22. August, Manhattan

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In der Upper East Side gibt es ein paar Thriftshops die wir noch nicht kennen und die Q, meine Lieblingsbahn (weil sie auf der Außenspur über die Manhattan Bridge fährt) bringt uns direkt dort hin. Während Boris die Schallplatten durchschaut, wühle ich mich durch T-Shirt, Schals, etc. Wir finden beide nichts, aber es macht trotzdem Spaß. In einem Café trinken wir schlechten Kaffee zu einem super-leckeren Mango-Ananas Croissant und dann fahren wir mit dem Bus nach Chinatown. Selbst nach bald vier Monaten in New York City ist es für mich immer noch ein Erlebnis aus dem Fenster eines fahrenden Busses zu schauen. Ich kaufe für Dustin eine Kappe bei der „Chinatown Icecream Factory“ und in einer Bäckerei noch eine Sesamkugel und dann geht’s nach Hause.

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21. August, Brooklyn

Auf dem Campus des Brooklyn College findet heute um 10:30 h eine Informationsveranstaltung zu „Brooklyn Lifelong Learning“ statt. Das ist ein Angebot für Senior Residents mit ehrenamtlichen Dozenten und es klingt sehr interessant. Es ist eine lustige Truppe und ich werde gleich herzlich aufgenommen. Das Angebot ist sehr vielfältig, es gibt verschiedene Literaturkurse, einiges zu Geschichte, und auch sonst Spannendes. Man bezahlt für ein Jahr und kann soviele Kurse belegen wie man möchte. Da die meisten Kurse über Zoom angeboten werden, könnte ich sogar von unterwegs und auch wenn ich wieder in Stuttgart bin teilnehmen. Da melde ich mich auf jeden Fall an. Es ist ein schönes Gefühl wieder über einen Campus zu gehen und ein bisschen dazu zu gehören. Aber dann muss ich heim und endlich meine Fotos aufräumen. Um 18 Uhr kommt Boris und nachdem wir uns alles über unseren Tag erzählt haben, machen wir uns auf den Weg zum „Brooklyn Black Forest“ um den Rest meines Gutscheins von Thieme zu verbraten.

20. August, Brooklyn

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Ende des 19. Jahrhunderts wohnten in Brooklyn viele deutsche und österreichische Auswanderer und deshalb gab es hier auch viele Brauereien. Mehr als 10% des Biers, das für die gesamten USA gebraut wurde, kam damals aus Brooklyn. Die „Brooklyn Brewery“ wurde 1884 gegründet, sie bietet sonntags kleine Führungen an und da sie mitten in Williamsburg liegt, lässt sich das wunderbar mit einem Bummel verbinden. Vor Ort werden inzwischen im Labor nur noch neue Biersorten gebraut und getestet, die eigentliche Produktion findet in Utica, NY statt. Nach der Führung schlendern wir durch die Straßen, schauen in Second Hand Läden rein und trinken zum Schluss in einem japanischen Café noch einen Kaffee bevor wir uns auf den Heimweg machen.

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19. August, Brooklyn

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Mit Lebensmittel einkaufen, wenn man zu bestimmten Läden will, kann man locker einen Tag verbringen. Wir fahren erst zu Sheepshead Bay und ich zeige Boris Manhattan Beach, den ich viel lieber mag als Coney Island Beach und auch lieber als Brighton Beach, es ist ein Familienstrand mit wenig Merchandise. Danach wollen wir zum südlichen Aldi, denn der soll gepflegter sein als der in Nord-Brooklyn. Wir warten 20 Minuten auf den Bus und beschließen dann zu Fuß hinzugehen. Als nächstes steht der Co-Op auf der Liste und anschließend geht es schwer bepackt zu „Der Pioneer“ um ein Brot zu kaufen (es schmeckt einfach am besten) und einen Kaffee zu trinken. Und dann fahren wir heim um uns zu erholen denn abends müssen wir fit sein für John Cale. Das Konzert ist in der selben Location wie das von Ricky Lee Jones, aber das Wetter ist besser und es sind viel mehr Zuschauer da. Der 81-jährige Mr Cale legt ein tolles Konzert hin, sehr abwechslungsreich und musikalisch interessant und nach knapp zwei Stunden fahren wir höchst zufrieden nach Hause.

