Und schon wieder heißt es für mich früh aufstehen, denn heute machen wir im Rahmen unseres Geschichts-Kurses eine Führung durch Soho mit seinen zahlreichen gusseisernen Fassaden. Besonder gut gefällt mir das rot-grüne Singer-Nähmaschinen-Gebäude. Auf der Prince Street kommen wir zum Fanelli Cafe, New York Citys zweitältester Food-and-Drink Einrichtung. Ab 1847 wurden dort Lebensmittel verkauft, zwischenzeitlich war es ein Saloon, ab 1905 das Prince Cafe und 1922, also mitten während der Prohibition, kaufte es Michael Fanelli und eröffnete es neu als Fanelli Cafe. Eigentlich hatte ich gedacht wir gehen nach der Tour zusammen essen, aber die Gruppe trennt sich am Schluss recht schnell und deshalb bummele ich noch ein bisschen alleine herum, schaue bei Bloomingdales hinein, bewundere das riesige alte Woolworthgebäude und fahre anschließend nach Hause.
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9. Oktober, Washington, DC
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Nach einem leckeren Frühstück checken wir aus und fahren Richtung Sehenswürdigkeiten, zuerst zum Jefferson Memorial. Der Renaissance Mann Thomas Jefferson war führender Autor der Unabhängigkeitserklärung und der dritte Präsident der USA. Er sprach sich zwar gegen den Sklavenhandel aus, hielt aber selber auf seinem Anwesen Sklaven und hatte gerüchteweise sechs Kinder mit seiner Sklavin Sally Hemings. Ob sie Kinder von ihm wollte ist leider nicht belegt. Wir schlendern weiter am Tidal Basin entlang, schauen den Kormoranen beim Fische fangen zu und enden schließlich am Lincoln Memorial. Von weitem sieht man das Washington Memorial, das heute vor 135 Jahren eröffnet wurde, aber weil der Himmel bedeckt ist, spiegelt es sich leider nicht im Reflecting Pool. Zum Schluss schauen wir uns noch das Vietnam Memorial der damals 21-jährigen Architekturstudentin Maya Lin mit den Namen der über 58.000 Opfer an. Nach soviel Sightseeing ist es höchste Zeit uns auf die Suche nach einem Café zu machen. Gestern hat uns beim Hineinfahren in die Stadt die Avenue H sehr gefallen und ganz in der Nähe davon ist ein Plattenladen. Dort fahren wir zuerst hin und sind ganz entzückt, denn im gemütlichen Untergeschoss gibt es Schallplatten und das Erdgeschoss ist ein Tante-Emma-Laden/Weinfachgeschäft/Café mit eigenen Backwaren. So ein Glück. Die Kids der Nachbarschaft kommen herein und werden mit Namen begrüßt, ich spreche eine junge Frau auf ihr Sweatshirt an und erfahre ihre Lebensgeschichte, und kurz bevor wir gehen kommen wir ins Gespräch mit dem Besitzer und er erzählt uns, dass er 1973 mit Gill Evans in Stuttgart gewesen ist. Was für ein netter Nachmittag. Wir verabschieden uns und schlendern weiter um die Avenue H und ihre Seitensträßchen und das wunderbare Atlas Theater zu erforschen. Den letzten Teil des Weges fahren wir mit der Tram, kaufen noch schnell ein Sandwich und zwei Bananen, denn schon ist es auch Zeit heim zu fahren.
