das tolle Team dort wird sofort aktiv. Nur für die Suche nach einem Hotel in Tokio für die zwei Tage reicht die Zeit nicht mehr, denn es ist ja Samstag. Wir recherchieren selber und finden sogar ein Hotel im Stadtteil Shibuya, dem Lieblingsstadtteil von Boris mit vielen Plattenläden. Erleichtert gehen wir zum Abendessen und eineinhalb Stunden später beschwert zurück, denn das Essen war heute noch reichhaltiger als sonst. Und, vermutlich weil die meisten Gäste nur eine Nacht bleiben und nicht fünf Nächte wie wir, wurden wir zum Nachtisch noch mit einem köstlichen Obstteller verwöhnt.
17. Oktober 2025, Hakone
Um 8:30 h gibt es Frühstück und es ist ein Kunstwerk. Ich habe ja bereits in Osaka und Kyoto japanisch gefrühstückt, aber das hier ist etwas ganz besonderes. Nach dem Frühstück wollen wir die Onsen, die heißen Quellen, besuchen, aber die sind gerade geschlossen. Weil das Wetter heute schön werden soll, beschließen wir uns einen Hakone FREE Pass zu besorgen, damit wir die diversen öffentlichen Verkehrsmittel gut nutzen können. Wir wollen mit der Seilbahn zum Ashi See fahren. Viele, viele andere Menschen hatten dieselbe Idee, daher gibt es sehr lange Schlangen, aber jede Minute fährt eine Gondel mit circa 15 Fahrgästen los, deshalb geht es zügig voran. Von der Gondel aus sehen wir zum ersten Mal den Mt. Fuji, leider ja immer noch ohne Schneemützchen. Trotzdem irgendwie ein tolles Gefühl. Unten geht es gleich weiter, wir besteigen ein Piratenschiff und überqueren den See bis ans andere Ende. Dort schauen wir uns ein bisschen im Ort um, ich esse ein Reisbällchen am Stock mit süßer Sojasoße und dann stellen wir uns für die Rückfahrt an. Die Strecke ist ein bisschen anders und führt am Hakone Schrein vorbei. Auf Grund der langen Schlangen ist es inzwischen schon 15 Uhr und weil wir wieder ins „Plaisir de l’oeuf“ wollen, wechseln wir die Seilbahn und fahren ins Dorf hinunter. Wir plaudern kurz mit der Cafébesitzerin, holen uns im Supermarkt etwas für den Fernsehabend und fahren mit der nächsten Seilbahn heim. Schließlich haben wir ein straffes Programm, im Hotel schlüpfen wir in die bereitgestellten Kimonos und testen die heißen Quellen. Das ist wirklich sehr entspannend, wir ruhen uns noch eine halbe Stunde aus und dann ist es Zeit fürs Abendessen.
16. Oktober 2025, unterwegs
Wir wachen zu starkem Regen auf, wie blöd, hoffentlich lässt er bis halb elf Uhr nach. Es gibt ein letztes Mal Müsli, dann wird schnell gepackt und ausgecheckt und als wir aus dem Hotel treten regnet es tatsächlich kaum noch, so ein Glück. Eine Stunde später sitzen wir im Wartesaal des Shinkansen, des japanischen Schnellzugs, und dann halten wir es nicht mehr aus und gehen zu unserem Bahnsteig. Die Abläufe sind so gut organisiert und dabei fahren ständig Züge ein und wieder ab. Pünktlich um 12:30 h fährt unser Zug ein, wir finden unsere Plätze und schon saust er los und 2 Stunden und fünf Minuten, oder 400 km später steigen wir in Odawara aus. Im Zug hatte ich geschaut wie wir vom Bahnhof zu unserem Hotel kommen, hmmm, zu Fuß 4 Stunden und 2 Minuten, das machen wir wohl eher nicht. Alternativ würde uns ein Bus in 44 Minuten hinbringen, wir müssen nur noch herausfinden wo er abfährt. An einem Bussteig stehen viele Touristen, das könnte passen. Wir zeigen einer