17. Oktober 2025, Hakone

Um 8:30 h gibt es Frühstück und es ist ein Kunstwerk. Ich habe ja bereits in Osaka und Kyoto japanisch gefrühstückt, aber das hier ist etwas ganz besonderes. Nach dem Frühstück wollen wir die Onsen, die heißen Quellen, besuchen, aber die sind gerade geschlossen. Weil das Wetter heute schön werden soll, beschließen wir uns einen Hakone FREE Pass zu besorgen, damit wir die diversen öffentlichen Verkehrsmittel gut nutzen können. Wir wollen mit der Seilbahn zum Ashi See fahren. Viele, viele andere Menschen hatten dieselbe Idee, daher gibt es sehr lange Schlangen, aber jede Minute fährt eine Gondel mit circa 15 Fahrgästen los, deshalb geht es zügig voran. Von der Gondel aus sehen wir zum ersten Mal den Mt. Fuji, leider ja immer noch ohne Schneemützchen. Trotzdem irgendwie ein tolles Gefühl. Unten geht es gleich weiter, wir besteigen ein Piratenschiff und überqueren den See bis ans andere Ende. Dort schauen wir uns ein bisschen im Ort um, ich esse ein Reisbällchen am Stock mit süßer Sojasoße und dann stellen wir uns für die Rückfahrt an. Die Strecke ist ein bisschen anders und führt am Hakone Schrein vorbei. Auf Grund der langen Schlangen ist es inzwischen schon 15 Uhr und weil wir wieder ins „Plaisir de l’oeuf“ wollen, wechseln wir die Seilbahn und fahren ins Dorf hinunter. Wir plaudern kurz mit der Cafébesitzerin, holen uns im Supermarkt etwas für den Fernsehabend und fahren mit der nächsten Seilbahn heim. Schließlich haben wir ein straffes Programm, im Hotel schlüpfen wir in die bereitgestellten Kimonos und testen die heißen Quellen. Das ist wirklich sehr entspannend, wir ruhen uns noch eine halbe Stunde aus und dann ist es Zeit fürs Abendessen.

16. Oktober 2025, unterwegs

Wir wachen zu starkem Regen auf, wie blöd, hoffentlich lässt er bis halb elf Uhr nach. Es gibt ein letztes Mal Müsli, dann wird schnell gepackt und ausgecheckt und als wir aus dem Hotel treten regnet es tatsächlich kaum noch, so ein Glück. Eine Stunde später sitzen wir im Wartesaal des Shinkansen, des japanischen Schnellzugs, und dann halten wir es nicht mehr aus und gehen zu unserem Bahnsteig. Die Abläufe sind so gut organisiert und dabei fahren ständig Züge ein und wieder ab. Pünktlich um 12:30 h fährt unser Zug ein, wir finden unsere Plätze und schon saust er los und 2 Stunden und fünf Minuten, oder 400 km später steigen wir in Odawara aus. Im Zug hatte ich geschaut wie wir vom Bahnhof zu unserem Hotel kommen, hmmm, zu Fuß 4 Stunden und 2 Minuten, das machen wir wohl eher nicht. Alternativ würde uns ein Bus in 44 Minuten hinbringen, wir müssen nur noch herausfinden wo er abfährt. An einem Bussteig stehen viele Touristen, das könnte passen. Wir zeigen einer Schaffnerin unsere Hoteladresse, sie nickt, kreist auf einem Plan die Haltestelle ein und zeigt uns wo wir zahlen können. Wir steigen ein und fallen fasst wieder rückwärts hinaus, so voll ist der Bus. Überall stehen Menschen, Koffer und Rucksäcke, aber irgendwie ist es so bizarr nach dieser komfortablen Zugfahrt, dass es auch wieder lustig ist. Das Hotel liegt direkt an der Haltestelle, wir überwinden einen kurzen aber steilen Anstieg und checken ein. Weil das Hotel so abgelegen ist, gibt es automatisch Halbpension, aber leider ist Boris nicht als Vegetarier angemeldet und für das heutige Abendessen ist es zu spät um zu wechseln. Ab morgen früh gibt es aber vegetarische Mahlzeiten für ihn. Inzwischen ist es kurz nach 16 Uhr, also höchste Zeit für einen Cafébesuch. Das nächste geöffnete Café liegt über eine halbe Stunde entfernt und schließt um 17 Uhr. Wir sausen los, den Berg hinunter und stehen um 16:30 h an der Theke, nur um dort zu erfahren, dass wir nichts mehr bestellen können. Ein Café gibt es im Ort noch, es schließt um 17:30 h und hier haben wir dann Glück. Das „Plaisir de l’Oeuf“ ist ein kleines, verstecktes Juwel, da kommen wir bestimmt wieder. Noch schnell zwei Kaltgetränke, ein Reispäckchen für Boris und ein paar Nüsschen und dann kommt der Heimweg, 200 Meter Höhenunterschied in 38 Minuten, das ist ungefähr so wie dreimal den Herdweg hochgehen. Kurz vor unserem Hotel sehen wir auf dem Weg eine Kröte. Im Speisesaal kommt dann eine schöne Überraschung, die Küche hat den Wechsel doch geschafft und für Boris gibt es eine vegetarische Mahlzeit. Für unser Abendprogramm haben wir einen USB-Stick mit Filmen und Serien dabei, den wir in jedem Hotel (bisher erfolglos) in den Fernsehapparat gesteckt haben. Dieses Mal leider mit fatalen Folgen, der Stick geht kaputt, aber zum Glück werden wir in der Mediathek fündig und können den Tag so entspannt ausklingen lassen.

