30. Juni, Brooklyn

burst

So ein Buffet besteht ja meist aus eher schlechtem Essen, aber irgendwie gehört es für mich zu den USA und deshalb gehe ich heute ins K One. Es ist wie erwartet und eine Stunde später rolle ich raus zum Bus um zu Mill Basin zu fahren. Die Bibliothek dort ist sehr nett, ich brauche neuen Stoff, und in der Nähe gibt es einen kleine Hafen, perfekt zum Hinsitzen und Gucken. Ich hatte am Morgen mit Anja telefoniert und sie hatte mir erzählt, dass ihr Tag eine Mischung aus verpassten Bussen und Bahnen und roten Ampeln gewesen sei. Ich bin also gewarnt und sitze dann auch prompt zu Beginn im falschen Bus. In der Bibliothek fällt mir erst als ich schon wieder draußen bin ein, dass es nicht schlau ist sechs Bücher auszuleihen, wenn man am nächsten Tag umzieht. Zwei hätten sicher gereicht. Ich fahre weiter zu einem riesigen Bastelladen um Schnur für das Buchkinderprojekt zu kaufen und mache mich dann, mit einem alkoholischen Kaltgetränk bewehrt, auf zum Park um rechtzeitig für den Film da zu sein. Weil ich eine Stunde zu früh da bin, ist noch nichts aufgebaut. Kurz vor Beginn allerdings immer noch nicht und es ist ein überschaubarer Park. Ein junger Mann mit Familie fragt mich ob ich wüsste wo der Film gezeigt wird und wir sind alle sehr enttäuscht, weil da wohl was schief gelaufen ist. Ich lese noch ein bisschen und mache mich dann auf den Heimweg. Aus einer Seitenstraße sehe ich viele Lichter blinken, gehe hin und sehe, dass die Queen Mary 2 im Hafen liegt. Alles um sie herum sieht winzig aus. Der Rest des Heimwegs ist eine Odyssee, denn die Bushaltestelle ist irgendwo zwischen Baustellen und Fahrradwegen versteckt und ich irre ziemlich rum bis ich endlich im Bus sitze. Was für ein Tag.

dav
sdr

29. Juni, Manhattan

sdr

Verena ist eine ehemalige Thieme Kollegin und ich freue mich sehr, dass wir uns heute zum Lunch in der Takahachi Bakery in Tribeca treffen. Das Essen ist lecker nur die Zeit ist etwas knapp und wir beschließen uns auf jeden Fall wieder zu sehen. Ich bin nicht weit von Ground Zero und beschließe mir das mal anzuschauen. Ein bisschen komme ich mir vor wie jemand der an einer Unfallstelle langsam vorbei fährt. Es ist ganz vieles auf einmal, ein Rummelplatz, eine Touristenattraktion, ein großer Metrobahnhof, aber es ist finde ich trotz allem auch berührend. Direkt neben dem Oculus von Santiago Calatrava, der die Flügel eines Vogels der aus den Händen eines Kindes in die Freiheit fliegt darstellen soll, ist eine Skulptur eines Tandems das von zehn Tieren gefahren wird. Ein freier Sattel in der Mitte wird gerne besetzt und für Fotos genutzt. Tragik und Komik Seite an Seite. Der wunderschön bepflanzte Hudson River Park ist nicht weit und führt direkt zum Battery Park an der Südspitze Manhattans. Ich schaue mir noch das futuristisch anmutenden SeaGlas Karussell an und leg mich dann in den Park um zu lesen und ein bisschen zu schlafen. Ein kleiner brauner Hund legt sich kurz zu mir und lässt sich kraulen. Gegen 18 Uhr überlege ich, ob ich noch nach Queens fahren soll um einen Film im Park anzuschauen. Aber es ist so schön hier, also bleibe ich noch bis kurz vor Sonnenuntergang und dann fahre ich heim.

