Leider sind die Halsschmerzen schlimmer geworden, deshalb decke ich mich mit heißer Zitrone mit Honig ein und bleibe im Bett.
Leider sind die Halsschmerzen schlimmer geworden, deshalb decke ich mich mit heißer Zitrone mit Honig ein und bleibe im Bett.

Die Hitze gestern in Kombination mit den Klimaanlagen in Metro und Bus haben trotz Schal zu ein bisschen Halsweh geführt. Ich ziehe deshalb bevor ich los ziehe den Hoody über und mache mich dann auf den Weg zu einem Kirchenflohmarkt. Er ist eher klein aber sehr nett, man schnackt ein bisschen und ich kaufe eine Bluse. Weiter geht es wieder Richtung East Village, denn in einem der Community Gardens findet heute ein Theater Nachmittag mit sechs 30-minütigen Vorstellungen statt. Als erstes gibt es eine Darbietung mit Marionetten, dann eine Autorinnen-Lesung, gefolgt von Improvisationstheater einer Shakespeare-Truppe. Leider wird mir langsam kalt und ich fühle mich schlapp und fahre deshalb heim.



Weil es hier sehr viele Vorlesepaten und Geschichtenerzähler/innen gibt und ich die Stuttgarter Buchkinder so toll finde (und Birgit mir Unterstützung versprochen hat) frage ich bei der Flatbush Library ob ich sowas dort als Ehrenamtliche machen kann. Der Antrag durchläuft jetzt die Mühlen der Bürokratie. In Alice’s Tea Cup in Brooklyn Heights esse ich einen Scone mit Cream und Jam und dann geht’s weiter nach Manhattan die Goodwill Läden durchwühlen. Leider finde ich keine richtig coolen T-Shirts. Dafür entdecke ich einen hübschen Papierwarenladen und bleibe hängen und bei so vielen schönen Dingen werde ich dann auch schwach. Mit meinen Schätzen setze ich mich in den Madison Square Park um noch ein bisschen zu lesen. Plötzlich tut es einen Riesenschlag gefolgt von einem grellen Blitz. Also ab in die Metro und nach Hause.



Jetzt bbin ich schon fast einen Monat hier und war immer noch nicht in meinem Kiez Park. Der Canarsie Park (so benannt nach dem Stamm der Canarsee Indianer) zieht sich an der Jamaica Bay entlang und hat neben den üblichen Sportplätzen auch kleine Trails auf denen ich mich natürlich sofort verlaufe. Irgendwie finde ich doch den Weg zum Pier und mache es mir an einem der Picknicktische gemütlich um mit Blick aufs Wasser zu lesen. Kleiner Schreck, ich habe mein Buch vergessen. Es ist trotzdem schön hier zu sitzen, den Kindern beim Spielen und den Skateboardern beim Rumblödeln zuzuschauen. Auf dem Heimweg springen ich noch kurz in den Key Food, ich will uns eine Flasche Wein kaufen und ein bisschen Gemüse. Großer Schreck, die Kreditkarte ist nicht im Geldbeutel. Zum Glück finde ich sie in einem anderen Fach.

Ein kleiner Rückblick auf den Mai.
Werbung: Rechtsanwälte, Altenpflege, Diäten, Kontaktbörsen
Mode: Stiefel mit Shorts, Crocs (ja wirklich), die Farbe orange
Lustig: Kinder beim Drachen Festival die in Plastikschuhen über den Kunstrasen rannten und denen deshalb buchstäblich die Haare zu Berge standen.

