20. Juni, daheim

Ein Wasch- und Putztag.

19. Juni, Brooklyn

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Eigentlich wollte ich mir heute Forest Hills und Jackson Heights in Queens anschauen. Aber dann bin ich in den Bus in die falsche Richtung gestiegen und wäre nach Queens ewig unterwegs gewesen. Glücklicherweise gibt es ja viele andere schöne Ecken die ich noch nicht kenne. Zum Beispiel Sheepshead Bay (benannt nach dem Essfisch Sheepshead der in der Bucht daheim ist). Dort gibt es einen Kanal der als Yachthafen dient und wenn man die Brücke darüber überquert hat und drei Straßen weiter geht ist man am Manhattan Beach (der in Brooklyn liegt). Ich schaue erst ein Weilchen den Schiffen im Hafen zu und gehe dann weiter an den Strand, die Füße ins Meer stecken. Hier ist ordentlich was los, denn es ist Juneteenth, seit 2021 ein nationaler Feiertag der vielerorts schon seit dem 19. Juni 1866 gefeiert wird um das Eintreffen der Unionsarmee in Texas und damit das Ende der Sklaverei anzuerkennen.

18. Juni, Brooklyn

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Die erste Postkarte die ich in NYC gekauft habe, war eine Reproduktion einer alte Karte die den Gowanus Kanal zeigt. Das hat mich natürlich neugierig gemacht und ich habe ein bisschen recherchiert. Angefangen hat die Geschichte mit einem kleinen Fluss (benannt nach Häuptling Gouwane), der im 17. Jahrhundert von Privatleuten erweitert wurde um Mühlen zu betreiben. Ende des 18. Jahrhunderts baute die Stadt New York den Fluss zu einem Kanal um, um den Wasserdurchlauf zu verbessern. Mitte des 19. Jahrhunderts, Brooklyn war inzwischen die drittgrößte Stadt in den USA, diente er hauptsächlich dem Abtransport der Haushalts- und industriellen Abwässer ins Meer und um dies zu gewährleisten, kam es zu einer Erweiterung des Kanals. Der Vorschlag Schleusen einzubauen wurde aus Kostengründen abgelehnt, aber da die Gezeiten den Kanal nicht sauber halten konnten, gab es Ende des 19. Jahrhunderts verschiedene Versuche die Abwässer durch Rohre umzuleiten. Da gleichzeitig Abwässer aus entfernteren Stadtteilen in den Kanal geleitet wurden, verschlechterte sich die Wasserqualität dramatisch und Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Inhalt des Kanals als „schwarze Mayonaise“ bezeichnet und der Kanal selbst als „Lavender Lake“ auf Grund des violetten Schimmers auf dem Wasser. Brückenbau und Containerschiffe führten dazu, dass aus den ehemals über 100 Schiffen pro Tag die den Kanal zu Hochzeiten durchfahren hatten, weniger als zehn wurden und der Kanal diente immer mehr der Entsorgung von Müll. Und natürlich diente er Gerüchten zufolge auch der Mafia als „Deponie“ für Ihre Opfer. 1974 ergaben Wasserproben Spuren von Typhus, Cholera, Ruhr, und Tuberkulose und es gab erneut verschiedene Projekte um das Wasser um- und abzuleiten, leider größtenteils erfolglos. 2020 wurde dann begonnen die teilweise sechs Meter dicke Schicht giftigen Schlamms auszuheben und mit diversen Schichten Lehm, Sand und Schotter abzudecken. Dieses Projekt sollte 2022 abgeschlossen werden. Ich fahre also voller Optimismus hin und bin sehr enttäuscht darüber, dass der größte Teil des Kanals immer noch von Bauzäunen verdeckt ist und man nur von den Brücken aus etwas zu sehen bekommt. Aber es gibt natürlich auch Highlights des Tages, zum Beispiel den kleinen Markt den ich unterwegs entdecke und auf dem ich Äpfel, Apfelsaft und ein Scone kaufe. Und wieder daheim setze ich mit Janice die Pflanzen, die wir am Vortag gekauft haben, ein.