Schaffnerin unsere Hoteladresse, sie nickt, kreist auf einem Plan die Haltestelle ein und zeigt uns wo wir zahlen können. Wir steigen ein und fallen fasst wieder rückwärts hinaus, so voll ist der Bus. Überall stehen Menschen, Koffer und Rucksäcke, aber irgendwie ist es so bizarr nach dieser komfortablen Zugfahrt, dass es auch wieder lustig ist. Das Hotel liegt direkt an der Haltestelle, wir überwinden einen kurzen aber steilen Anstieg und checken ein. Weil das Hotel so abgelegen ist, gibt es automatisch Halbpension, aber leider ist Boris nicht als Vegetarier angemeldet und für das heutige Abendessen ist es zu spät um zu wechseln. Ab morgen früh gibt es aber vegetarische Mahlzeiten für ihn. Inzwischen ist es kurz nach 16 Uhr, also höchste Zeit für einen Cafébesuch. Das nächste geöffnete Café liegt über eine halbe Stunde entfernt und schließt um 17 Uhr. Wir sausen los, den Berg hinunter und stehen um 16:30 h an der Theke, nur um dort zu erfahren, dass wir nichts mehr bestellen können. Ein Café gibt es im Ort noch, es schließt um 17:30 h und hier haben wir dann Glück. Das „Plaisir de l’Oeuf“ ist ein kleines, verstecktes Juwel, da kommen wir bestimmt wieder. Noch schnell zwei Kaltgetränke, ein Reispäckchen für Boris und ein paar Nüsschen und dann kommt der Heimweg, 200 Meter Höhenunterschied in 38 Minuten, das ist ungefähr so wie dreimal den Herdweg hochgehen. Kurz vor unserem Hotel sehen wir auf dem Weg eine Kröte. Im Speisesaal kommt dann eine schöne Überraschung, die Küche hat den Wechsel doch geschafft und für Boris gibt es eine vegetarische Mahlzeit. Für unser Abendprogramm haben wir einen USB-Stick mit Filmen und Serien dabei, den wir in jedem Hotel (bisher erfolglos) in den Fernsehapparat gesteckt haben. Dieses Mal leider mit fatalen Folgen, der Stick geht kaputt, aber zum Glück werden wir in der Mediathek fündig und können den Tag so entspannt ausklingen lassen.
15. Oktober 2025, Kyoto
Für heute habe ich mir das japanische Frühstück bestellt. Um acht Uhr bin ich im fast leeren Speisesaal und kurz darauf steht ein großes Tablett vor mir und darauf: ein Schälchen Reis, ein Schälchen Misosuppe, eine Omelettrolle mit frisch geriebenem Rettich, ein Stück Lachs mit einer Scheibe Lotuswurzel, ein Schälchen cremiger Tofu in Brühe mit buntem Puffreis, mildem Wasabi und Frühlingszwiebeln, einkleines schälchen mit getrockneten Mini-Krabben, ein bisschen grünes Gemüse, ein bisschen beiges Gemüse ein bisschen eingelegtes Gemüse (Gurke, Kürbis und Pflaume) und ein Päckchen Algenblätter. Dazu gibt es gerösteten grünen Tee. Boris will heute noch einmal nach Osaka und nach dem Frühstück begleite ich ihn bis zur Metrostation und gehe über kleine Sträßchen zurück. Eigentlich wollte ich heute in das Internationale Manga Museum, aber es hat leider mittwochs geschlossen. Zurück daheim lese ich ein wenig, schreibe den Blog für Montag, Dienstag und heute und dann mache ich mich auf den Weg zum Postamt um unsere Postkarten einzuwerfen und anschließend weiter zum Café „Cocochi“. Dort gibt es ein Halloween-Törtchen und einen Iced Matcha Latte. Auf dem Heimweg schaue ich noch kurz in den Wildschweintempel neben unserem Hotel. Boris kommt gegen 17 Uhr zurück, wir quatschen ein bisschen und holen uns dann noch einmal Salat, Reispäckchen und ein Kaltgetränk.