sdr
dig

28. Juni, Queens

dig

Forest Hills, die Nachbarschaft deren südlicher Teil aussieht wie aus einem Wes Anderson Film, steht ja schon eine ganze Weile auf meiner To-see Liste. Los geht es im nördlichen Teil in einem kleinen Mom-and-Pop Laden in dem der Kaffee vor Ort geröstet wird. Als ich raus schaue kommt gerade ein Platzregen runter, aber zum Glück hört er bald auf. Ich befinde mich hier in einem Stadtteil der von einer zehnspurigen Straße geteilt wird. Dieser Teil wurde von Cord Meyers erschlossen und ursprünglich mit kleinen, cottageartigen Einfamilienhäusern und vielen Appartmenthäusern mit Gartenanlagen bebaut, aber die 108 St führt mich über den Queens Blödsinn und unter den Gleisen hindurch direkt in eine andere Zeit. Man könnte sich auch auf dem Campus eines alten englischen Colleges befinden. Die Straßen sind zum Teil noch mit Ziegeln im Fischgrätmuster belegt (damit die Kutschpferde nicht ausrutschen), es gibt gusseiserne Straßenlaternen und der Bahnhof sieht ein bisschen aus wie eine Burg. Über den Platz gehe ich zu Forest Hills Gardens, einer Reihenhaussiedlung die nach Ebenezer Howards Konzept einer Gartenstadt angelegt wurde. Es ist entzückend und ich setze mich an einem Rondell hin um etwas zu genießen und dann mit Hilfe diverser Pläne meinen Heimweg festzulegen. Plötzlich fragt jemand, ob er sich zu mir setzen darf. Das ist Henry, ursprünglich aus Israel, 15 Jahre Bewohner von Manhattan und gerade zu Besuch bei einem Freund. Wir plaudern ein Weilchen und tauschen dann unsere Kontaktdaten aus. Manchmal ist es ganz einfach.

sdr
dig
dig

27. Juni, Manhattan

burst

Den Carl Schurz Park am East River habe ich mir noch nicht angeschaut und als ich ankomme, bin ich sofort verliebt. Er ist überschaubar, hübsch bepflanzt und man kann sich auf eine der Bänke setzen und einfach auf den Fluss gucken. Nach Süden sieht man den letzten Zipfel von Roosevelt Island mit dem kleinen Leuchtturm und nach Norden Hellgate Bridge, die alte Eisenbahnbrücke, davor die Robert-F.-Kennedy Bridge, und etwas nordwestlich die Wards Island Bridge für Fußgänger. Ein Schlepper schiebt gemächlich ein Containerboot den Fluss hinauf, ein paar Jungs versuchen zu angeln, und am Ferryanlieger baumeln die Schnüre des „Billion-Oyster-Projects“ mit dem Ziel wieder Austern im Hafen anzusiedeln. Jetzt ist es Zeit für einen Kaffee und sich danach noch etwas umzuschauen. Ich bestaune das wuchtige und doch irgendwie elegante alte Asphaltwerk und ziehe weiter Richtung Museumsmeile. Andrew Carnegie kaufte 1898 den gesamten 5th Avenue Block zwischen der 90th und der 91st Street um Platz für einen Garten beim Haus zu haben, aber auch um sich seine zukünftigen Nachbarn selbst aussuchen zu können. Etwas südlicher befindet sich in einer Seitenstraße eine etwas erratische Hausreihe die sich so präsentiert, weil die damaligen Besitzer die Stufenaufgänge der existierenden Brownstones zu Fronten im europäischen Stil umbauen ließen. Durch den Central Park lustwandele ich barfuß zu dessen Südende und fahre mit der Metro zur 14th Street, denn ich habe eine Karte zu „An Evenig with Eilen Juwell“. Sie ist so charmant und witzig, es ist ein toller Abend. Mark, einer meiner Tischnachbarn, begleitet mich noch unter seinem Schirm zur Metro und ich summe auf dem Heimweg leise die Songs die ich gerade gehört habe.

