15. Oktober 2024, Varna am Schwarzen Meer

Unser Zimmer ist leider nahe der Straße und daher sehr laut. Zum Glück gibt uns die reizende Dame am Empfang ein neues Zimmer und wir ziehen gleich nach dem Frühstück um. Heute wollen wir einen faulen Tag machen, wir packen unseren Lesestoff ein und gehen ans Meer. Wir gehen auf eine Mole hinaus, entdecken Quallen, schauen den Anglern zu und kommen ins Gespräch mit einem von ihnen der eine zeitlang in Schwieberdingen gewohnt hat und daher recht gut deutsch spricht. Überhaupt kommen mir die Bulgaren sehr offen und freundlich vor. Weil der Weg zwischen Strand und Park so schön ist und wir viele Katzen entdecken, gehen wir immer weiter und bevor wir uns versehen sind wir ganz in der Nähe von einem Plattenladen. Während Boris stöbert, schaue ich nach was Varna an Sehenswürdigkeiten zu bieten hat. Neben vielen Museen gibt es hier Ruinen von römische Thermen und die „Mariä Himmelfahrt“ Kathedrale. Wir schlendern durch die Fußgängerzone, freuen uns über die gepflegten alten Häuser, schauen uns die Kathedrale an und kommen auf dem Weiterweg zu den Thermen an einem kleinen Markt vorbei, auf dem wir unter anderem auch eine lesende Katze sehen. Boris führt uns zurück zum „Coffee Cup“, einem kleinen Café das wir beim Herumbummeln gesehen hatten, denn es ist Kaffeezeit. Wir kaufen noch ein bisschen ein, denn morgen werden wir acht Stunden im Bus unterwegs sein und gehen dann zurück ins Hotel. Dort bitten wir unseren Engel am Empfang uns für morgen früh ein Taxi zu bestellen. So, jetzt aber endlich Füße hoch. Aber die Verlockung des Meeres ist zu groß, ich schlüpfe in meinen Bikini, schnappe etwas zu lesen und während Boris es sich mit seinem Buch auf einer Bank im Park gemütlich macht, gehe ich die zehn Minuten zum Strand und stürze mich in die Wellen. Naja, eigentlich gehe ich eher gemächlich ins Wasser, schwimme ein wenig herum und setze mich dann an den Strand um zu schauen und zu lesen. Irgendwann wird es dann doch etwas frisch und ich gehe zurück, dusche und dann gehen wir leckere Pizza essen.

14. Oktober 2024, unterwegs

Meine Recherchen im Sommer hatten ergeben, dass man sieben Mal am Tag innerhalb von 3,5 Stunden mit dem Zug von Bukarest nach Varna fahren kann. Mit dem Buchen hat es allerdings nicht geklappt und vor Ort haben wir auch erfahren warum nicht, der Sommerfahrplan ist nur bis 30. September gültig. Im Oktober fährt man morgens mit der Bummelbahn bis Russe auf der bulgarischen Grenzseite und von dort mit einem zweiten Zug weiter. Weil der erste Zug Verspätung hat verpassen wir den Anschlusszug und verbringen eine Stunde in einer kleinen Bäckerei. Zurück zum Bahnhof gehen wir durch eine leicht gruselige und fast komplett verlassene Unterführung. Unser Zug wartet schon, der Schaffner ist sehr bruddelig, aber die Landschaft ist unglaublich schön und das Licht ist phantastisch. Mein Highlight ist ein Fasan. Um 20:00 h kommen wir an, finden einen Taxifahrer mit dem wir per Google Translate kommunizieren und der unsere Euro akzeptiert und uns zum Hotel bringt.

