Es hat geregnet und der kleine Garten hinterm Haus fühlt sich wunderbar frisch an. Laut Wettervorhersage soll es weiter regnen und erst ab 16 Uhr besser werden. Finanzen prüfen, lesen, podcasts anhören, schlafen, dem Regen zuschauen, kochen — so geht der Tag gemütlich vorbei. Irgendwann am Abend kommt dann tatsächlich die Sonne raus und ich mache mich auf den Weg nach Greenpoint zu einem Park um das Macy’s Feuerwerk anzuschauen. Der Park ist leider schon voll und ich reihe mich in die Menschenmenge ein die davor steht. Um halb zehn Uhr geht es los und die kleinen Zaungäste sowie die großen Gäste inklusive mir bestaunen das Spektakel. Nach 30 Minunten ist es vorbei und alle schieben sich geduldig zur Metro. Das war der 4th of July.
dav
3. Juli, Brooklyn
dig
Henry, meine Bekanntschaft aus Forest Hills hatte sich gemeldet und gefragt ob ich seine Freundin Ursula, die aus Mexiko City zu Besuch ist, ein bisschen herumführen kann. Wir sind um 11 Uhr vor der Central Library verabredet, aber weil sie Probleme mit der Metrokarte und dem WLAN hat wird es 12 Uhr bis wir uns finden. Ich habe eine kleine Agenda ausgearbeitet, lasse jedoch den Prospect Park gleich weg, weil wir ja jetzt später dran sind. Wir fahren also direkt nach Brighton Beach und ich zeige ihr Little Odessa, dann geht’s über den Boardwalk nach Coney Island und dort auf den Rummelplatz und zum krönenden Abschluss zu Nathan’s wo wir uns einen Chilli-Cheese-Dog holen. Wir fahren eine andere Strecke zurück nach Downtown Brooklyn und gehen durch DUMBO zur Brooklyn Bridge die wir aber nur bis zur Mitte ablaufen. Danach schlendern wir rüber nach Brooklyn Heights und trinken noch einen Kaffee und dann ist es auch schon 17 Uhr und ich bin erledigt. Ich gebe Ursula noch ein paar Tipps und lege ihr besonders den Brooklyn Bridge Park ans Herz und dann bringe ich sie zur Bahn und fahre heim. Obwohl es sehr interessant war sich mit jemandem aus einer ganz anderem Kultur zu unterhalten, hat es leider nicht richtig geclickt. Aber für mich war es schön zu erkennen, dass ich inzwischen doch schon ein bisschen was über Brooklyn weiß.
davsdrdav
2. Juli, Brooklyn
Der Koffer ist gepackt und irgendwie sind noch zwei Taschen dazu gekommen und ich wanke zum Bus. Zum Glück muss ich nicht umsteigen und bin um halb eins in unserem neuen Zuhause. Ich schnacke noch ein bisschen mit Eileen, dann packe ich aus und anschließend chille ich erstmal. Am Abend gehe ich noch kurz Lebensmittel einkaufen und gegen 22 Uhr sinke ich ins Bett.
1. Juli, Brooklyn
mde
Tunisia hat vorgeschlagen, dass sie, Janice (ihre Mutter) und ich zu ihrer Lieblingspizzeria fahren. Die Pizza ist total lecker, der Boden dünn und knusprig und der Belag genau richtig. Ich will uns als Nachtisch den Bananenpudding von Martha’s kaufen, aber weil man da schlecht parken kann fahren wir erst heim und dann mit der Metro wieder Richtung Downtown Brooklyn. Tunisia möchte in Williamsburg eine Jeans kaufen und ich will nochmal zum DUMBO Flohmarkt nach einem Armband schauen, das ich vor einer Woche dort gesehen hatte. Leider ist der Stand dieses Mal nicht dabei. Zurück bei Martha’s ist der Bananenpudding ausverkauft, aber es gibt ja zum Glück leckere Alternativen und auf der Heimfahrt zum Trost noch bunte Deckenbemalung in der Metro. Und dann ist er auch schon da, mein letzter Abend im Brooklyn’s Stadtteil Canarsie.