dig
sdr
sdr

26. Juni, Queens

dav

Irgendwie hat sich mein Lebensrhythmus total verändert. Die ersten Tage hier habe ich super geschlafen und bin früh aufgewacht, dann habe ich eine zeitlang sehr schlecht geschlafen und jetzt schlafe ich wieder super und wache spät auf. Nix mit seniler Bettflucht, es ist das reinste Lotterleben. Dazu kommen die langen Wege und so bleibt wenig Zeit viel anzuschauen. Ramblersville ist die kleinste Nachbarschaft in NYC, das passt ja perfekt. Wie in Broad Channel, Sheepshead Bay, und Red Hook hat man auch hier das Gefühl ganz weit weg vom Big Apple zu sein. Eine Katze spaziert über den Boardwalk, an die Laternenpfosten haben Kinder bemalte Holzsterne gehängt, es ist sehr friedlich. Nur die Flugzeuge vom nahegelegenen JFK erinnern an die Großstadt. Ich fahre weiter zum Rockaway Park und setze mich an den fast leeren Strand um aufs Meer zu schauen und ein bisschen zu lesen. Zurück fahre ich mit dem Bus über die Marine Parkway Bridge und wieder auf Land führt die Straße durch einen Laubwald, vorbei an Dutzenden von Bäumen mit Yellow Ribbons, dann an Sportplätzen und erst danach kommen langsam Gebäude. Erst beim Lesen der Haltestellen wird mir klar, dass wir die ganze Zeit auf der Flatbush Avenue unterwegs sind, die in Downtown Brooklyn die verratzteste, schmutzigste, und lauteste Straße ist. Fast 16 km ist sie lang und hat so viele verschiedene Gesichter.

dig
dig
dig

25. Juni, Brooklyn

dav

In Manhattan findet heute die Pride Parade statt und ich überlege hin und her ob ich hin soll. Aber selbst der CSD in Stuttgart ist mir inzwischen zu anstrengend und wenn ich mir das multipliziert mit 16 vorstelle, fällt mir die Entscheidung nicht schwer. Und hier finden am Wochenende immer ein paar Flohmärkte statt die ich noch nicht kenne. Also fahre ich Richtung Downtown Brooklyn, schaue mal wieder bei Goodwill rein und dann geht’s weiter zum DUMBO Flohmarkt direkt unter den Gleisen der Metro. Es gibt ein paar Vintage Stände und einen Stand mit kistenweise Modeschmuck an dem ich mich komplett verliere. Aber ich bleibe standhaft (ich habe ja schon eine Kette) und gehe zur Metrostation um nach Williamsburg zu fahren. Der G Train ist voll mit Menschen auf dem Weg zur After-Parade-Party, der Lärmpegel ist unglaublich, alle haben gute Laune und haben sich kreativ angezogen und bevor ich mich versehe habe ich meine Haltestelle verpasst und bin mitten in Manhattan. Ich könnte also bleiben, aber ich bin müde und will nach Hause. An der Metrostation werde ich mit einem schönen Mosaik belohnt und erhasche ein Foto von ein paar Bubble-Schlappen.

dig

24. Juni, Manhattan

dig

Beim Great Hill im nördlichen Central Park gibt es heute von 17 bis 18 Uhr Jazz im Park. Ich habe am Abend vorher ein Fläschchen Sangria getrunken und komme deshalb etwas schwer los. Das reicht gerade noch für einen kurzen Abstecher zur Hester Street Fair auf einem Pier beim Financial District. Es gibt einen LGBTQ Stand der gespendete Kleidung verschenkt. Man darf aber gerne etwas spenden, was ich natürlich mache. Es ist 15:50 h, ich mache mich auf den Weg und das Chaos beginnt. Verspätete Züge, Zugausfälle, Züge auf anderen Gleisen. Das ist ja fast wie bei der deutschen Bahn. Auf Grund dieses ganzen Tohuwabohus bin ich erst um 18:20 h am Great Hill und dort ist nichts mehr zu sehen von einem Konzert. Dafür gibt es Tische, Wasser und Toiletten — was braucht man mehr? Um 20 Uhr mache ich mich auf den Weg zum Pontiac Playground, kaufe mir unterwegs noch ein Pastrami Sandwich und komme pünktlich zum Filmbeginn von Wakanda Forever an. Der Heimweg ist wie immer abenteuerlich, aber es klappt alles und um 1:20 h schließe ich die Tür auf.

