2. August, Brooklyn

Ein bisschen aufgeregt bin ich schon, denn heute ist mein erster Tag mit den „Flatbush Buchkindern“. Um 14:30 h soll es losgehen, kurz nach zwei Uhr bin ich da und Olivia, die Kinderbibliothekarin, bringt mich in die Kinderbibliothek. Mitten im Raum stehen vier große Tische und an dreien davon sitzen jeweils ungefähr zehn Kinder die in der Sommerschule sind und hier Hausaufgaben machen. Der vierte Tisch ist für uns reserviert und es kommen auch gleich fünf Kinder und setzen sich zu uns. Drei bis vier Kinder hatten wir vereinbart können teilnehmen und wenn Olivia mit betreut noch ein bis zwei Kinder mehr. Die Altersgruppe sollte sieben bis acht Jahre sein. Es kommen immer mehr Kinder dazu, schnell wird ein zweiter Tisch aufgebaut und am Ende sind es zwanzig Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren die, bis auf die ersten fünf, die Begrüßung verpasst haben und deshalb auch gar nicht wissen was wir hier machen. Sie sind alle total lieb und mit Feuereifer dabei, aber mir wird schnell klar, dass dies ein anderes Projekt geworden ist als geplant. Ich nehme Olivia etwas zur Seite um ihr zu sagen, dass dies alles zwar riesig Spaß macht, aber nicht unbedingt dazu führt, dass die Kinder mit einem eigenen Buch nach Hause gehen. Und dass es mir wichtig ist, dass am Ende niemand enttäuscht ist. Nach anderthalb Stunden fange ich an die Farben, Pinsel und Buchstaben wegzuräumen und Olivia wischt die Tische ab. Dabei sagt sie mir, dass wir nächsten Mittwoch einen eigenen Raum haben werden. Sie hatte wohl nicht mit so vielen Kindern gerechnet. Es war ein sehr aufregender aber trotzdem wunderschöner Nachmittag. Ich kaufe noch ein bisschen ein und koche Borscht und weil Boris auf einem Konzert ist, esse ich mit Eileen zusammen zu Abend.

1. August, Queens

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In Jackson Heights in Queens soll es mehr verschiedene Nationalitäten geben als sonst irgendwo auf der Welt. Hispanisch-mexikanisch, indisch, chinesisch — alles ist bunt gemischt, es ist sehr quirlig und unglaublich lebendig. Auf der 37th Avenue werden in den brasilianischen und kolumbianischen Boutiquen Jeans und Unterwäsche mit fake Bundas, gepolsterten Hinterteilen, verkauft. Geht man zwei Straßen weiter an wunderschönen Wohngebäuden mit privaten Innengärten vorbei, ist alles ruhig und die Straße ist für den Verkehr gesperrt und gehört den Fußgängern. An einer Ecke sind die Buchstaben auf einem Straßenschild mit kleinen Zahlen versehen, denn hier wohnte in den 40er Jahren Alfred Butts, der Erfinder von „Criss Cross Words“ das später als „Scrabble“ bekannt wurde.

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31. Juli, Manhattan

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Wir haben den Wecker auf 8 Uhr gestellt, damit wir vor 9 Uhr im Bürgerbüro in den Central Library sind um unsere NYID zu beantragen. Damit wären wir offiziell NYC Residents und hätten in manche Museen freien Eintritt. Leider ist die Vorgesetzte krank und nur Anträge mit Termin werden bearbeitet und Termine gibt es erst wieder im Herbst. Boris geht enttäuscht nach Hause und ich nutze die Gelegenheit New York Style zu frühstücken und gehe in Prospect Heights in „Ye Olde Bagel Bakery“ und bestelle einen Bagel mit Frischkäse und einen Kaffee. Das ist eine hübsche Ecke mit vielen Cafés, aber Bagel werden glaube ich nie so richtig meins werden. Für die Heimfahrt habe ich mir eine neue Busstrecke ausgesucht und entdecke so Park Slope, ein trendiges Viertel wie ich später von unserer Vermieterin erfahre. Wir beschließen nach Manhattan rein zu fahren und während Boris einen Plattenladen durchforstet mache ich via der wunderbaren Times Square Station einen Abstecher in den Fashion District. Wieder zusammen gehen wir hinüber zur Highline, dem 2009 eröffneten Park auf einem Abschnitt der erhöhten ehemaligen West Side Line. Diese, Zuggesellschaft versorgte schon im 19. Jahrhundert NYC mit Kohle, Milchprodukten und Fleisch, wurde aber im Laufe des 20. Jahrhunderts streckenweise stillgelegt, da Lastwagen den Transport übernommen hatten. Der Park ist eine wunderbare Oase und wird regelmäßig für Ausstellungen und Events genutzt.

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30. Juli, Brooklyn

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Ein Besuch auf dem Flohmark ist einfach eine schöne Art den Sonntag zu verbringen und der Markt in DUMBO ist überschaubar und im Viertel gibt es nette Läden und Witziges wie die Hinweistafel wo Hunde hinpinkeln dürfen. Nachdem wir ein Weilchen herumgebummelt sind gehen wie in den Brooklyn Bridge Park mit den wunderbaren Ausblicken auf Wasser, Brücken und die Skyline. Am Fährenanleger steht ein ellenlangen Feuerwehrauto. Ein Feuerwehrmann zieht eine Leiter heraus, geht damit zum Anleger, dreht um und bringt die Leiter zurück — war wohl falscher Alarm. Und überall sieht man Menschen in hot-pink-farbenen Outfits auf dem Weg zum oder vom Kino, denn „Barbie“ ist neben „Oppenheimer“ der Film der Stunde und wird gerne im Doppelpack als „Barbieheimer“ vermarktet.