Im East Village bin ich schon mal zufällig gelandet, heute will ich es mir mit literarischer Unterstützung anschauen. Für einen so überschaubaren Teil der Stadt hat das Viertel eine bewegte Geschichte. Erst war es Teil des Stuyvesant Bouwerie (Bauernhof auf niederländisch, hier allerdings eher ein riesiges Landgut) und dann wurde es teilweise mit Wohnhäusern für den Geldadel bebaut. Ca.1830 kam eine Welle deutscher Einwanderer und das Viertel wurde als Kleindeutschland bekannt. 1904 kam es zum Brand auf der General Slocum, einem Dampfschiff das mit 1.331 deutschen Passagieren auf dem East River zu einer Kirchenveranstaltung unterwegs war. 1.021 Passagiere starben und der Großteil der deutschen Bevölkerung zog daraufhin weg. Einwanderer aus Italien, Osteuropa und der Karibik rückten nach, die Mieten sanken und es folgten links orientierte Journalisten und Schriftsteller und in den 50er Jahren Mitglieder der Beat Generation. Andy Warhol und Paul Morrissey machten aus dem Tanzsaal des Polish National Home den Electric Circus, der Tompkins Square wurde zum Drogenumschlagplatz und zur Heimat für Obdachlose. Anfang der 90er Jahre kam es zum Zusammenstoß mit der Polizei und die Stadt begann das Viertel zu sanieren. Heute ist es immer noch sehr quirlig mit vielen kleinen Restaurants wie dem B & H Dairy, aber eben auch schicken Designer Läden. Was ich toll finde ist, dass es hier 38 Nachbarschaftsgärten gibt (und in der Lower Eastside weitere 14). Das war heute viel Geschichte, aber so ist das eben wenn man drei Bücher über New York mitschleppt.


Heute ist Wasch- und Putztag. Es gibt nichts zu berichten.

Murray Hill mit dem hübschen Bryant Park, in dem man sich mit den kleinen Tischen und Bistro Stühlen fast wie in Frankreich vorkommt, steht heute auf der Agenda. Es ist Memorial Day und halb New York ist unterwegs. Im Park findet ein kleiner Kunsthandwerk Markt statt und ich schaue mir die T-Shirts, Seifen, Kerzen und Schmuckstücke an. Murray Hill liegt zwischen 6th Ave und Lexington und man kann gemütlich die Straßen auf und einen Block weiter wieder ab gehen und sich die schönen Häuser der ehemaligen High Society anschauen. Und mittendrin liegt Sniffen Court, ein kleiner Ruhepol im hektischen Downtown. An jeder Kreuzung mit der Park Ave befinden sich die bunten Skulpturen von Carole Feuerman zum Thema Wasser. Leider muss ich am MarieBelle ganz schnell vorbei, bevor ich schwach werde und mich mit Schokolade eindecken, denn das sieht alles sehr lecker aus. Zum Schluss gehe ich zurück zum Bryant Park um noch ein bisschen zu lesen und einen späten Kaffee zu trinken.



Nachdem ich mich gestern im Großstadtdschungel herumgetrieben habe, will ich mir heute mal den nördlichen Teil vom Prospect Park anschauen. Weil ich am Brooklyn Museum aussteige, schau ich noch kurz in den Museumsshop. Im Eingang wird gerade für einen privaten Event aufgebaut, das sieht mir sehr nach einer Hochzeit aus. Jetzt geht’s aber weiter ins Grüne. Der Prospect Park wurde im 19. Jahrhundert von den Architekten Olmsted und Vaux (ebenso die Architekten vom Central Park) entworfen und weil er hügelig angelegt und zum Teil recht wild bewachsen ist, kommt man sich oft wie in der freien Natur vor. Es gibt einen großen See der von Wasserläufen mit kleinen Wasserfällen gespeist wird. Der Park ist aber auch der Backyard aller Brooklynites die keinen eigenen haben, sprich am Wochenende kommt man sich vor wie auf einer riesigen Familienfeier.


„Mama said, there’ll be days like this“ und heute war so ein Tag. Ich habe mich ungefähr fünf Mal verlaufen, zwei Metros fuhren von einem anderen Bahnsteig ab, aus einer Metro mussten wir alle auf halber Strecke aussteigen und am Schluss bin ich noch mit dem Bus in die falsche Richtung gefahren. Solche Tage finde ich immer spannend, denn man lernt andere Menschen kennen, erfährt viel Hilfsbereitschaft und landet in Ecken die man sonst vielleicht nie entdeckt hätte. Ich wollte heute eigentlich in Brooklyn bleiben, bin dann aber doch nach Manhattan um die Highline dieses Mal ganz entlang zu gehen und bin am Schluss im East Village gelandet und habe in der entzückende Buchhandlung P & T Knitwear einen Cappuccino getrunken. Ein schöner Tag voller Überraschungen.

