20. September, Bronx

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Solange das Wetter noch schön ist, wollen uns den Botanischen Garten von New York City in der Bronx anschauen. Weil auf der Website steht, dass es 50 Gärten gibt, will ich nicht zu spät dort sein und das bedeutet, schon wieder früh aufstehen, denn die Fahrtzeit beträgt 90 Minuten. Boris schlägt vor unsere NYCID zu zücken und tatsächlich sparen wir auf diesem Weg den Eintrittspreis. Mittwochs ist im Eingangsbereich immer bis 15 Uhr Wochenmarkt und wir wollen versuchen bis dahin wieder am Eingang zu sein. Wir schlendern durch die Kürbisausstellung, schauen uns die heimischen Pflanzen und den Steingarten an, gehen durch ein kleines Wäldchen zum Wasserfall und sind pünktlich wieder auf dem Markt um zwei süße Stückle zu kaufen. Der Kaffee ist leider aus, aber zum Glück gibt es im Garten ein Café und dort erholen wir uns ein bisschen. Tatsächlich ist der Garten nicht so groß wie ich dachte und viele der Gärten sind saisonabhängig. Daher bleibt noch etwas Zeit und während Boris nach Manhattan reinfährt um bei einem Plattenladen vorbei zu schauen, bummele ich durch den Laden und setze mich dann in die Sonne um ein bisschen zu lesen. Was für ein entspannter Tag.

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19. September, Manhattan

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Wir beschließen ganz kurzfristig zu versuchen die GoCity NYC Movie & TV Bustour zu buchen und, hurra, es klappt. Um 11 Uhr müssen wir am „Stardust“ Diner sein, das heißt früh aufstehen oder vielmehr, früher als sonst. Wir sind eine kleine Truppe von 14 Teilnehmern, unserem Fahrer John und unserem Tourguide Daniel, der das heute erst zum zweiten Mal macht. Er ist sehr nett, hauptberuflich Schauspieler und kennt sich wirklich gut aus. Es geht zu 65% um TV und die meisten Serien kennen wir nicht, aber es macht trotzdem viel Spaß. Um Viertel vor zwei ist die Tour vorbei und wir machen uns auf den Weg zum Flughafen, denn um 16 Uhr kommt der Micha an. Als echte Schwaben wollen wir versuchen per Bus hinzufahren, um das Geld für den Airtrain zu sparen. Außerdem haben wir Zeit und am Flughafen rumhängen macht nicht so recht Spaß. Es klappt auch alles gut, nur hat Michas Flug leider Verspätung und sein Gepäck ist auch nicht dabei. Deshalb sehen wir uns erst so gegen 18 Uhr, fahren, wieder per Bus, nach Manhattan rein, Micha kauft eine Zahnbürsten und dann gehen wir lecker Pizza essen.

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18. September, Manhattan

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Man merkt, dass es bald Herbst wird, die ersten Blätter verfärben sich und heute ist ein richtig grauer Regentag. Zum Glück gibt es noch ein paar Museen und das Cooper-Hewitt Smithsonian Design Museum im ehemaligen Heim von Andrew Carnegie hat sogar montags geöffnet. Es gibt zwei spannende Ausstellungen, eine befasst sich mit Symbolen und der Entstehung des Symbol Source Books unter der Leitung von Henry Dreyfuss. Das erste Symbol Source Book wurde 1972 veröffentlicht und sollte die Kommunikation in einer immer kleiner werdenden Welt vereinfachen. Es ist sehr interessant zu sehen wie sich zum Beispiel die Symbole für die olympischen Spiele über die Jahre verändert haben. Die zweite Ausstellung dreht sich um die Arbeiten von Dorothy Liebes, einer Textildesignerin, die Anfang des 20. Jahrhunderts in Kalifornien mit einem Webstuhl angefangen hat und ein kleines Imperium, in einer von Männern beherrschten Welt, aufgebaut hat. Ihre Entwürfe waren in Filmen zu sehen und auf Ozeanriesen, in Hotelbars und in Privathäusern, und kamen sowohl für Damenoberbekleidung wie auch für Autositze zum Einsatz. Sie war eine der ersten Arbeitgeberinnen, die es Frauen erlaubte ihre Kinder zur Arbeit mitzubringen und ihr Atelier diente einigen, später bekannten Künstlerinnen als Sprungbrett. Eine sehr beeindruckende Persönlichkeit. Wir trinken noch einen Kaffee und dann geht jeder seinem Privatvergnügen nach, Boris geht in einen Plattenladen und ich in eine Bibliothek. Und auf dem Heimweg sehe ich noch einen Regenbogen, wie schön.