14. Oktober 2025, Nara
In unserem Reiseführer haben wir ein wenig über Nara nachgelesen (Janine hatte mir davon erzählt) und gesehen, dass es nicht weit entfernt liegt. Wir fahren mit der Metro zum Bahnhof und von dort mit dem Rapid Express weiter. Nara ist sehr gut organisiert und komplett auf den Ansturm der Touristen eingestellt. Wir gehen gemütlich Richtung Park und schauen uns zuerst den Kasuga-Schrein an und dann sehen wir auch bereits die ersten Sikahirsche. Circa 1.200 dieser hübschen und zutraulichen Tiere, die als heilige Boten gelten, leben hier. Man darf sie mit speziellen Plätzchen füttern, die es überall zu kaufen gibt. Wir gehen ein wenig weiter in den Park, setzen uns auf eine Bank und schauen den Tieren und Menschen zu. Die Hirsche machen ganz verrückte Geräusche, die alten gurgeln eher, die jungen quietschen unterschiedlich, mal wie kleine Kinder, mal wie ein Luftballon, mal wie eine rostige Türangel. Der Park hat einen fantastischen alten Baumbestand und es tut unheimlich gut, mal wieder im Grünen zu sein. Nach einem Weilchen gehen wir weiter zum buddhistischen Todai-ji Tempel. Unterwegs sehen wir einen Mann der drei Hirsche füttert, ein vierter fühlt sich wohl vernachlässigt und beißt ihn ein bisschen in den Po. Ein anderer Hirsch ist ein wenig ungeduldig und kaut an einem Rucksackriemen herum während der Besitzer noch nach den Plätzchen sucht. Schließlich kommen wir am Tempel an in dessen Haupthalle, dem größten aus Holz gebauten Gebäude der Welt, die größte buddhistische Bronzestatue der Welt steht. Und davor die größte Menschenschlange der Welt. Nein, das stimmt natürlich nicht, aber uns steht der Sinn gar nicht nach Sightseeing und Menschenmengen, deshalb gehen wir durch den Wald zurück Richtung Downtown und das zweite Café auf unserem Weg hat auch geöffnet und serviert wunderbar fluffige Kuchen. Als die Besitzerin bemerkt, dass Boris die Eiswürfel in unserem Iced Latte bestaunt, bringt sie ihm einen ganzen Brocken Eis von dem sie offensichtlich die kleinen Stückchen abgehackt hat — wie nett. Vier Plattenläden gibt es im Umfeld, einer hat heute offiziell geschlossen, zwei haben inoffiziell geschlossen und der letzte ist ein sehr netter Laden, nur ist die Jazzsektion leider winzig. Dann ist es wohl Zeit für den Heimweg, unterwegs plaudere ich in der Metro noch ein wenig mit zwei Frauen. In Kyoto ist es schon dunkel, wir packen im Hotel unsere Wäsche zusammen und gehen zu einem Waschsalon. Während die Maschine läuft suchen wir ein vegetarisches Restaurant in der Nähe und werden schnell fündig. Nur zwei Straßen weiter ist ein indisches Restaurant, es sieht sehr schick aus, wir werden gleich informiert, dass mit jedem Essen ein Getränk bestellt werden muss, und die Preise sind etwas höher als in Osaka. Es gibt ein vegetarisches Menü mit Reis oder Nan, Curry und vier verschiedenen Gemüsen das wir jeder bestellen und dazu ein Lassi (leider gezuckert). Es kommt dann für jeden ein kleines Schälchen mit Kidneybohnen-Curry und ein großer Teller auf dem das Nan liegt. Wir heben es vorsichtig an und darunter sehen wir eine Portion Gemüse (vier Stückchen), einen Klecks Yoghurt, ein Häufchen Raita, und einen Esslöffel voll Rotweinzwiebeln (glaube ich jedenfalls). Jede Portion hat einen Durchmesser von circa drei Zentimetern und wir bringen unser Erstaunen zum Ausdruck. Ein anderer Gast ist gerade im Begriff zu gehen und bestätigt unsere Überraschung — auf deutsch. Es stellt sich heraus, dass seine chinesischen Eltern vor Jahren in die USA ausgewandert sind, er selbst in Austin, TX aufgewachsen ist, einen österreichischen Partner hat und deshalb auch Deutsch spricht. Wir plaudern kurz und dann vertilgen wir unser Essen, das übrigens sehr lecker ist. Es gibt dann noch einen Chai aufs Haus und die Lassis waren Teil des Menüs, insgesamt eine interessante Erfahrung. Zurück im Waschsalon ist unsere Maschine gerade zum Ende gekommen und da sie ein Waschtrockner ist, sind wir hier fertig und gehen heim.