15. Oktober 2025, Kyoto

Für heute habe ich mir das japanische Frühstück bestellt. Um acht Uhr bin ich im fast leeren Speisesaal und kurz darauf steht ein großes Tablett vor mir und darauf: ein Schälchen Reis, ein Schälchen Misosuppe, eine Omelettrolle mit frisch geriebenem Rettich, ein Stück Lachs mit einer Scheibe Lotuswurzel, ein Schälchen cremiger Tofu in Brühe mit buntem Puffreis, mildem Wasabi und Frühlingszwiebeln, einkleines schälchen mit getrockneten Mini-Krabben, ein bisschen grünes Gemüse, ein bisschen beiges Gemüse ein bisschen eingelegtes Gemüse (Gurke, Kürbis und Pflaume) und ein Päckchen Algenblätter. Dazu gibt es gerösteten grünen Tee. Boris will heute noch einmal nach Osaka und nach dem Frühstück begleite ich ihn bis zur Metrostation und gehe über kleine Sträßchen zurück. Eigentlich wollte ich heute in das Internationale Manga Museum, aber es hat leider mittwochs geschlossen. Zurück daheim lese ich ein wenig, schreibe den Blog für Montag, Dienstag und heute und dann mache ich mich auf den Weg zum Postamt um unsere Postkarten einzuwerfen und anschließend weiter zum Café „Cocochi“. Dort gibt es ein Halloween-Törtchen und einen Iced Matcha Latte. Auf dem Heimweg schaue ich noch kurz in den Wildschweintempel neben unserem Hotel. Boris kommt gegen 17 Uhr zurück, wir quatschen ein bisschen und holen uns dann noch einmal Salat, Reispäckchen und ein Kaltgetränk.