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17. September, Cold Spring

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Um 9:30 h sind wir mit Verena, ihrem Sohn Batu, und ihrer Freundin Beatrice am Informationsschalter der Grand Central Station verabredet. Zum Glück klappen die Verbindungen, denn dieses Wochenende fährt keine B, keine Q, keine L, und keine M und das bedeutet oft Chaos. Der Zug ist ganz schön voll und bald sehen wir auch warum, die Strecke am Hudson entlang ist wunderschön. Nach knapp 90 Minunten kommen wir in Cold Spring an und gehen erstmal durch die Unterführung zum Fluss. Dort gibt es einen kleinen Park, Segelboote, Kajaks und Motorboote teilen sich das Wasser und am anderen Ufer fährt ein Güterzug entlang. Wir gehen zurück in den Ort, schlendern durch die Straßen und gehen in viele der kleinen Läden. Am frühen Nachmittag gehen wir in ein nettes Café mit einem hübschen Gärtchen hinterm Haus und dann ist es auch schon bald Zeit heimzufahren. Was für ein wunderbarer und entspannter Tag.

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16. September, Brooklyn

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Red Hook ist immer noch eines meiner Lieblingsecken in Brooklyn und heute wollen wir es ein bisschen gemeinsam erforschen. Wir gehen zuerst zu Steve’s wegen des Key Lime Pies. Zur Abwechslung bestellen wir zwei Swingles, das sind Key Lime Pies am Stiel die in Schokolade getaucht wurden. Sie sind schön kalt und, finde ich, köstlich. Weil es bei Steve’s nur Cold Brew gibt, machen wir uns auf die Suche nach einem Café und landen dort, wo ich bei meinem ersten Besuch in Red Hook war. Nach dem Kaffee macht sich Boris auf den Weg zum Plattenladen und sieht eine Kiste mit Sachen zu verschenken. Er ruft mich und ich finde zwei T-Shirts und kaufe kurz darauf mit dem „gesparten“ Geld in einem Vintageladen einen Snoopy für Boris und einen Anhänger für mich. Der Anleger für die IKEA Fähre ist nicht weit und am Wochenende kann man damit umsonst nach Manhattan fahren. Bis zum ersten Stopp an der Wallstreet ist sie voll, aber auf der Strecke zur 39th Street bin ich fast alleine. Mit dem Bus fahre ich weiter zur Grand Central Station um die Tickets für unseren Ausflug morgen zu kaufen und mich ein bisschen zu orientieren. Eigentlich wollte ich zum Abschluss des Tages im Algonquin Hotel einen Martini trinken und ein bisschen Dorothy Parker Luft einatmen, aber inzwischen ist es schon spät, deshalb verschiebe ich diesen Plan und werde an meiner Endhaltestelle mit einem indischen Night Market überrascht.

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15. September, Manhattan

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Es bleiben uns weniger als sieben Wochen in NYC und noch gibt es so viel zu sehen und zu tun. Heute steht die J. P. Morgan Library im Kalender und ich buche uns zwei Tickets für 18 Uhr. Weil die Züge oft etwas erratisch fahren (G train leaves from the R Plattform, B train is not running on weekends, etc.), planen wir viel Zeit ein. Wir kaufen ein Brot fürs Wochenende bei „Der Pioneer“ und fahren dann zur 34th Street um zur 32nd Street zu gehen, denn Eileen hat uns gesagt, dass es hier ein kleines Korea-Town gibt. Nach einem Kaffee mit einer Schneckennudel für Boris und einem Genmaitee mit einem Kimchi-Donut für mich, bummeln wir vorbei an interessanten Läden und gehen noch kurz in einen Supermarkt. In einem Plattenladen machen wir noch einen kleinen Zwischenstop und sind 20 Minuten vor 18 Uhr am Museum. Nach fünf Minuten warten schlägt Boris vor, dass wir rein gehen und das klappt zum Glück auch, denn selbst eine und eine Viertel Stunde reichen nicht, um alles anzuschauen. Neben der eigentlichen Bibliothek gibt es noch drei Ausstellungen von denen wir zwei schaffen, Bridget Riley und Ferdinand Hodler, die wir beide sehr toll finden. Und die Bibliothek selbst ist natürlich unglaublich beeindruckend.