sdr
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17. Juni, Brooklyn

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Einmal im Jahr findet in Coney Island die Mermaid Parade statt und dieses Jahr ist das heute. Zum Glück habe ich nochmal in den Kalender geschaut, denn diesen Event will ich auf keinen Fall verpassen. Janise, Tunisias Mutter will heute mit mir Blumen kaufen die wir dann zusammen einpflanzen wollen. Ich warte noch auf einen Anruf, dann fahren wir los. Eigentlich will sie die Blumen gleich einpflanzen, aber da sie noch nie bei der Mermaid Parade war kann ich sie dazu überreden mitzukommen. Das Ganze ist ein Riesenspaß und es sind echt kreative Kostüme dabei. Wenn ich hier wohnen würde, würde ich jedes Jahr mitmachen.

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16. Juni, Queens

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Eigentlich wollte ich heute an den Strand mit einem Abstecher davor zu einem kleinen Wildlife Refuge. Aber der Himmel ist ganz schön grau, deshalb ändere ich meinen Plan und beschließe Jackson Heights und Forest Hills, beides Stadtteile in Queens zu erforschen. Und zum Abschluss will ich mir dort noch einen Film unter dem Sternenhimmel anschauen. Kurz nach halb zwei komme ich in Queens an und warte auf den Bus für das letzte Stück Weg. Was nicht kommt ist der Bus, was immer mehr kommt ist der Regen. Schließlich wird es mir zu blöd, Queens wird nicht weg laufen und ich habe ja Zeit. Also fahre ich wieder heim und mache mir einen gemütlichen Restnachmittag.

15. Juni, Queens

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Jamaica Bay ist eine große Bucht die nördlich und westlich von Brooklyn und östlich von JFK eingefasst wird. Südlich wird sie von einer zu Queens gehörigen länglichen Halbinsel begrenzt. In der Bucht gibt es viele kleine Inseln von denen eine, Rulers Bar Hassock im Volksmund Broad Channel, bewohnt ist und dort zieht es mich heute hin. Die Fahrt mit dem A Train verläuft nur wenige Meter über der Wasseroberfläche, rechts und links sieht man Fischerboote und Wasservögel. Im Ort angekommen, fühlt man sich ein bisschen wie in einem Bayou bei New Orleans. Die Gebäude sind klein und da die Gezeiten den Wasserpegel heben und senken sind einige der Holzhäuser auf Stelzen gebaut. Ich setze mich auf eine Bank, esse mein Vesper und schaue einem Silberreiher beim Fischen zu. Manhattan kommt mir meilenweit entfernt vor. Dann schlendere ich weiter Richtung Südspitze, dort soll es ein nettes, entspanntes Restaurant mit leckeren Cocktails geben. Leider ist es inzwischen ziemlich schnieke und eine Ausschankgenehmigung hat es auch nicht. Also mache ich mich, nach einem kurzen Abstecher in die kleine, feine Bibliothek, auf den Heimweg. Da ich in einer jamaikanischen Hood lebe, wird es wirklich höchste Zeit, dass ich mal lokal essen gehe. Nicky’s bei mir um die Ecke sieht nett aus mit drei Tischen mit karierten Tischdecken. Weil der Fisch aus ist, bestelle ich Ziegengulasch mit Reis, Platanen und Salat. Die Ziege könnte auch Hammel sein, aber der Rest ist lecker.

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14. Juni, Manhattan

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Ich bin mit Björn und Winston vom Thieme Verlag zum Mittagessen verabredet und verspäte mich leider total. Zum Glück verzeihen mir die beiden und es wird ein sehr unterhaltsames Treffen. Jetzt weiß ich auch warum in NYC so viele Menschen in ihren Autos sitzen (meist bei laufendem Motor) — sie warten auf die Straßenreinigung. Wenn die Putzwagen kommen, fahren sie ihr Auto kurz weg und hoffen, dass ihr Parkplatz dann noch frei ist wenn sie 30 Minuten später wieder kommen. Nach dem Essen spring ich zu Macy’s rein um Schuhe anzuprobieren, leider ist nichts dabei was so richtig passt. Ich probiere noch ein paar andere Läden und im Asics Laden werde ich dann fündig, hurra. Beim Weitergehen werde ich von einem kurzen, heftigen Regenschauer überrascht, aber zum Glück gibt es überall Gerüste die prima schützen. Immer wieder bin ich in Versuchung eines der tollen Gebäude zu fotografieren und lass es dann doch, denn irgendwie wirken solche Fotos, wenn sie aus dem Kontext gerissen sind, oft nicht mehr. Aber das Metronom am Union Square fotografiere ich dann doch, auch wenn dieses $4,2 Millionen teure Kunstwerk aus dem Jahr 1999 viel Häme erfahren musste. Seit dem 19. September 2020 zählt es die verbleibenden Sekunden bis unser CO2 Budget erschöpft ist.