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8. Oktober, Washington, DC
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Schon wieder früh aufstehen. Unser Müsli haben wir gestern Abend bereits vorbereitet, wir füllen noch meine Thermoskanne mit Tee und dann fahren wir los zum Flixbus Terminal. 4,5 Stunden dauert die Fahrt nach DC, wir kaufen am Bahnhof gleich Metrokarten für die zwei Tage und fahren zu unserem Hotel. Die Lage ist sehr gut und das Zimmer ist zwar klein, aber in Ordnung. Bis alles geregelt ist und wir wieder losziehen, ist es für einen Kaffee ein bisschen zu spät, deshalb gehen wir direkt zum Weißen Haus. Das Wetter ist toll mit unglaublich dramatischen Wolken, perfekt für schöne Fotos. Von weitem sehen wir das Kapitol und das Smithsonian Schlösschen, aber wir drehen ab und gehen hinüber in das historische Georgetown in der Hoffnung auf ein nettes Restaurant. Leider sind wir schlecht vorbereitet und landen in einem reinen Wohnbezirk. Die Häuser sind bezaubernd und viele sind für Halloween dekoriert, aber unsere Mägen verlangen nach Aufmerksamkeit und so gehen wir zurück Richtung Hotel, denn dort in der Nähe haben wir ein paar Restaurants gesehen. Die Pizzeria ist gut besucht, das ist sicher ein Zeichen für leckeres Essen denken wir. Leider ist die Pizza nur ok, dafür aber sehr teuer, denn 20% Trinkgeld wird automatisch mit berechnet. Andere Länder, andere Sitten denken wir und schlafen trotzdem gut.
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7. Oktober, Brooklyn
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Um 7 Uhr klingelt der Wecker und ich springe aus dem Bett, weil ich nach dem Frühstück zum Hudson River Park fahren will, um dort für zwanzig Minunten umsonst im Fluss zu paddeln. Aber schon nach zwei Bushaltestellen prasselt der erste Schauer herunter, der Himmel ist komplett grau und deshalb fahre ich wieder heim. Paddeln kann ich schließlich auch mal auf der Enz. Das Wetter bleibt wechselhaft, aber wir fahren nach dem Frühstück trotzdem nach Red Hook, denn dort ist heute Open Studios Day und in allen möglichen Locations, Yoga Studios, Immobilien Makler Büros, usw., stellen Künstler ihre Werke aus. Der Regen hat nachgelassen und wir schlendern herum und spickeln ab und zu in ein Geschäft rein. Gegen 15 Uhr führt uns der Weg zu einem unserer Lieblingscafés, wo der Kaffee ok ist und wo die Backwaren himmlisch sind. Nach einem Sprung in den Plattenladen, wo Boris ein paar Schnäppchen macht, fahren wir nach Hause.
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6. Oktober, Manhattan
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Sukkoth, das jüdische Fest der Laubhütten, endet heute und da es in Williamsburg einige chassidische Gemeinden gibt, führt mich mein erster Weg dorthin. Auf den Straßen eilen viele, ernstblickende Familien vorbei. Die Frauen und Mädchen tragen Strumpfhosen und kniebedeckende Röcke oder Kleider und die Frauen haben rasierte Köpfe die entweder mit einer Perücke oder einem Turban bedeckt sind. Die Jungs haben fast alle eine Kippa auf dem Kopf und viele haben Schläfenlocken. Die Männer tragen schwarze Anzüge und eine Kippa oder, wenn sie schon Familienväter sind, einen schwarz-seidenen Mantel mit weißen Kniestrümpfen und einen Schtreimel, einen großen Hut aus Zobelpelz. In der rechten Hand tragen viele Männer einen Lulav, einen Strauß aus einem Palmzweig, drei Myrtezweigen, und zwei Bachweidezweigen, welcher beim Gottesdienst zum Einsatz kommt. Die Balkone der Mietshäuser sind versetzt angebracht, damit während Sukkoth die Sukkas nach oben frei sind. Sukkas sind die Laubhütten, heute eher Holzverschläge, in denen während Sukkoth gelebt wird. Nach oben sind sie mit Palmwedeln nur locker abgedeckt, damit man nachts die Sterne sehen kann. Sukkoth ist eigentlich ein Fest der Freude, aber ich glaube alle sind nach einer Woche feiern ziemlich erschöpft. Ich fahre weiter nach Manhattan, denn in einem Newsletter habe ich gelesen, dass in einer Galerie in Chelsea eine Ausstellung mit Arbeiten von Davide Balliano ist, das sah interessant aus. Ein bisschen erinnern sich mich an schwarz-weiße Varianten der Bilder von Georg Karl Pfahler, die im Thieme-Haus hängen. Zum Glück bin ich kurzsichtig, so dass ich mir die Bilder auf zwei Arten anschauen kann. Ohne Brille haben sie etwas dreidimensionales an sich und so ergeben für mich plötzlich auch die drei kleinen Skulpturen einen Sinn. Ich mache mich weiter auf den Weg zum FIT (Fashion Institute for Technology) Museum, trinke unterwegs noch gemütlich einen Kaffee, und bin um 17 Uhr dort. Die aktuelle Ausstellung trägt den Titel „Food & Fashion“ und ist echt toll gemacht. Im Erdgeschoss schaue ich mir noch die Arbeiten der derzeitigen Studenten an und dann fahre ich heim.