davdig
30. Juni, Brooklyn
burst
So ein Buffet besteht ja meist aus eher schlechtem Essen, aber irgendwie gehört es für mich zu den USA und deshalb gehe ich heute ins K One. Es ist wie erwartet und eine Stunde später rolle ich raus zum Bus um zu Mill Basin zu fahren. Die Bibliothek dort ist sehr nett, ich brauche neuen Stoff, und in der Nähe gibt es einen kleine Hafen, perfekt zum Hinsitzen und Gucken. Ich hatte am Morgen mit Anja telefoniert und sie hatte mir erzählt, dass ihr Tag eine Mischung aus verpassten Bussen und Bahnen und roten Ampeln gewesen sei. Ich bin also gewarnt und sitze dann auch prompt zu Beginn im falschen Bus. In der Bibliothek fällt mir erst als ich schon wieder draußen bin ein, dass es nicht schlau ist sechs Bücher auszuleihen, wenn man am nächsten Tag umzieht. Zwei hätten sicher gereicht. Ich fahre weiter zu einem riesigen Bastelladen um Schnur für das Buchkinderprojekt zu kaufen und mache mich dann, mit einem alkoholischen Kaltgetränk bewehrt, auf zum Park um rechtzeitig für den Film da zu sein. Weil ich eine Stunde zu früh da bin, ist noch nichts aufgebaut. Kurz vor Beginn allerdings immer noch nicht und es ist ein überschaubarer Park. Ein junger Mann mit Familie fragt mich ob ich wüsste wo der Film gezeigt wird und wir sind alle sehr enttäuscht, weil da wohl was schief gelaufen ist. Ich lese noch ein bisschen und mache mich dann auf den Heimweg. Aus einer Seitenstraße sehe ich viele Lichter blinken, gehe hin und sehe, dass die Queen Mary 2 im Hafen liegt. Alles um sie herum sieht winzig aus. Der Rest des Heimwegs ist eine Odyssee, denn die Bushaltestelle ist irgendwo zwischen Baustellen und Fahrradwegen versteckt und ich irre ziemlich rum bis ich endlich im Bus sitze. Was für ein Tag.
davsdr
29. Juni, Manhattan
sdr
Verena ist eine ehemalige Thieme Kollegin und ich freue mich sehr, dass wir uns heute zum Lunch in der Takahachi Bakery in Tribeca treffen. Das Essen ist lecker nur die Zeit ist etwas knapp und wir beschließen uns auf jeden Fall wieder zu sehen. Ich bin nicht weit von Ground Zero und beschließe mir das mal anzuschauen. Ein bisschen komme ich mir vor wie jemand der an einer Unfallstelle langsam vorbei fährt. Es ist ganz vieles auf einmal, ein Rummelplatz, eine Touristenattraktion, ein großer Metrobahnhof, aber es ist finde ich trotz allem auch berührend. Direkt neben dem Oculus von Santiago Calatrava, der die Flügel eines Vogels der aus den Händen eines Kindes in die Freiheit fliegt darstellen soll, ist eine Skulptur eines Tandems das von zehn Tieren gefahren wird. Ein freier Sattel in der Mitte wird gerne besetzt und für Fotos genutzt. Tragik und Komik Seite an Seite. Der wunderschön bepflanzte Hudson River Park ist nicht weit und führt direkt zum Battery Park an der Südspitze Manhattans. Ich schaue mir noch das futuristisch anmutenden SeaGlas Karussell an und leg mich dann in den Park um zu lesen und ein bisschen zu schlafen. Ein kleiner brauner Hund legt sich kurz zu mir und lässt sich kraulen. Gegen 18 Uhr überlege ich, ob ich noch nach Queens fahren soll um einen Film im Park anzuschauen. Aber es ist so schön hier, also bleibe ich noch bis kurz vor Sonnenuntergang und dann fahre ich heim.
sdrdig
28. Juni, Queens
dig
Forest Hills, die Nachbarschaft deren südlicher Teil aussieht wie aus einem Wes Anderson Film, steht ja schon eine ganze Weile auf meiner To-see Liste. Los geht es im nördlichen Teil in einem kleinen Mom-and-Pop Laden in dem der Kaffee vor Ort geröstet wird. Als ich raus schaue kommt gerade ein Platzregen runter, aber zum Glück hört er bald auf. Ich befinde mich hier in einem Stadtteil der von einer zehnspurigen Straße geteilt wird. Dieser Teil wurde von Cord Meyers erschlossen und ursprünglich mit kleinen, cottageartigen Einfamilienhäusern und vielen Appartmenthäusern mit Gartenanlagen bebaut, aber die 108 St führt mich über den Queens Blödsinn und unter den Gleisen hindurch direkt in eine andere Zeit. Man könnte sich auch auf dem Campus eines alten englischen Colleges befinden. Die Straßen sind zum Teil noch mit Ziegeln im Fischgrätmuster belegt (damit die Kutschpferde nicht ausrutschen), es gibt gusseiserne Straßenlaternen und der Bahnhof sieht ein bisschen aus wie eine Burg. Über den Platz gehe ich zu Forest Hills Gardens, einer Reihenhaussiedlung die nach Ebenezer Howards Konzept einer Gartenstadt angelegt wurde. Es ist entzückend und ich setze mich an einem Rondell hin um etwas zu genießen und dann mit Hilfe diverser Pläne meinen Heimweg festzulegen. Plötzlich fragt jemand, ob er sich zu mir setzen darf. Das ist Henry, ursprünglich aus Israel, 15 Jahre Bewohner von Manhattan und gerade zu Besuch bei einem Freund. Wir plaudern ein Weilchen und tauschen dann unsere Kontaktdaten aus. Manchmal ist es ganz einfach.