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13. Juni, Staten Island

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Björn hatte mir von den vielen Parks auf Staten Island erzählt und heute ist mir nach frischer Luft und Grün. Es ist einfach schön auf dem Wasser unterwegs zu sein und ich komme ganz entspannt auf Staten Island an und werde gleich von einer Swing-Combo auf der Terrasse von Borough Hall, dem alten Verwaltungsgebäude des Boroughs, begrüßt. Aber heute will ich ja Grün, also fahre ich erst mit dem Zug und nach einer kurzen Mittagspause im White Castle weiter mit dem Bus zum Great Kills Park. Der Name des Parks kommt aus dem holländischen und bedeutet „viele Bäche“. Bis auf Vogelgezwitscher ist es völlig ruhig, man kann aufs Meer schauen und es weht eine leichte Brise. Ich habe ein Buch, Kaffee und etwas Süßes dabei und genieße einfach nur. Um 18 Uhr mache ich mich auf den Heimweg und entdecke einen schönen Strand der bis auf ein paar Angler verlassen ist. Weiter auf dem Weg zur Bushaltestelle komme ich an Mullberrybäumen vorbei, diese Beeren habe ich 1984 zum letzten Mal gegessen. Ich beschließe den Weg zurück nur mit dem Bus zu fahren, weil man dabei oft mehr sieht und bin um 20:03 Uhr am Anleger. Mist, um 20 Uhr fuhr die Fähre, die nächste fährt erst um 20:30 Uhr. Aber das ist dann ein echter Glücksfall, denn so fahre ich genau in einen wunderschönen Sonnenuntergang hinein.

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12. Juni, Brooklyn

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Das Wetter ist trübe und ich beschließe den Tag gemütlich zu verbringen. Gegen 15 Uhr mache ich mich auf den Weg nach Brighton Beach um in meinem Lieblingsladen Lebensmittel einzukaufen. Aber davor setze ich mich noch ein bisschen an den verlassenen Strand, denn heute ist mein liebstes Strandwetter — windig und neblig. Auf dem Rückweg werde ich von einem kurzen, heftigen Regenschauer überrascht, zum Glück erst kurz bevor ich daheim bin.

11. Juni, Brooklyn

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Um 15 Uhr treffe ich mich mit Björn und Wakiko, beides ehemalige Thieme Kollegen, in Alice’s Tea Cup in Brooklyn Heights. Davor kaufe ich nochmal das wunderbares Cranberry-Walnut Brot in der winzigen polnischen Bäckerei in Greenpoint und schaue kurz bei Goodwill vorbei. Leider finde ich wieder keine coolen T-Shirts, wo sind die alle? Wakiko und ihr Mann (der sich als Mr Wakiko vorstellt) sind schon da, aber das Café hat leider geschlossen. Wir finden eine Alternative, Björn stößt dazu und während Mr Wakiko spazieren geht tauschen wir Thieme Gossip aus. Wieder zu viert schlendern wir durch den Brooklyn Bridge Park und es ist so schön dort, da muss ich unbedingt nochmal hin. Wakiko und ihr Mann verabschieden sich und Björn und ich bummeln gemütlich zum R Train der mich nach Dyker Heights bringt wo heute im Park Elvis gezeigt wird. Der Film ist um 23:40 zu Ende und es beginnt eine etwas abenteuerliche Heimreise (an manchen Haltestellen hält die Metro nachts nicht, manche Busse fahren nachts nur alle 60 Minuten), um 1:15 bin ich dann daheim und auch recht froh.