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17. August, Queens

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In Astoria, einem Stadtteil von Queens gibt es einen Skulpturenpark und den wollen wir uns heute anschauen. Obwohl Queens direkt nördlich von Brooklyn liegt, muss man mit der Metro über Manhattan fahren. Alternativ könnte man verschiedene Busse nehmen und so etwas von der Stadt sehen, aber dafür müsste man mehrere Stunden einplanen. Wir nehmen deshalb die Metro und gehen ein paar Meter zum Park, der allerdings noch im Wachsen ist. Es gibt eine Pflanzenuhr, die die Manhattan Skyline darstellt, ein Pflanzengazebo und drei Bronzeskulpturen. Wir spazieren am East River entlang am Leuchtturm von Roosevelt Island vorbei und nehmen dann den Bus nach Jackson Heights weil uns das Café „Espresso 77“ so gut gefällt (dort gibt es warm gemachtes Nutella-Bananen-Brot). Boris fährt danach zurück nach Astoria um einen Plattenladen anzuschauen und ich fahre nach Brighton Beach, weil es dort eine tolle Auswahl an Trockenfrüchten und Nüssen für unser Müsli gibt.

sdr
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16. August, Brooklyn

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Nach einem gemütlichen Frühstück verbringe ich den Rest des Vormittags damit meinen Kalender aufzuräumen. Morgen soll es regnen und unseren Plan, eine GoCity Bustour zu machen, haben wir daher verschoben. Ich recherchiere noch ein bisschen und gehe dann rüber zur Bib. Meine Flatbush Buchkinder sind zwar immer mit Begeisterung dabei, aber die Idee, über mehrere Wochen an einem Buch zu arbeiten, konnte ich irgendwie nicht vermitteln. Deshalb will ich heute vorschlagen, dass jeder eine kleine Geschichte erzählt und alle diese Geschichte aufschreiben, malen oder beides tun. Olivia, die Kinderbibliothekarin, findet den Plan auch gut. Aber die Kinder haben ihre eigenen, zum Teil total tollen Ideen und so entstehen wieder ganz unterschiedliche Bücher. Gilberto zeichnet ein wunderbares grafisches Cover und schreibt eine Geschichte dazu. T.J. springt wie immer aufgeregt herum, hat aber genau aufgepasst — er ist so intelligent und aufgeweckt. Zwei Schwestern aus Pennsylvania sind zu Besuch und die Ältere schreibt und illustriert eine Geschichte über einen traurigen Kraken. Zadie ist selber traurig und gibt ihrem Buch den Titel „Nothing to do today“, aber dann findet sie doch etwas zu tun und ist wieder vergnügt. Und die anderen malen und haben ihren Spaß.

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15. August, Staten Island

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Eigentlich wollten wir mit dem Bus über die Verrazano-Narrows Bridge nach Staten Island fahren, aber das sieht nach vielem Umsteigen aus, deshalb fahren wir mit der Fähre rüber. Wir treiben uns ein Stündchen im Einkaufszentrum herum und machen uns dann auf die Suche nach einem Café. Leider finden wir nur dunkle Bars die auch Kaffee anbieten — das lassen wir lieber. Wir nehmen stattdessen den Bus und fahren eine halbe Stunde zu einem Plattenladen und während Boris die Platten durchschaut, schaue ich ob es hier in der Nähe ein Café gibt. Leider wieder ohne Erfolg, aber es gibt einen kleinen Laden in dem wir superleckere Schoko-Erdnuss-Cups und ein Stückchen Fudge kaufen. Und dann fahren wir zurück nach Manhattan und schlendern noch etwas durch den Battery Park bevor wir heim fahren.

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14. August, Brooklyn

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Industry City ist ein Komplex aus acht Gebäuden mit ehemaligen Lager- und Fabrikräumen, der heute Restaurants und Läden sowie kleine Produktionsstätten beherbergt. Man kann bei der Herstellung von Strickwaren oder der Verzierung von Schokoladefiguren zuschauen, an Keramik- oder Nähkursen teilnehmen oder einfach nur bummeln. Ich habe mir für heute das Japanhaus vorgenommen und bin gleich von der Vielfalt der Mochis im Supermarkt überwältigt. Im ersten Stock gehe ich in den japanischen Dollar-Store und kaufe ein bisschen Krimskrams und dann in einen Mangaladen in dem ich drei Hüllen mit Motiv erstehe. Vom vielen Anschauen und Durchwühlen bin ich hungrig geworden und im Erdgeschoss habe ich einen der Sahadi’s Läden gesehen. Hier gibt es wunderbare Leckereien aus dem mittleren Osten und einen kleinen Bereich in dem man essen kann. Gesättigt und schwerbepackt mache ich mich auf den Heimweg.