13. Oktober 2024, Bukarest

Es ist Sonntag und wir schlafen lange (also noch länger als sonst) und lümmeln nach dem Frühstück noch ein wenig herum. Irgendwann ziehen wir los um uns den Parlamentspalast, auch Palast für das Volk genannt, anzuschauen. Um ihn zu bauen wurde 1984 ein großer Teil der Stadt abgerissen. Mit einer Fläche von 10,000 qm ist er, nach dem Pentagon, das zweitgrößte Verwaltungsgebäude der Welt. In dem Park, der um das Gebäude liegt, gibt es einen kleinen Street Food Markt. Zu dumm, dass wir vor kurzem gefrühstückt haben. Wir überqueren erneut den Dambovita und sind wieder in der Altstadt wo wir uns die schöne orthodoxe Kretulescu Kirche ansehen. Weiter geht es zum Kaufhaus „Cocor“, aber in dem Gebäude gibt es nur noch ein paar wenige Shops. Dafür kommen wir kurz darauf an einem Gebäckstand vorbei und ich hole mir eine Covrig, eine der dünnen Brezeln die es in drei Varianten, mit Mohn, Sesam oder Sonnenblumenkernen, gibt. Das wird morgen mein Vesper für die Fahrt. Wir machen uns auf die Suche nach einem Café, aber das erste hat sonntags leider geschlossen und im zweiten ist die Bedienung so unfreundlich, dass wir wieder gehen. Inzwischen ist es schon etwas spät und wir beschließen uns in unserer Nachbarschaft umzuschauen. Zu spät fällt uns das „Mingle“ ein, das wir gestern in der nähe des Plattenladens gesehen haben. Das „Tartelicious“ hat sonntags leider auch geschlossen, aber das „Beans & Dots“ hat zum Glück auf und wir lassen uns glücklich in ein altes Sofa sinken und genießen. Ich schlendere noch über einen kleinen Kunsthandwerksmarkt der im selben Gebäude statt findet und dann gehen wir heim lesen, ein Nickerchen machen, packen, kochen und essen.

12. Oktober 2024, Bukarest

Wir haben für heute drei Flohmärkte gefunden, aber leider ist der größte ungefähr zwei Stunden Fußmarsch entfernt. Man könnte auch mit der Metro und einer Straßenbahn hinkommen, aber wir müssten sowohl für die Bahn wie auch für die Metro jeweils einen Pass kaufen, also vier Pässe welche dann am Montag im Müll landen. Das finden wir nicht nachhaltig und lassen es daher. Die anderen beiden Flohmärkte liegen beim Piata Nicolae Balcescu nicht weit von uns entfernt. Inzwischen kennen wir uns schon ein bisschen aus, gehen wieder durch den Park und sind auch schon gleich da. Der erste Markt schlängelt sich an der Straße entlang, es gibt viel Kleidung und Schmuck und Boris schenkt mir einen kleinen Weihnachtslöffel. Der nächste Markt findet vor dem Palatul Sutu, einem Museum statt, aber leider kommen wir zu spät. Dafür hat heute die Tourist Information geöffnet und die Dame hinter der Theke gibt uns, wenn auch etwas ungern, einen tollen Stadtplan. Ich habe im Internet ein Viertel gefunden in welchem es einige Häuser mit Jugendstilelementen geben soll, dorthin machen wir uns nun auf den Weg. Am Piata Romana steht eine Gruppe von Seifenkisten an einer Ampel und an der nächsten Ampel hält gerade eine rosalackierte Straßenbahn auf der „te iubesc“ (ich liebe dich) steht. Die Jugendstilelemente sind etwas enttäuschend, aber es macht natürlich sehr viel Spaß einfach herum zu bummeln. Inzwischen ist es Zeit für einen Kaffee und wir entscheiden uns für das „Nood“ und sind sehr gespannt auf die Kuchen, denn hier wird ohne Zucker gebacken. Der Carot Cake von Boris (mit Datteln, Süßkartoffel und Orangensaft gesüßt) schmeckt lecker, aber meine Erdnussbutter-Schoko-Tarte ist leider arg trocken und etwas fade. Unsere nächste Station ist das „Near Mint“, ein Plattenladen der etwas 1,5 Stunden entfernt liegt, aber ungefähr Richtung Heimat. Der angekündigte Regen beschränkt sich auf ein Nieseln, man benötigt nicht mal einen Schirm. Es gibt wieder viel zu sehen und was mir hier sehr auffällt ist die Mischung aus den französisch anmutenden Häusern, Gebäuden die an die Bauhauszeit erinnern und leider auch einfallslosen Monumentalbauten. Der Plattenladen befindet sich in einem attraktiven modernen Gebäude, in welchem sich auch ein Hotel befindet. Der Betreiber ist sehr nett und man merkt ihm an, dass er Musik kennt und liebt und sein Wissen gerne teilt. Langsam wird es dunkel und wir gehen in einem thailändischen Restaurant essen, kaufen noch etwas ein und machen uns auf den Heimweg. In der Stadt sind einige Straßen für den Verkehr gesperrt, denn dieses Wochenende findet das „Spotlight“ Festival statt. Auf der Calea Victoriei sind viele Lichtinstallationen zu sehen und man hört auch immer wieder Musik. Leider sind wir beide etwas erschlagen und mir ist ein bisschen kalt, deshalb gehen wir heim.