14. Oktober 2025, Nara

In unserem Reiseführer haben wir ein wenig über Nara nachgelesen (Janine hatte mir davon erzählt) und gesehen, dass es nicht weit entfernt liegt. Wir fahren mit der Metro zum Bahnhof und von dort mit dem Rapid Express weiter. Nara ist sehr gut organisiert und komplett auf den Ansturm der Touristen eingestellt. Wir gehen gemütlich Richtung Park und schauen uns zuerst den Kasuga-Schrein an und dann sehen wir auch bereits die ersten Sikahirsche. Circa 1.200 dieser hübschen und zutraulichen Tiere, die als heilige Boten gelten, leben hier. Man darf sie mit speziellen Plätzchen füttern, die es überall zu kaufen gibt. Wir gehen ein wenig weiter in den Park, setzen uns auf eine Bank und schauen den Tieren und Menschen zu. Die Hirsche machen ganz verrückte Geräusche, die alten gurgeln eher, die jungen quietschen unterschiedlich, mal wie kleine Kinder, mal wie ein Luftballon, mal wie eine rostige Türangel. Der Park hat einen fantastischen alten Baumbestand und es tut unheimlich gut, mal wieder im Grünen zu sein. Nach einem Weilchen gehen wir weiter zum buddhistischen Todai-ji Tempel. Unterwegs sehen wir einen Mann der drei Hirsche füttert, ein vierter fühlt sich wohl vernachlässigt und beißt ihn ein bisschen in den Po. Ein anderer Hirsch ist ein wenig ungeduldig und kaut an einem Rucksackriemen herum während der Besitzer noch nach den Plätzchen sucht. Schließlich kommen wir am Tempel an in dessen Haupthalle, dem größten aus Holz gebauten Gebäude der Welt, die größte buddhistische Bronzestatue der Welt steht. Und davor die größte Menschenschlange der Welt. Nein, das stimmt natürlich nicht, aber uns steht der Sinn gar nicht nach Sightseeing und Menschenmengen, deshalb gehen wir durch den Wald zurück Richtung Downtown und das zweite Café auf unserem Weg hat auch geöffnet und serviert wunderbar fluffige Kuchen. Als die Besitzerin bemerkt, dass Boris die Eiswürfel in unserem Iced Latte bestaunt, bringt sie ihm einen ganzen Brocken Eis von dem sie offensichtlich die kleinen Stückchen abgehackt hat — wie nett. Vier Plattenläden gibt es im Umfeld, einer hat heute offiziell geschlossen, zwei haben inoffiziell geschlossen und der letzte ist ein sehr netter Laden, nur ist die Jazzsektion leider winzig. Dann ist es wohl Zeit für den Heimweg, unterwegs plaudere ich in der Metro noch ein wenig mit zwei Frauen. In Kyoto ist es schon dunkel, wir packen im Hotel unsere Wäsche zusammen und gehen zu einem Waschsalon. Während die Maschine läuft suchen wir ein vegetarisches Restaurant in der Nähe und werden schnell fündig. Nur zwei Straßen weiter ist ein indisches Restaurant, es sieht sehr schick aus, wir werden gleich informiert, dass mit jedem Essen ein Getränk bestellt werden muss, und die Preise sind etwas höher als in Osaka. Es gibt ein vegetarisches Menü mit Reis oder Nan, Curry und vier verschiedenen Gemüsen das wir jeder bestellen und dazu ein Lassi (leider gezuckert). Es kommt dann für jeden ein kleines Schälchen mit Kidneybohnen-Curry und ein großer Teller auf dem das Nan liegt. Wir heben es vorsichtig an und darunter sehen wir eine Portion Gemüse (vier Stückchen), einen Klecks Yoghurt, ein Häufchen Raita, und einen Esslöffel voll Rotweinzwiebeln (glaube ich jedenfalls). Jede Portion hat einen Durchmesser von circa drei Zentimetern und wir bringen unser Erstaunen zum Ausdruck. Ein anderer Gast ist gerade im Begriff zu gehen und bestätigt unsere Überraschung — auf deutsch. Es stellt sich heraus, dass seine chinesischen Eltern vor Jahren in die USA ausgewandert sind, er selbst in Austin, TX aufgewachsen ist, einen österreichischen Partner hat und deshalb auch Deutsch spricht. Wir plaudern kurz und dann vertilgen wir unser Essen, das übrigens sehr lecker ist. Es gibt dann noch einen Chai aufs Haus und die Lassis waren Teil des Menüs, insgesamt eine interessante Erfahrung. Zurück im Waschsalon ist unsere Maschine gerade zum Ende gekommen und da sie ein Waschtrockner ist, sind wir hier fertig und gehen heim.

