RECAP MAI

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Ein kleiner Rückblick auf den Mai.

Werbung: Rechtsanwälte, Altenpflege, Diäten, Kontaktbörsen

Mode: Stiefel mit Shorts, Crocs (ja wirklich), die Farbe orange

Lustig: Kinder beim Drachen Festival die in Plastikschuhen über den Kunstrasen rannten und denen deshalb buchstäblich die Haare zu Berge standen.

31. Mai, Manhattan

Im East Village bin ich schon mal zufällig gelandet, heute will ich es mir mit literarischer Unterstützung anschauen. Für einen so überschaubaren Teil der Stadt hat das Viertel eine bewegte Geschichte. Erst war es Teil des Stuyvesant Bouwerie (Bauernhof auf niederländisch, hier allerdings eher ein riesiges Landgut) und dann wurde es teilweise mit Wohnhäusern für den Geldadel bebaut. Ca.1830 kam eine Welle deutscher Einwanderer und das Viertel wurde als Kleindeutschland bekannt. 1904 kam es zum Brand auf der General Slocum, einem Dampfschiff das mit 1.331 deutschen Passagieren auf dem East River zu einer Kirchenveranstaltung unterwegs war. 1.021 Passagiere starben und der Großteil der deutschen Bevölkerung zog daraufhin weg. Einwanderer aus Italien, Osteuropa und der Karibik rückten nach, die Mieten sanken und es folgten links orientierte Journalisten und Schriftsteller und in den 50er Jahren Mitglieder der Beat Generation. Andy Warhol und Paul Morrissey machten aus dem Tanzsaal des Polish National Home den Electric Circus, der Tompkins Square wurde zum Drogenumschlagplatz und zur Heimat für Obdachlose. Anfang der 90er Jahre kam es zum Zusammenstoß mit der Polizei und die Stadt begann das Viertel zu sanieren. Heute ist es immer noch sehr quirlig mit vielen kleinen Restaurants wie dem B & H Dairy, aber eben auch schicken Designer Läden. Was ich toll finde ist, dass es hier 38 Nachbarschaftsgärten gibt (und in der Lower Eastside weitere 14). Das war heute viel Geschichte, aber so ist das eben wenn man drei Bücher über New York mitschleppt.

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sdr

30. Mai, Brooklyn

Heute ist Wasch- und Putztag. Es gibt nichts zu berichten.

29. Mai, Manhattan

sdr

Murray Hill mit dem hübschen Bryant Park, in dem man sich mit den kleinen Tischen und Bistro Stühlen fast wie in Frankreich vorkommt, steht heute auf der Agenda. Es ist Memorial Day und halb New York ist unterwegs. Im Park findet ein kleiner Kunsthandwerk Markt statt und ich schaue mir die T-Shirts, Seifen, Kerzen und Schmuckstücke an. Murray Hill liegt zwischen 6th Ave und Lexington und man kann gemütlich die Straßen auf und einen Block weiter wieder ab gehen und sich die schönen Häuser der ehemaligen High Society anschauen. Und mittendrin liegt Sniffen Court, ein kleiner Ruhepol im hektischen Downtown. An jeder Kreuzung mit der Park Ave befinden sich die bunten Skulpturen von Carole Feuerman zum Thema Wasser. Leider muss ich am MarieBelle ganz schnell vorbei, bevor ich schwach werde und mich mit Schokolade eindecken, denn das sieht alles sehr lecker aus. Zum Schluss gehe ich zurück zum Bryant Park um noch ein bisschen zu lesen und einen späten Kaffee zu trinken.

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28. Mai, Brooklyn

sdr

Nachdem ich mich gestern im Großstadtdschungel herumgetrieben habe, will ich mir heute mal den nördlichen Teil vom Prospect Park anschauen. Weil ich am Brooklyn Museum aussteige, schau ich noch kurz in den Museumsshop. Im Eingang wird gerade für einen privaten Event aufgebaut, das sieht mir sehr nach einer Hochzeit aus. Jetzt geht’s aber weiter ins Grüne. Der Prospect Park wurde im 19. Jahrhundert von den Architekten Olmsted und Vaux (ebenso die Architekten vom Central Park) entworfen und weil er hügelig angelegt und zum Teil recht wild bewachsen ist, kommt man sich oft wie in der freien Natur vor. Es gibt einen großen See der von Wasserläufen mit kleinen Wasserfällen gespeist wird. Der Park ist aber auch der Backyard aller Brooklynites die keinen eigenen haben, sprich am Wochenende kommt man sich vor wie auf einer riesigen Familienfeier.