11. Oktober 2024, Bukarest

Nach dem Frühstück gehen wir ins Zentrum um uns bei der Tourist Information Stadtpläne zu besorgen, aber leider ist sie geschlossen. Am Morgen habe ich ein bisschen im Internet recherchiert und führe uns daher zu „Carturesti Carusel“, einem Buchladen um einen Stadtplan zu kaufen. Der Laden liegt mitten im Touristenviertel und ist ein wunderschöner Buchpalast, nur einen Stadtplan gibt es dort leider nicht. Wir gehen weiter zu einem der „Humanitas“ Buchläden und werden fündig. Auch diese Buchhandlung liegt wunderschön an einem langen Gang mit Torbögen. In einer French Bakery holen wir uns zwei Törtchen, in der Buchhandlung zwei Cappuccini und damit setzen wir uns in den Gang. Unser Blick geht zu einer Bar am anderen Ende des Ganges, zur Biserica Kretzulescu, einer alten orthodoxen Kirche die innen wunderschön ausgemalt ist, zum Café der Buchhandlung mit älteren Stammgästen und zur Buchhandlung selbst, es gibt also viel zu sehen. Gestärkt machen wir uns auf die Suche nach „RockShop“, einem Plattenladen auf der Liste von Boris. Und suchen, und suchen. Eine erneute Recherche ergibt, dass er umgezogen ist, allerdings zum Glück nicht weit. Wir suchen erneut und finden irgendwann das richtige Gebäude. Die Haustüre steht auf, wir steigen mehrere Stockwerke hoch, irren Gänge entlang und stehen endlich vor der richtigen Türe. Eine halbe Stunde später stehen wir wieder auf der Straße, inzwischen hat es angefangen zu nieseln und wir wollen es nochmal mit einem Cocktail probieren. Dieses Mal haben wir Erfolg und genießen das Auf und Ab auf der Straße und die kleinen Dramen in der Bar. Nach Hause ist es nicht weit und so lassen wir den Tag entspannt ausklingen.

10. Oktober 2024, Bukarest

Wir haben, mit kleinen Unterbrechungen, gut geschlafen, verzehren den Rest unseres Vespers und machen uns bereit auszusteigen. Der Zug hat eine Stunde Verspätung, wir kommen also um 10:15 h an. Als erstes kaufen wir die Fahrkarten nach Varna, Bulgarien, unserem nächsten Ziel. Dann orientieren wir uns kurz und 20 Minuten später stehen wir in einer kleinen, ruhigen Straße vor unserem nächsten Zuhause, direkt neben dem Palast des Erzbischofs. Weil wir erst um 13:00 h in die Wohnung dürfen, gehen wir in den ca. 50 m entfernten Park und machen uns auf die Suche nach einer Bank ohne Taubenkacke. Zum Glück entdecken wir einen kleinen Pavillon der gerade öffnet und bald sitzen wir mit einem Kaffee unter einem Sonnenschirme und lesen. Dann ist es auch schon soweit, wir dürfen einziehen, unsere Wohnung ist entzückend, mit einem kleinen Balkon, gläsernen Flügeltüren und alten Fliesen im Bad, wir packen kurz aus und ziehen los. Nicht weit von uns gibt es ein winziges Café, das „Tartelicious“ mit selbstgebackenen Törtchen und einem kleinen Hof. Der junge Mann hinter der Theke ist sehr hilfsbereit und rennt uns sogar hinterher, um uns zu erklären wo der Plattenladen, nach dem Boris gefragt hatte liegt. Den gibt es zwar leider hier nicht mehr, aber das Gebäude in dem er einmal war ist toll. Überhaupt gibt es auch in Bukarest sehr viele schöne Gebäude und der Verfall kommt uns nicht so schlimm vor wie in Budapest. Wir gehen weiter, kaufen in zwei Läden Lebensmittel ein und dann machen wir uns auf den Heimweg. Zur Feier des Tages wollen wir im „Stay by coffee 2 go“ einen Cocktail trinken, aber der Kellner nuschelt nur, ohne von seinem Handy aufzuschauen, „we don’t have“. Also gehen wir heim, essen leckere Kartoffeln, schauen noch ein bisschen fern und gehen dann zu Bett. Da freuen sich die Moskitos und fallen über uns her, wir gehen auf die Jagd und bald herrscht zum Glück Ruhe.