13. Oktober 2025, Kyoto

Heute steht kein Shopping auf dem Programm, wir wollen uns den Rokkaku-do Tempel anschauen, der Ort an dem Mönche die Blumensteckkunst Ikebana entwickelt haben sollen. Ich habe nachgelesen wie man sich in einem Tempel verhält und wir finden zwar die Waschstelle erst hinterher, aber die Anzahl der Verbeugungen passt, wir werfen zweimal fünf Yen ein, entzünden jeder eine Kerze und ich schlage ganz leise den Gong. Im Garten bewundern wir die zahlreichen Steinfiguren mit gehäkelten Mützen und im Teich einen riesigen Koi und zwei Schwäne, es ist sehr schön an diesem friedlichem Ort. Als nächstes steht die Burg Nijo auf unserem Plan, aber die Warteschlange ist sehr lang und wir beschließen, dass uns die Außenansicht reicht und gehen weiter Richtung Bahnhof um unsere Tickets für den Shinkansen, den zug nach Hakone, zu kaufen. Und dann ist es auch schon Kaffeezeit. Das erste Café hat geschlossen, das zweite eine lange Warteschlange und bevor wir zum dritten kommen stehen wir vor dem „Vintage Coffee“, einem Vintageladen mit winzigem Café. Die Besitzerin holt einen Klappstuhl, alle rücken ein wenig zusammen und wir werden köstlich versorgt, was für eine schöne Entdeckung. Gestärkt gehen wir weiter Richtung Fluss und schlendern am Ufer entlang zur Haupteinkaufsstraße wo sich nun unsere Wege trennen. Boris hat noch ein paar Plattenläden auf seiner Liste und ich will noch einmal versuchen das Geschäft „Loft“ zu finden. Weil der Weg entlang eines kleinen Kanals mir viel attraktiver erscheint als die große Straße, bummele ich dort entlang und vergesse zu zählen wann ich abbiegen muss und da Boris meine SIM-Karte hat, bin ich auf mein Gedächtnis angewiesen. Also wieder zum Ausgangspunkt zurück und eben doch entlang der großen Straße, nach der dritten Querstraße müsste es links kommen. Success, im sechsten Stock bin ich im Papierparadies. Zweieinhalb Stunden später stelle ich erschrocken fest, dass es bereits 19 Uhr ist. Ich mache mich schnell auf den Weg, muss dann aber doch noch in einem winzigen Buchladen eine der japanischen Kokeshi-Puppen kaufen, die mag ich einfach zu gerne. Um halb acht Uhr bin ich daheim und wir gehen zusammen zum Supermarkt um unser Abendessen, Salat und Reispäckchen, zu kaufen.

12. Oktober 2025, Kyoto

Die Nacht war hart, ich habe kaum geschlafen. Wir essen unser Müsli und gehen anschließend in den Park in dessen Mitte sich der kaiserliche Palast befindet. Von dem Palast sieht man leider nur ein paar Giebelspitzen, dafür ist der Park sehr schön und im leichten Sprühregen fast mystisch. Nachdem wir den Park verlassen haben, kommen wir zu einer Straße die für den Verkehr gesperrt ist. Entlang der Mitte stehen Töpfe mit Chrysanthemen und rechts und links haben die Geschäfte und Restaurants kleine Stände aufgebaut. Es ist alles sehr entspannt und wir genießen die schöne Atmosphäre. An einem Schrein machen wir halt und als wir sehen, dass andere hineingehen machen wir es ihnen nach. Wir kaufen ein paar Postkarten und einen süßen Würfel, der ein wenig wie Marzipan schmeckt. Als wir zu einem Café kommen geht Boris weiter zu ein paar Plattenläden und bestelle ich mir ein sehr leckeres Brot mit mysteriösen Sachen darauf (ich habe Hirsch verstanden, aber es ist ein veganen Café). Um 16 Uhr ist Boris zurück, wir trinken Kaffee und essen einen sehr leckeren Nuss-Karamel-Kuchen. Beim Weitergehen sieht Boris bei einem kleinen Laden für Second-Hand Kimonos ein Schild auf dem „0 ¥en“ steht. In der Box darunter ist ein superschöner wuscheliger Schal, der im Nullkommanix in meinen Armen liegt. Die Besitzerin des Ladens strahlt mich an und fordert mich auf noch etwas zu nehmen, ich entdecke ein Bündel aus einem tollen Stoff das ich auch noch einpacke (im Hotel wird sich herausstellen, dass es sich um einen Kimono handelt). Ich bedanke mich und wir ziehen weiter zu einer Platten-Fair im Eingangsbereich von einem Kaufhaus. Nachdem wir herumgestöbert haben, fahren wir noch in die Papeterieabteilung hoch und ich kaufe ein paar Sticker und einen coolen Katzenanstecker. Wir sind jetzt mitten im Gewimmel der Innenstadt und hier ist Kyoto sehr modern, auf der Haupteinkaufsstraße läuft Musik wie bei uns in der Klettpassage. An den kleineren Straßen stehen oft sehr europäisch anmutende Gebäude in denen sich Boutiquen mit liebevoll dekorierten Schaufenstern befinden. Unsere letzte Station ist ein großer Plattenladen der in einem Einkaufszentrum sein soll, wir irren hin und her, ich bin soooo müde, schließlich frage ich eine junge Frau und sie zeigt uns den Weg, es ist ganz einfach. Boris schaut sich das Angebot an und dann ist es schon nach 19 Uhr und viele Restaurants machen um 20 Uhr zu, also gehen wir schnell zu einem vegetarischen Restaurant und bestellen uns zwei Veggi-Burger. Unser Heimweg ist mit 38 Minuten angegeben und führt zum Teil durch den nächtlichen Park, aber kurz vor 21 Uhr sind wir dann daheim. Was für ein Tag.