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5. Oktober, Brooklyn
Um 13 Uhr geht meine Vorlesung los und ich schaffe es endlich mal kurz vor Beginn da zu sein und ein bisschen mit den Anderen zu schnacken. Heutiges Thema ist das Frauenwahlrecht und die Diskussion im Anschluss ist sehr interessant. Wieder daheim will ich für 17 Uhr ein Kajak vom Brooklyn Boathouse buchen, muss aber leider feststellen, dass die Saison vorbei ist. Deshalb mache ich es mir im Gärtchen mit meinem Buch gemütlich. Kurze Zeit später kommt Boris heim, wir trinken einen Kaffee und genießen gemeinsam das herbstlich-sonnige Wetter.
4. Oktober, Queens
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Irgendwann im Sommer hatte ich auf der Roosevelt Avenue in Queens einem Streetfood-Verkäufer bei der Zubereitung eines leckeren Salats zugeschaut und eigentlich hätte ich mir sofort einen bestellen sollen. Das habe ich dummerweise nicht gemacht, deshalb gehe ich heute nochmal ganz optimistisch hin, aber leider finde ich ihn nicht oder er ist nur im Sommer da. Über der Roosevelt Avenue verlaufen die Gleise der Metro 7 und entlang der Straße gibt es fast nur mexikanische Läden und Foodtrucks und es ist daher entsprechend laut und wuselig. Weil ich mich schon auf den Salat eingestellt hatte, kaufe ich an einem Stand eine Quesadilla die mit Gemüse und Zucchiniblüten gefüllt ist und dann fahre ich mit der Bahn Richtung Astoria um es nochmal bei dem Café zu versuchen, das am Dienstag bereits geschlossen hatte. Dieses Mal habe ich Glück und erwische sogar noch den letzten Firni Donut. Firni Donuts sind hier gerade total hipp, sie sind eher wie Berliner und sind mit Firni, einem afghanischen Pudding mit Kardamom und Rosenwasser, gefüllt. Um 16 Uhr schließt das Café und ich schnappe meinen Iced Latte und mein Buch und setze mich noch für eine halbe Stunde an einen Spielplatz. Und dann fahre ich heim.
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3. Oktober, Brooklyn
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Es ist nochmal richtig warm geworden, deshalb will ich heute, ein wahrscheinlich letztes Mal, an den Strand. Aber zuerst nehme ich per Zoom an „Zeitgenössische Literatur“ teil. Heute geht es um eine Autobiographie von Helen Macdonald mit dem Titel „H is for Hawk“. Als Ms Macdonalds Vater stirbt, versucht sie mit ihrem Kummer klar zu kommen, indem sie einen Habicht zur Jagd anrichtet. Wir alle kennen die Bilder eines Greifvogels mit Lederhäubchen auf dem Kopf, der auf dem Arm eines Menschen hockt. Ich habe unserer Vermieterin Eileen von dem Buch erzählt und sie hat anstatt Hawk Hog (also ein ausgewachsenes Schwein) verstanden und hat versucht sich vorzustellen, wie dieses Schwein mit Lederhäubchen auf dem Kopf auf dem Arm eines Menschen hockt. Wir haben uns weggeworfen vor Lachen, nachdem wir das Missverständnis aufgeklärt haben. In Brighton Beach angekommen, gehe ich erst wieder mein Mittagessen einkaufen und dann die paar Meter weiter ans Meer. Das Wasser ist etwas kälter als letztes Mal, aber die Sonne hat noch Kraft und es wird ein wunderschöner Tag.