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29. Juli, Brooklyn

Wir haben beide schlecht geschlafen, stehen deshalb spät auf und trödeln nach dem Wäsche waschen noch ein bisschen herum bis es Zeit wird zu gehen. Heute tritt im Prospect Park Rickie Lee Jones auf, da wollen wir auf jeden Fall hin. Als Vorband tritt zuerst ein Singer/Songwriter auf. Er hat gute Lyrics, aber der Sound ist etwas schräg. Danach tritt eine Bluesband auf, die leider etwas langweilig und außerdem extrem laut ist. Mittendrin fängt es an zu regnen, und wir rennen erst unter einen Baum und dann zum Foodstand. Nass und wegen des schlechten Sounds überlegen wir, ob wir nicht heim fahren sollen. Zum Glück entscheiden wir zu bleiben, denn der Regen hört auf und der Hauptakt ist so viel besser als die Vorbands. Der Sound ist toll, die Band ist super und Rickie Lee Jones ist einfach klasse. Was für ein wunderbares Konzert.

28. Juli, Manhattan

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Trader Joe’s ist eine Supermarktkette die wir in einem früheren Urlaub kennen und schätzen gelernt haben. Es gibt viel Bio-Ware und die Preise sind reel. Während wir in der Schlange warten, bestaunen wir das Interieur, denn der Laden ist in einer ehemaligen Filiale der South Brooklyn Savings Institution untergebracht. Einen halben Block weiter machen wir einen kurzen Stopp in einem Barnes & Noble und gehen dann über die Straße zu Sahadi’s, einem libanesischen Feinkostgeschäft. Nach einem Kaffee zieht Boris alleine weiter während ich unsere Einkäufe heim bringe. Auf dem Weg sehe ich eine Frau die ihre Einkäufe auf dem Kopf trägt wie man das aus Bildern aus Afrika kennt. Zu Hause stelle ich mir ein kleines Picknick zusammen und fahre dann in den Hudson River Park um mir ein Konzert anzuhören. Die Sängerin hat eine nette Stimme, die Musik ist Popjazz und der Background ist — naja, halt Manhattan, wow.

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27. Juli, Manhattan

Eigentlich stimmt das nicht mit Manhattan, denn wir verbringen den Großteil des Tages daheim in Brooklyn. Draußen sind es 30°, gefühlte 33° mit 50% Luftfeuchtigkeit. Wir machen einen kurzen Trip in den Supermärkten und vergessen nicht unsere Jacken und Schals mitzubringen, denn vor allem im Milchproduktegang ist es eiskalt. Im März habe ich zum Abschied von Thieme von meinen Kolleginnen und Kollegen eine Überraschungsbox mit einer Flasche lokalem Champagner, einem Gutschein für einen Biergarten in Brooklyn und einem GoCity Pass für sechs Attraktionen in NYC bekommen. Boris hat sich inzwischen denselben GoCity Pass gekauft und wir nutzen die Zeit daheim um zu planen und zu buchen. Und dann geht es wirklich nach Manhattan, denn wir sind mit Tunisia und ihrer Mutter Janice zum Abendessen verabredet. Das Essen ist lecker und es ist schön die beiden mal wieder zu sehen.

26. Juli, Manhattan

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Auch im East Village gibt es Plattenläden und außerdem ist es natürlich immer einen Besuch wert. Wir schlendern durch die Straßen, spickeln in kleine Läden rein und machen im Tompkins Square Park eine kurze Pause. Die Agentur „Housing Works“ hilft HIV Infizierten, die auf der Straße leben ein Zuhause zu finden. Unter anderem betreibt sie auch einen Buchladen mit Café und dort gehen wir hin um einen Kaffee zu trinken. Und als Überraschung gibt es eine kleine Second Hand Abteilung mit einer coolen roten Jogginghose. Leider habe ich noch zu wenig Pommes und Eiscream gegessen und muss sie zurück lassen. Boris zieht weiter zu diversen Plattenläden und ich mache mich auf die Suche nach einem Stoffladen. Anschliesend fahre ich nach Chinatown um ein paar der Souvenierläden zu durchstöbern und dann im vollbepakten Q Train nach Hause.

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25. Juli, Brooklyn

Es ist heiß und schwül, die Füße wollen einen Tag ohne Schuhe — heute chillen wir. Boris zieht irgendwann los zu neuen Plattenläden und kommt, kurz bevor es zu regnen beginnt, mit einem leckeren, knallgrünen Pistazienmuffin zurück. Als Abendessen passt zu diesem Wetter Maccaroni & Cheese.

24. Juli, Brooklyn

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In Bushwick und dem angrenzenden Williamsburg gibt es noch etliche Platten- und Second Hand Läden und wir ziehen gemeinsam los. Im ersten Laden gibt es wunderschöne Sachen die zum Glück alle sehr teuer sind, so komme ich gar nicht erst in Versuchung. Wir entdecken ein super nettes Café in dem der geeiste Kaffee in Gläsern (sonst sind es meist Plastikbecher) serviert wird und planen unsere diversen Routen. Ich verbringe einen netten Nachmittag mit rumstöbern und unterhalte mich etwas länger mit Dave im „Lion’s Den“, einem wunderbar kruschteligen Krimskramsladen. Er ist ein Riesenkerl mit wilden Rastas, war mal Flaschner, hat dann den Laden aufgemacht, restauriert Möbel und betreibt nebenher noch einen Straßengrill. Im Oktober wird er am Fuß operiert und fällt dann für ein Jahr aus. Für diesen Zeitraum will er den Laden subleasen und den Grill im Sitzen betreiben, eine typisch amerikanische Lebensgeschichte.

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