11. Oktober 2025, unterwegs

Unser letztes Frühstück im Umeda Holic Hotel und wir sind recht traurig, dass es weiter geht, obwohl Kyoto sicher toll wird. Bevor wir zum Bahnhof gehen, zieht es uns ein letztes Mal nach Nakazaki, in einem Tempel machen Mönche ihre Morgenübungen, wir schauen bei „Green Pepe“, einem winzigen Vintageladen mit coolen Dingen rein, ich kaufe drei weitere Tütchen Perlen und Boris will ein letztes Mal zu „Smile Records“, aber die haben leider noch nicht geöffnet. Auf dem Rückweg zum Hotel kommen uns zwei Fotografen und vier Teenager mit völlig verrückten Frisuren und Make-up entgegen. Leider habe ich die Kamera im Rucksack. Die Umeda Station liegt neben der Osaka Station an der Riesenkreuzung und deshalb irren wir dort ein wenig herum. Am Informationsschalter erhalten wir dann mit Hilfe von Google Translate die Auskunft, dass unser Zug von Gleis 3 abfährt. Wir fahren eine Haltestelle zu weit, fahren wieder zurück, steigen um, laufen noch 20 Minuten und dann sind wir da. An der Rezeption können wir unser Raucherzimmer ab Montag auf ein Nichtraucherzimmer umbuchen, yeah! Jetzt ist es aber höchste Zeit für Kaffee und Kuchen und weil wir schon so spät dran sind gehen wir direkt ins „Cozy Cafe“ und sind ganz entzückt von den leckeren Kuchen, der freundlichen Bedienung und dem charmanten Interieur. Wir haben unser Zimmer ohne Frühstück gebucht, deshalb suchen wir noch einen Supermarkt um Salate und Reispäckchen für heute Abend und Müsli zu kaufen. Beim Übersetzen der Zutaten ist dann mein Akku plötzlich leer, aber ich hatte mir ja gemerkt, dass der Rückweg immer geradeaus verläuft, das Heimkommen dürfte also kein Problem sein. Dachte ich zumindest, aber dann stehen wir auf unserer Straße, das Hotel liegt leider nicht dirkt vor uns und wir wissen nicht ob wir nach rechts oder nach links gehen sollen. Wir gehen nach links ein paar Straßen weit und versuchen uns mit Hilfe eines sehr einfachen Umgebungsplans, den wir vom Hotel mitgenommen habe, zu orientieren. Schließlich fragen wir in unserer Verzweiflung einen jungen Mann und zeigen ihm den Plan. Er schaut uns etwas erstaunt an und zeigt dann weiter die Straße hinunter und tatsächlich liegt das Hotel direkt neben dem Gebäude vor dem wir ihn gefragt haben. Kein Wunder hat er so verblüfft geschaut.