09. Oktober 2024, Budapest & unterwegs

Um halb acht klingelt der Wecker und Punkt 10:00 h verlassen wir unsere kleine Wohnung. Wir kommen ein letztes mal am Café New York vorbei, vor dem wie immer eine lange Menschenschlange steht. Wir machen noch einen kurzen Abstecher zum 1926 eröffneten Corvin-Warenhaus, sind aber etwas enttäuscht, denn aus dem größten Kaufhaus Budapests ist eine kleine Ansammlung von Shops geworden. Mit Gepäck ist das Schlendern nicht ganz so entspannt und irgendwann setzen wir uns auf einen Platz bei einem Café und schauen dem Treiben zu. Laut Wetter App gab es für heute eine 77%-ige Chance auf Regen, aber zum Glück hatte die App nicht recht, es scheint die Sonne. Im Internet suchen wir uns ein Café in der Nähe des Bahnhofs und schlemmen noch einmal, bevor es weitergeht. Die Abfahrt unseres Zuges Nr. 79 ist für 15:10 h geplant. In einem Blog hatte ich gelesen, dass der Zug von einem der Randgleise nach hinten versetzt los fährt und 30 Minuten vor der Abfahrt bereit steht, deshalb wollen wir gegen 14:45 h am Bahnhof sein. Leider verzögert sich alles etwas, wir kommen an, schauen auf der Tafel, 15:10 h Zug nach Süslyp, ist das der Grenzbahnhof? Da sieht Boris den Zug nach Bukarest, Abfahrt von Gleis 1, 15:00 h, also in drei Minuten. Wir rasen los, sieben Gleise weit und nach hinten versetzt fragen wir einen Schaffner, ob wir beim richtigen Zug sind. Hurra, sind wir, aber er will uns nicht einsteigen lassen, wir sollen ganz nach vorne, wir hätten noch eine Minute Zeit. Zum Glück ist der nächste Schaffner netter und hilft uns in das Abteil. Uff, geschafft denn dann fährt der Zug auch schon los. Wir richten uns in unserem Vierer-Liegewagen ein und werden für den Schrecken mit einem wunderschönen Sonnenuntergang entschädigt.

08. Oktober 2024, Budapest

Gegen 11:00 h ziehen wir gemeinsam los mit der Innenstadt als Ziel. Das Wetter ist wunderbar, wir schlendern durch die Straßen, schauen noch in einen Second Hand Laden hinein und dann trennen sich unsere Wege. Während Boris ein paar Plattenläden besuchen möchte, zieht es mich zum „Paloma“, einem Zusammenschluss von kleinen Läden, Studios und Ateliers lokaler Kunsthandwerker. Die Lage ist gut und das Gebäude hat etwas palastähnliches mit einem schönen Innenhof. Das „Paloma“ besteht aus den unteren beiden Stockwerken, der Rest sind Wohnungen. Eigentlich ein tolles Konzept, aber leider steht einiges leer und es gibt zwar ein Café, aber man kommt nur von der Straße aus hinein. Als nächstes gehe ich zur großen Markthalle, denn ich möchte einmal ungarisch essen bevor wir morgen weiter fahren. Weil die Portionen riesig sind, stelle ich mir einen Teller aus Rotkraut und Dumplings (die so ähnlich wie Spätzle sind) zusammen. Der Mann hinter der Theke ist sehr nett und spricht ein bisschen deutsch mit mir. Inzwischen ist es halb vier, höchste Zeit für Kaffee. Auf dem Herweg haben wir ein kleines Café mit Buchladen gesehen und da gehe ich hin und setze mich mit Kaffee und Kuchen in den Garten. Auf dem Heimweg kaufe ich noch einen Salat und Vespersachen für morgen und daheim heißt es dann auch schon packen.

07. Oktober 2024, Budapest

Ob es der Kaffee war oder das viele Essen, ich habe letzte Nacht nur drei ein viertel Stunden geschlafen, das kann ja heiter werden, denn heute wollen wir das schöne Wetter nutzen und sightseeing gehen. Unser erster Stopp ist die Burg Vajdahunyad, eine historisierte Burg im Stadtpark die 1896 anlässlich der Milleniumfeierlichkeiten errichtet wurde. Man kann sich gut vorstellen, wie hier ehemals gelustwandelt und gelebt wurde, aber die Burg wurde nie bewohnt, sollte eigentlich nach den Festivitäten abgerissen werden und wurde letztendlich in ein landwirtschaftliches Museum umgewandelt. Es geht weiter zum Nyugati Bahnhof, leider sind die Wartehallen geschlossen, dafür gibt es zahlreiche Läden und wir bummeln ein bisschen herum. Um nach Buda zu kommen überqueren wir die Margitbrücke. Eigentlich wollten wir auf der Margaretinsel einen Zwischenstopp einlegen, aber ein Polizeiabsperrband vereitelt diesen Plan. Direkt nach der Brücke finden wir ein kleines Café und beobachten vom ersten Stock das Treiben auf der Straße. Wir schlendern weiter durch Buda, freuen uns an den Buchwagen die wir immer mal wieder sehen und landen letztendlich an der Standseilbahn, prima mit der wollten wir sowieso fahren. Als wir allerdings sehen, dass die 90 Sekunden lange Fahrt (es gibt nur Roundtrip-Tickets) €12 kostet, beschließen wir zu Fuß auf den Berg zu gehen. Das Schloss wird gerade komplett renoviert und viele Teile darf man nicht betreten, aber trotzdem ist die Anlage sehr beeindruckend. Und nun wollen wir noch die Fischer Bastei und die Matthiaskirche anschauen. Hier sind zwar auch viele Touristengruppen, aber so überlaufen wie die Schlossanlagen ist es nicht, die Kirche ist wirklich sehr schön und die Bastei sieht aus wie ein Zuckerschloss. Es ist 18:00 h und weil wir heute kochen wollen, machen wir uns auf den Heimweg. Viertel vor 19 Uhr sind wir da und heute werde ich bestimmt gut schlafen.