dav
dig

23. Juni, Brooklyn

dav

Leider habe ich schlecht geschlafen (vielleicht lag mir der Sticky Pudding zu schwer im Magen), deshalb mache ich heute nur eine kleine Tour und zwar nach Red Hook im Westen von Brooklyn. An der Bushaltestelle komme ich mit einer älteren Dame ins Gespräch und erhalte von ihr noch ein paar Tipps, wie zum Beispiel den Park am Ende der Straße. Ich könne ihn nicht verfehlen, meint sie, wenn meine Füße nass werden, dann sei ich zu weit gegangen. Laut Internet ist Red Hook eine up-and-coming Künstler Enklave mit Galerien und kleinen Läden. Aber vielleicht wurde der Beitrag vor der Pandemie erstellt, denn dieser Stadtteil ist wunderbar verschlafen. Ich esse eine Kleinigkeit im Baked und bummele danach durch die Straßen zum Wasser. Hier gibt es noch viele alte Lagerhäuser weil Red Hook war mal ein wichtiger Teil des New Yorker Hafens war. Inzwischen werden sie zum Teil von kleinen Agenturen genutzt oder sie stehen leer. Am Ende der Straße gibt es einen Streetfood-Wagen und Steve’s Key Lime Pie, den oben erwähnten Park und ein Angler-Pier, von dem aus man, heute leicht vernebelt, die Freiheitsstatue sehen kann. Auf dem Rückweg komme ich an ein paar Community Gärten vorbei, einer davon mit einem Hai der sich unter einer Plane versteckt. Ich nehme den F Train nach Coney Island und gehe auf dem Boardwalk nach Brighton Beach rüber um noch ein paar Lebensmittel zu kaufen und danach geht’s nach Hause.

dav
dav
dig
dav

22. Juni, Manhattan

sdr

Drei Ziele habe ich mir für heute ausgesucht, die Upper East Side, Carnegie Hill, und den East River Park. Zuerst übertrage ich aber bei Kaffee und Croissant die interessantesten Ecken in meinen Stadtplan. Nun bin ich gerüstet und schlendere zwischen der 3rd, der Lexington und der Park Avenue hin und her und schau mir die hübschen Häuser mit ihren Erkern, Treppenaufgängen und schönen Türen an. Auffällig ist der Unterschied zwischen der Park Avenue mit ihrem gepflegten Grünstreifen in der Mitte und ihren Appartmenthäusern mit den uniformierten Wachmännern (die sich leider nicht fotografieren lassen) im Eingang und den anderen beiden Avenues mit kleinen Läden wie dem Buchladen der sich auf Kochbücher spezialisiert hat oder dem Chinarestaurant für das ein Schwein wirbt. Leider muss ich den East River Park auf ein anderes Mal verschieben, denn um 18:30 bin ich mit Björn und Tunisia Downtown zum Essen verabredet. Ich setze mich noch kurz in den Central Park, dann mache ich mich auf den Weg. Im Außenbereich des Restaurants gibt es einen Hunde Adoptions Event, aber leider passt es bei uns allen gerade nicht so recht.

dav
dav
dig

21. Juni, Manhattan

burst

Um 12 Uhr habe ich mein Vorstellungsgespräch in der Flatbush Library um zu klären wie der Workshop mit den Flatbush Buchkindern ablaufen soll. Es ist ein sehr nettes Gespräch und wir freuen uns alle drei auf das Projekt. Danach fahre ich zum Little Island (noch ein Tipp von Christiane), einem sehr hübsch bepflanzten kleinen Park der auf tulpenähnlichen Stelzen im Wasser steht. Es gibt jeden Tag Programm und heute wird mit Stöcken und Palmwedeln Musik gemacht. Vom obersten Punkt aus hat man einen wunderbaren Blick auf die NYC Skyline. Auf dem Rückweg schaue ich mir in einem Weinfachgeschäft eine kleine Ausstellung mit Fotos von Graham Nash an. Dann geht es mit der Metro hoch zur 70. Straße, denn auf Pier i soll ab 17 Uhr eine kleine Jazzcombo spielen. Ich esse einen leckeren Salat und lasse mir den Wind um die Nase wehen. Es geht pünktlich los, aber die Musik ist mir leider etwas zu beliebig. Ich bleibe trotzdem weil die Atmosphäre sehr nett ist und auch weil nicht viele Zuhörer gekommen sind. Der zweite Akt besteht aus einem LGBTQ Sänger mit Begleitung an der Gitarre. Er hat eine schöne Stimme, nur knödelt er leider manchmal etwas. Auch wenn das also musikalisch kein Highlight war, war es doch ein sehr schöner Abend und ich mache mich zufrieden auf meinen knapp zweistündigen Heimweg.

dig
dig