2. Oktober, Manhattan
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Es gibt Tage, da läuft es und es gibt Tage, so wie heute, da läuft es gar nicht. Wir haben gestern Abend versucht die Bustickets für Washington DC und Boston zu buchen, aber all unsere Zahlungsversuche wurden abgelehnt. Deshalb mache ich mich heute auf den Weg zur Flixbus Adresse, nur um dort feststellen zu müssen, dass alle Tickets über Port Authority, 13 Blocks entfernt, gehen. Dort angekommen, stellt sich dann heraus, dass der Preis inzwischen hochgegangen ist. Mein nächster Stopp ist „Le Pain Quotidien“, wo wir inzwischen unser Brot kaufen und weil ich nicht dort bin wo ich ursprünglich geplant hatte, muss ich eine andere Filiale suchen. Die hat dann leider nur noch zwei winzige Baguettes, also auf zur nächsten Filiale, wo ich dann tatsächlich unser Lieblingsbrot bekomme. Auf dem Weg sehe ich zufällig die Konditorei „Les Merveilleux de Fred“, von der mir Micha erzählt hatte und kaufe ein Karamell „Sans Culotte“ Teilchen, denn ich habe schon bemerkt, dass der Trend heute Richtung Fehlschlag geht und ich das Café meiner Wahl eventuell nicht erreiche, bevor es schließt. Ich gehe die 35th Street entlang Richtung East River, weil ich mein Zehnerkärtchen für die Fähre zum Einsatz bringen will. An einem Hotspot aktiviere ich das Ticket und hoffe, dass ich es auch ohne WLAN vorzeigen kann. Am Anleger stehen schon zirka 15 Menschen in der Schlange Richtung Astoria wo ich hin möchte. Das ist sicher ein Zeichen, dass die Fähre bald kommt, denke ich irrtümlicherweise. Nach 30 Minuten Wartezeit kommt unser Boot und die Fahrt geht los. Ich ergattere einen Fensterplatz und genieße mein süßes Teilchen und die schöne Aussicht auf Long Island City mit der kleinen, aber sehr modernen Bibliothek. In Astoria gelandet sagt mir Google Maps, dass ich mein Ziel erst erreichen werde, nachdem es bereits geschlossen hat. Zum Glück ist nicht weit entfernt eine Metrostation und kurz nach 7 Uhr bin ich daheim und Boris hat schon angefangen zu kochen.
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1. Oktober, Manhattan
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Ab 17:50 h habe ich Zugang zu „The Edge“. Leider geht es Boris immer noch sehr schlecht, so dass ich alleine hingehen muss. Eigentlich wollten wir seine letzte GoCity Attraktion für „The Edge“ verwenden, die darf ich nun für ein Picknick einsetzen. Aber zuerst schlendern wir hinunter zur Cortelyou Road um im „Madeline“ gemeinsam einen Kaffee zu trinken. Die anschließende Fahrt zum Central Park ist etwas abenteuerlich, weil die Metros am Wochenende zum Teil gar nicht fahren oder nur auf bestimmten Streckenabschnitten. Über drei Ecken komme ich hin, hole meine Picknicktüte ab, setze mich auf eine Bank und verzehre mein köstliches Sandwich, die Chips und einen Keks und lese ein bisschen. Mit der C geht es dann wieder Richtung Downtown und bald stehe ich auch schon in der Lobby von Hudson Yards 30 und fahre erst mal in den 4. Stock. Überall sind Shops, unter anderem auch die „Magnolia Bakery“, bekannt dafür den Cupcake Craze in NYC gestartet zu haben. Aber ich habe ja Höheres im Sinn, zeige den QR Code und meinen Rucksack vor und dann geht’s im Aufzug (mit Videofilm) in den 101. Stock. Gleich zu Beginn kann man sich unter dem Rosenbogen fotografieren lassen, aber ich gehe sofort weiter auf die Terrasse. Hier ist natürlich ganz schön viel los, denn es ist kurz vor Sonnenuntergang. Ich finde immer wieder Lücken in der Menge und mache viele Fotos und ab und zu gehe ich zu dem dreieckigen Stück Boden aus Glas, um zu testen ob ich mich darauf traue, aber mehr als ein Fuß geht einfach nicht, mir wird sofort schlecht. Zum Glück gibt es auch viele andere tolle Ausblicke und ich finde alles wirklich sehr beeindruckend. Kurz nach 19 Uhr fahre ich wieder zurück auf festen Boden und dann heim nach Brooklyn.