06. Oktober 2024, Budapest

Wir frühstücken gemütlich und trödeln noch ein bisschen herum und plötzlich ist es 12:30 h und der Farmers Market, auf den ich gerne gehen würde endet um 14:00 h. Er findet sonntags im „Szimpla Kert“, einem der Ruin Bars im jüdischen Viertel statt. Diese Bars entstanden als private Initiative um Ruinen nicht komplett dem Verfall zu überlassen und gleichzeitig das Budapester Nightlife zu beleben. Wir sausen los und stellen fest, dass der Markt nur einen Teil des gesamten Gebäudes ausmacht während der Rest von Bars, Restaurants und Shops belegt ist. Alles ist sehr kreativ, liebevoll und bunt gestaltet. Wir schauen noch bei einem Plattenladen vorbei dessen Öffnungszeiten etwas unklar sind (leider macht er erst Mittwoch Nachmittag auf) und machen uns dann auf den Weg zu einem Café. Ich führe uns zwar völlig in die Irre, aber dadurch landen wir in einer Straße an der sich eine Jugendstilvilla an die nächste reiht. Wir kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Ein kurzer Abstieg zu einer der alten Metro-Stationen, denn immerhin ist die Metro von Budapest nach der London Underground, die zweitälteste U-Bahn der Welt die noch in Betrieb ist. Gegen 16:00 h finden wir dann auch ein Café mit leckerem Kaffee und American Cheesecake und einem Besitzer der sowohl Englisch als auch Deutsch spricht. Er empfiehlt uns ein italienisches Restaurant am anderen Ende der Straße und dorthin machen wir auf den Weg, um mal in die Karte zu schauen. Schnell merken wir, dass wir uns auf der Straße von Louis Vitton, Max Mara und all den anderen teuren Modegeschäften befinden. Einige Geschäfte haben geöffnet und es ist ganz schön viel los. Und plötzlich stehen wir wieder da und staunen, dieses Mal vor den Parisi Passagen. Ursprünglich im Neo-Renaissance Stil erbaut und 1885 als Casino und Veranstaltungslocation eröffnet, wurde es 1908 von Samuel Goldberger erworben, der es zu einem Jugendstilgebäude umbauen ließ und 1911 als Kaufhaus eröffnete. Einige Teile des Gebäudes sind renoviert worden und können besichtigt werden, aber leider nicht sonntags. Wir kommen zu dem italienischen Restaurant und beschließen gleich heute dort zu essen, aber weil es noch zu früh ist, gehen wir zur Donau um uns die Kettenbrücke anzuschauen. Auf dem Fluss fahren Schiffe und die Ufer sind auf beiden Seiten von vielen schönen Gebäuden gesäumt die vom Sonnenuntergang beleuchtet werden, was für eine tolle Stadt. Wir gehen wieder zurück und genau auf ein weiteres großes Jugendstilgebäude zu, das sich beim Näherkommen als das „Four Seasons“ Hotel entpuppt. Jetzt haben wir langsam Hunger und gehen wieder zum Restaurant. Wir bestellen und warten, und warten und fragen letztendlich wann denn ungefähr unser Essen kommen wird. Da haben sie uns vergessen! Chef und Kellner entschuldigen sich mehrmals und wir sind zwar inzwischen recht hungrig, aber sowas kann schon mal passieren. Und als wir zur Entschädigung noch jeder einen Nachtisch geschenkt bekommen, sind wir sowieso versöhnt. Vollgefuttert machen wir uns auf den Heimweg. Was für ein Glück, dass es wieder ungefähr eine halbe Stunde Fußmarsch ist und wir uns das Abendessen so etwas ablaufen können.