sdrdigdig
27. Juni, Manhattan
burst
Den Carl Schurz Park am East River habe ich mir noch nicht angeschaut und als ich ankomme, bin ich sofort verliebt. Er ist überschaubar, hübsch bepflanzt und man kann sich auf eine der Bänke setzen und einfach auf den Fluss gucken. Nach Süden sieht man den letzten Zipfel von Roosevelt Island mit dem kleinen Leuchtturm und nach Norden Hellgate Bridge, die alte Eisenbahnbrücke, davor die Robert-F.-Kennedy Bridge, und etwas nordwestlich die Wards Island Bridge für Fußgänger. Ein Schlepper schiebt gemächlich ein Containerboot den Fluss hinauf, ein paar Jungs versuchen zu angeln, und am Ferryanlieger baumeln die Schnüre des „Billion-Oyster-Projects“ mit dem Ziel wieder Austern im Hafen anzusiedeln. Jetzt ist es Zeit für einen Kaffee und sich danach noch etwas umzuschauen. Ich bestaune das wuchtige und doch irgendwie elegante alte Asphaltwerk und ziehe weiter Richtung Museumsmeile. Andrew Carnegie kaufte 1898 den gesamten 5th Avenue Block zwischen der 90th und der 91st Street um Platz für einen Garten beim Haus zu haben, aber auch um sich seine zukünftigen Nachbarn selbst aussuchen zu können. Etwas südlicher befindet sich in einer Seitenstraße eine etwas erratische Hausreihe die sich so präsentiert, weil die damaligen Besitzer die Stufenaufgänge der existierenden Brownstones zu Fronten im europäischen Stil umbauen ließen. Durch den Central Park lustwandele ich barfuß zu dessen Südende und fahre mit der Metro zur 14th Street, denn ich habe eine Karte zu „An Evenig with Eilen Juwell“. Sie ist so charmant und witzig, es ist ein toller Abend. Mark, einer meiner Tischnachbarn, begleitet mich noch unter seinem Schirm zur Metro und ich summe auf dem Heimweg leise die Songs die ich gerade gehört habe.
digsdrsdr
26. Juni, Queens
dav
Irgendwie hat sich mein Lebensrhythmus total verändert. Die ersten Tage hier habe ich super geschlafen und bin früh aufgewacht, dann habe ich eine zeitlang sehr schlecht geschlafen und jetzt schlafe ich wieder super und wache spät auf. Nix mit seniler Bettflucht, es ist das reinste Lotterleben. Dazu kommen die langen Wege und so bleibt wenig Zeit viel anzuschauen. Ramblersville ist die kleinste Nachbarschaft in NYC, das passt ja perfekt. Wie in Broad Channel, Sheepshead Bay, und Red Hook hat man auch hier das Gefühl ganz weit weg vom Big Apple zu sein. Eine Katze spaziert über den Boardwalk, an die Laternenpfosten haben Kinder bemalte Holzsterne gehängt, es ist sehr friedlich. Nur die Flugzeuge vom nahegelegenen JFK erinnern an die Großstadt. Ich fahre weiter zum Rockaway Park und setze mich an den fast leeren Strand um aufs Meer zu schauen und ein bisschen zu lesen. Zurück fahre ich mit dem Bus über die Marine Parkway Bridge und wieder auf Land führt die Straße durch einen Laubwald, vorbei an Dutzenden von Bäumen mit Yellow Ribbons, dann an Sportplätzen und erst danach kommen langsam Gebäude. Erst beim Lesen der Haltestellen wird mir klar, dass wir die ganze Zeit auf der Flatbush Avenue unterwegs sind, die in Downtown Brooklyn die verratzteste, schmutzigste, und lauteste Straße ist. Fast 16 km ist sie lang und hat so viele verschiedene Gesichter.
digdigdig
25. Juni, Brooklyn
dav
In Manhattan findet heute die Pride Parade statt und ich überlege hin und her ob ich hin soll. Aber selbst der CSD in Stuttgart ist mir inzwischen zu anstrengend und wenn ich mir das multipliziert mit 16 vorstelle, fällt mir die Entscheidung nicht schwer. Und hier finden am Wochenende immer ein paar Flohmärkte statt die ich noch nicht kenne. Also fahre ich Richtung Downtown Brooklyn, schaue mal wieder bei Goodwill rein und dann geht’s weiter zum DUMBO Flohmarkt direkt unter den Gleisen der Metro. Es gibt ein paar Vintage Stände und einen Stand mit kistenweise Modeschmuck an dem ich mich komplett verliere. Aber ich bleibe standhaft (ich habe ja schon eine Kette) und gehe zur Metrostation um nach Williamsburg zu fahren. Der G Train ist voll mit Menschen auf dem Weg zur After-Parade-Party, der Lärmpegel ist unglaublich, alle haben gute Laune und haben sich kreativ angezogen und bevor ich mich versehe habe ich meine Haltestelle verpasst und bin mitten in Manhattan. Ich könnte also bleiben, aber ich bin müde und will nach Hause. An der Metrostation werde ich mit einem schönen Mosaik belohnt und erhasche ein Foto von ein paar Bubble-Schlappen.