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11. September, Brooklyn

Mein erster Tag als Studentin, heute via Zoom und natürlich legen wir zuerst eine Schweigeminute für die 9/11 Opfer ein. Montags habe ich den Kurs „Kurzgeschichten“ belegt und heute haben wir „Vallies“ von Edith Pearlman besprochen. Das macht schon riesig Spaß. Den Rest des Tages verbringe ich in verschiedenen Thrift Stores, kaufe keinen Kimono, keine Doc Martens, kein übergroßes Herrenhemd, sondern mit dem ganzen gesparten Geld eine übergroße Strickjacke. Jetzt kann der Herbst kommen.

12. September, Brooklyn

Die meisten Kurse sind immer noch via Zoom, aber das erste Treffen von dem Kurs „Zeitgenössische Literatur“ findet auf dem Campus statt. Wir sind 13 Teilnehmer und Teilnehmerinnen, wohl etwas weniger als erwartet, und die Diskussion ist echt spannend. Unser Buch ist „Great Circle“ von Maggie Shipstead und es wird, trotz Booker Prize, ganz schön verirssen. Aber am spannendsten sind die Interaktionen in der Runde. Nach dem Kurs springe ich kurz heim und schnappe mir unsere ausgeliehenen Bücher um sie in der Central Library abzugeben. Leider ist der Parkway gesperrt und der Bus muss sich durch eine Nebenstraße quälen und benötigt anstatt einer Viertel Stunde eine ganze Stunde. Dank der Umleitung ist die Haltestelle ordentlich verlegt und nachdem ich unseren Bücherstapel abgegeben habe fühle ich mich ganz leicht und schwebe zu Tom’s Restaurant um endlich ein Reuben Sandwich (Sauerkraut, Corned Beef, und Schweizer Käse) zu essen. Tom’s gibt es seit 1936 und es ist immer noch ein gemütlicher, kleiner Diner mit nettem Service. Danach ist auch Schluss mit Schweben. Und auch Schluss für heute.

14. September, Brooklyn

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„Turning Points in Modern History“ heißt mein erster Kurs heute und weil ich mich mit Eileen verquatsche, der Kurs auf dem Campus stattfindet und der Bus natürlich Verspätung hat, komme ich gleich beim ersten mal zu spät, wie peinlich. Gleich im Anschluss findet dann „People and Cultures of India“ statt und nach insgesamt 2 und 3/4 Stunden lechzt mein Gehirn nach Entspannung und mein Bauch nach Futter. Deshalb fahre ich mit Bus und Bus an dem armen, verseuchten Gowanus Kanal vorbei nach Red Hook und frage mich dort nach „Steve’s“ durch um seinen berühmten Key Lime Pie zu probieren. Der Pie ist fast so lecker wie der in Key West und wenn man so mit Lady Liberty im Blick am Meer sitzt, da darf man ja sowieso nicht meckern. Als ich heim komme ist Boris schon da und wir machen uns gleich auf den Weg zur Cortelyou Road, um Veggi Burger zu essen. Das ist so eine lebendige Straße, es macht Spaß dem Treiben zuzuschauen und die Burger sind auch sehr lecker.

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13. September, Manhattan

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Endlich mal wieder nach Manhattan rein und zwar gleich ins MoMA. Boris hat die Idee als erstes mal zu fragen ob wir mit unserer IDNYC wirklich ein Jahr umsonst Mitglieder werden konnen (als Backup haben wir unseren GoCity Pass dabei). Aber es klappt und wir sind jetzt stolze Besitzer einer MoMA Mitglieder Karte und können jederzeit umsonst rein. Ist das toll. Im 6. Stock sind wir sofort total geflasht von der Ed Ruscha Ausstellung. Einen Stock tiefer beschließen wir nach sechs von 24 Ausstellungsräumen, dass wir nicht noch mehr aufnehmen können und jetzt einen Kaffee benötigen. Weil wir versuchen Wegwerfbecher zu vermeiden, ist das gar nicht so einfach. Aber kurz bevor wir aufgeben wollen, haben wir Glück und finden ein Café mit echten Bechern und Gläsern. Jetzt aber schnell noch Gurken und Paprika kaufen, daheim Gazpacho machen und einpacken und dann los nach Williamsburg um den letzten Film im Park anzuschauen — „The Big Lebowski“, was für ein schräger Film.

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