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27. Mai, Manhattan

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„Mama said, there’ll be days like this“ und heute war so ein Tag. Ich habe mich ungefähr fünf Mal verlaufen, zwei Metros fuhren von einem anderen Bahnsteig ab, aus einer Metro mussten wir alle auf halber Strecke aussteigen und am Schluss bin ich noch mit dem Bus in die falsche Richtung gefahren. Solche Tage finde ich immer spannend, denn man lernt andere Menschen kennen, erfährt viel Hilfsbereitschaft und landet in Ecken die man sonst vielleicht nie entdeckt hätte. Ich wollte heute eigentlich in Brooklyn bleiben, bin dann aber doch nach Manhattan um die Highline dieses Mal ganz entlang zu gehen und bin am Schluss im East Village gelandet und habe in der entzückende Buchhandlung P & T Knitwear einen Cappuccino getrunken. Ein schöner Tag voller Überraschungen.

sdr
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26. Mai, Brooklyn

sdr

Greenpoint grenzt an Williamsburg an und schwappt so ein bisschen über, manchmal von einer Straßenseite auf die andere. Ich mache ein Foto von einer der wenigen übriggeblieben Gehweg Uhren und gehe weiter zur polnischen Bäckerei, wo ich ein super leckeres Cranberry-Walnuss Brot kaufe. Anschließend bummle ich noch ein bisschen durch verschiedene Läden, schlage einen Bogen und mache mich auf dem Weg zum Mc Carren Park. Dabei komme ich an dem riesigen Astral Appartments Gebäude vorbei. Es wurde im 19. Jahrhundert für Fabrikarbeiter und ihre Familien gebaut, wirkt von außen etwas düster hat aber wohl sehr helle, geräumige Wohnungen, was für damalige Verhältnisse recht fortschrittlich war. Und dann stehe ich vor der ehemaligen Eberhard Faber Fabrik und freue mich über die großen Bleistifte, die oben als Deko-Elemente angebracht wurden. Noch ein bisschen im Park lesen mit Kaffee und süßem Stückle und dann geht’s heim.

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25. Mai, Manhattan

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Heute Abend bin ich mit Tunisia und Björn im West Village zum Essen verabredet. Eine gute Gelegenheit mir diese Ecke mal anzuschauen. Mit dem L Train komme ich direkt zum Chelsea Market, einem riesigen Gebäude mit vielen kleinen Läden und Restaurants, also so eine Art Mall. Gleich daneben ist der Aufgang zur Highline mit Blick auf die Straßenschluchten Manhattans. Mit Hilfe zweier meiner Bücher erforsche ich das West Village und Greenwich Village. So finde ich zum Beispiel die Jefferson Market Library, ein ehemaliges Gerichtsgebäude aus dem 19. Jahrhundert mit Buntglasfenstern im Lesesaal. Oder auch Grove Court, ein kleines Ensemble mit Garten das man leider nur durch den Zaun betrachten kann. Aber natürlich gibt es auch ohne die Hilfe der Bücher viel zu sehen und es ist toll einfach nur die Augen wandern zu lassen. Am Schluss noch ein Stündchen im Washington Square lesen und schon ist es Zeit fürs Abendessen.

sdr
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24. Mai, Queens

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Um 14 Uhr habe ich einen Termin im Queens Museum, das bedeutet ich muss so gegen halb zwölf hier los. Die lange Busfahrt ist wie Sightseeing und nach einem kurzen Stück Weg durch den Park bin ich auch schon da. Natürlich will ich hauptsächlich das New York City Panorama-Model, das anlässlich der Weltausstellung 1964 erstellt wurde, sehen. Es ist wirklich beeindruckend, Tag und Nacht wechseln sich ab und gelegentlich startet oder landet ein kleines Flugzeug. Genau mein Ding. Ich lese noch ein bisschen im Park und fahre dann nochmal nach Flushing rein um mir das Haus von John Bowne aus dem Jahr 1661 anzuschauen. Er setzte sich sehr für Religionsfreiheit ein und musste ins Gefängnis, weil er Quäkern erlaubt hatte sich in seinem Haus zu versammeln. Das Haus diente den Quäkern weiterhin als Versammlungsort und wurde von ihnen später auch als Untergrund Railroad Station eingesetzt. Auf dem Heimweg muss ich das Tinder Werbeplakat fotografieren, auch wenn die Qualität schlecht ist — es ist einfach zu eigenartig.

dav
sdr

23. Mai, Brooklyn

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Williamsburg ist immer noch ein bisschen die Hipster-Hochburg und das will ich mir heute mal ansehen. Ich lande direkt auf der Bedford Ave, der hippen Straße mit vielen kleinen Läden und Cafés. Aber laut meinem Buch gibt es auch noch ein anderes Williamsburg. Es gibt einen jüdischen Teil und einen italienischen und noch einen alten Teil. Das Gebäude der Brooklyn Brewery ist zum Beispiel ein Überbleibsel aus der Zeit, als es hier noch viele Brauereien gab. Ich gehe weiter Richtung Downtown, mache aber einen kleinen Zwischenstop am East River um auf die NYC Skyline und die Williamsburg Bridge zu schauen. Die Brücke hat zwar diesen Teil von Brooklyn an Manhattan angeschlossen, aber leider wird der alte Stadtkern nun von Metrotrassen und breiten Straßen durchschnitten.

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