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13. August, Queens

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Im Espresso 77, in Jackson Heights hat es uns so gut gefallen, dass wir da nochmal hinfahren. Aber erst machen wir einen kleinen Zwischenstop, um in einen Vintage Laden rein zu schauen. Wir fahren weiter Richtung Kaffee und stoßen auf der 37th Avenue auf einen großen Rummage Sale, der sich fast um einen ganzen Häuserblock zieht. Es gibt viel Kleidung, Schmuck und Spielsachen. Ein Stückchen weiter hatte Boris beim letzten Mal in einem Geschäft coole T-Shirts gesehen und die schauen wir durch und er findet tatsächlich zwei die passen. Nach dem Kaffee bummeln wir zurück zur Metro Station und halten dabei Ausschau nach dem Straßenhändler vom letzten Mal, der einen leckeren Salat im Angebot hat den ich probieren möchte. Leider ohne Erfolg, es ist wohl schon zu spät. Wir fahren weiter nach Forest Hills und während ich mich dort auf eine Bank setze, geht Boris die Gegend erforschen (das hatte ich ja bei meinem letzten Besuch hier bereits gemacht). Weil wir von einem indischen Diner in Jackson Heights gehört haben der gut sein soll, fahren wir wieder zurück. Das Restaurant ist leider nach gegenüber gezogen und jetzt sehr modern, aber es ist schön mal wieder indisch zu essen. Wohlgesättigt fahren wir nach Hause.

RECAP JULI

Als ich am 23. Juli von Harlem heim gefahren bin, dachte ich, dass so eine Fahrt ganz gut beschreibt wie und warum diese riesige Stadt funktioniert. Deshalb gibt es heute keine Modeprognosen, sondern eine kleine Reise.

Ich steige an der E 160th Street in den fast leeren Bus M102. Wir fahren auf dem Malcom X Boulevard entlang vorbei an wunderschönen Beaux Art Appartmentgebäuden, die damals für die obere Mittelschicht gebaut wurden um ihnen den Umzug aus dem südlichen Manhattan zu ermöglichen. Ein älteres Paar steigt ein, er mit einem übergroßen Rollator, und sie hilft ihm beim Hinsitzen im vorderen Teil des Busses, der für Ältere und Menschen mit Behinderungen gedacht ist. Es kommt ein Fahrgast im Rollstuhl dazu und der Herr mit dem Rollator muss sich umsetzen, damit die Sitzbank hochgeklappt werden kann. Der Busfahrer klappt eine Rampe aus und der Rollstuhlfahrer fährt in den Bus und sagt dem Fahrer wo er aussteigen will. Zwei schwer bepackte Frauen in Kleidern mit afrikanischen Mustern steigen ein und die Begleiterin des Herrn mit dem Rollator geht in den mittleren Teil des Busses um Platz zu machen. Ein Junge im Schalke Trikot kommt dazu. Neben ihn setzt sich ein älterer Herr im Kaftan. Er lächelt vor sich hin und beginnt leise zu singen. Inzwischen fahren wir auf der 5th Avenue am Park entlang und der Bus wird voller. Es ist 18 Uhr und während man sieht wie sich rechts manche Parkbesucher schon auf den Heimweg machen, werden links die blaublütigen, vierbeinigen Bewohner der hochklassigen Appartements Gassi geführt. Auf der E 86th Street steige ich um in den Bus M86 und fahre zur 2nd Avenue um dort in die Metro Q umzusteigen. Eine Frau mit einem Baby auf dem Rücken läuft durch die Waggons und verkauft Süßigkeiten aus einem Bauchladen. Kurz nach der Canal Street verlässt die Q den Untergrund und nachdem sie ein kleines Stück über den Wirrwarr der Straßen von Chinatown gefahren ist, begibt sie sich auf die Manhattan Bridge. Von unten blinkt das Wasser des East Rivers, weit hinten hält eine winzige Freiheitsstatue standhaft ihre Fackel in die Luft und gegenüber schwinkt sich graziös die Brooklyn Bridge von Borough zu Borough. Mein Herz wird weit und ich lächle und winke ihr schnell zu, bevor wir wieder in den Untergrund verschwinden. Eine Mutter und ihre kleine Tochter setzen sich zu mir, das Mädchen, in Schlafanzug und Bademantel gekleidet, ist wohl schon auf dem Weg ins Bett. Zwei junge Männer steigen ein und drücken den Lautsprecher ihres Handys hoch um laut Musik zu hören. Viele Fahrgäste schlafen, manche offensichtlich, manche eher diskret. Die Q fährt für ein kurzes Stück ins Freie, beidseitig flankiert von Gebüsch, und da ist auch schon die Church Avenue, meine Endstation.