10. Oktober 2025, Osaka

Heute wollen wir unseren Stadtteil Umeda noch ein bisschen erforschen bevor unsere Reise morgen weiter geht. Mitten an einer großen Straße kommen wir zu einem riesigen alten Ginkgobaum unter dem ein Schrein steht. Rechts und links gehen Gässchen ab, zum Teil sind sie echt winzig. Und dann sind wir schon im nächsten Stadtteil Nakazaki in dem sich auch das Viertel mit vielen kleinen Läden und Cafés befindet, in dem wir am ersten Tag waren. Wir bummeln ein wenig herum und ich gehe in ein Buchcafé und schaue mir eine kleine Ausstellung echt schräger Puppen mit abgetrennten Gliedern und gruseligen Gesichtern an. Um 14:30 h gehen wir in die Patisserie „Douceur“ und setzen uns, nachdem wir uns endlich entschieden haben — die Auswahl ist echt toll — nach oben. Dann ist es Zeit getrennte Wege zu gehen, Boris zu Plattenläden und ich zum „Umeda Loft“. „Loft“ ist eine große Papeterie Kette und ich freue mich darauf entspannt stöbern zu können. Leider lande ich zuerst wieder an der Riesenkreuzung mit den beiden Kaufhäusern. Ich versuche mich mit Hilfe meines und eines öffentlichen Stadtplans zu orientieren, als ein kleiner alter Mann mir seine Hilfe anbietet. Irgendwie klappt die Verständigung, das ist so toll, und er zeigt mir in welche Richtung ich gehen muss. Allerdings stelle ich bei meiner Ankunft dann fest, dass in diesem Fall der Name tatsächlich Programm ist, „Umeda Loft“ ist ein Wohngebäude mit Lofts. Also bummele ich durch die kleinen Straßen zurück Richtung Hotel, kaufe unterwegs in der Schmuckboutique „Aterlier & Galler kaju_0808“ noch ein paar Perlen und lege dann die Füße hoch um ein wenig zu lesen. Kurz vor sieben Uhr kommt Boris zurück, wir holen uns im Supermarkt unser Abendessen und machen es uns gemütlich.

9. Oktober 2025, Osaka

Nachdem wir die ersten zwei Tage hauptsächlich in Geschäften und darum herum verbracht haben, machen wir uns heute auf die Suche nach Kultur. Als erstes steht das Schloss mit seinem Park auf der Agenda, circa 45 Minuten zu Fuß entfernt. Es wurde im 16. Jahrhundert erbaut mit der Absicht das schönste Schloss Japans zu bauen und mit seinen fünf Stockwerken und den vergoldeten Elementen sitzt es wirklich wie ein Juwel hoch oben inmitten des großzügig angelegten Parks. Wir besuchen noch den Hokoku Schrein und machen uns dann auf die Suche nach dem südwestlichen Ausgang um weiter zum Namba Yasaka Schrein mit seiner riesigen Löwenkopf-Bühne, ungefähr weitere 45 Minuten entfernt. Unterwegs bleiben wir bei einem entzückenden Vintage Laden, dem „Hello Darling“, stehen und beschließen kurz hinein zu schauen. Aus dem „kurz“ wird schnell eine halbe Stunde, denn die Besitzerin ist in München aufgewachsen und wir unterhalten uns hervorragend. Auf ihre Empfehlung biegen wir ab, um im „Hicaru Coffee Roaster“ Iced Latte und Kuchen zu uns zu nehmen. Zum Glück können wir dort auch mein Handy aufladen und Boris sucht auf seinem Handy per Google Maps die Strecke zum Schrein heraus, sonst wären wir sicher verloren. Das sind wir dann aber trotzdem und eine halbe Stunde bevor der Schrein schließt beschließen wir aufzugeben. Boris besucht stattdessen drei weitere Plattenläden bevor es langsam dunkel wird und wir uns auf den Weg zum Viertel Dotonbori machen um rechts und links des Kanals das Schauspiel der Neonwerbung zu bewundern. An einer Kreuzung fragt uns ein junger Mann „Are you German?“ Als wir seine Vermutung bestätigen, meint er „Ich mag Eichhörnchen“. Etwas verblüfft sagen wir, dass wir sie auch mögen. Dann wird die Ampel leider grün und wir verabschieden uns. Auf dem Weiterweg sehen wir viele kostümierte junge Frauen die versuchen Kunden in diverse Maid Cafés zu locken. Das erste dieser Cafés wurde 2001 für Oatku (männliche Fans) von Anime und Manga im Viertel Akihabara in Tokio eröffnet. Inzwischen sind sie eine weitverbreitete Touristenattraktion, dienen aber wohl gleichzeitig auch als eine Möglichkeit für Japaner die Lücke, die der Mangel an fehlenden persönlichen Beziehungen bildet, zu füllen. In Dotonbori ist das Schauspiel der Neonbeleuchtung wirklich ein Riesenspaß, aber jetzt sind wir doch recht kaputt und auch hungrig und suchen uns ein thailändisches Restaurant heraus. Weil aber im selben Gebäude ein großes Schild für vegetarisches Essen wirbt, werden wir davon angezogen und essen heute lecker chinesisch. Für den Heimweg wollen wir testen, ob wir das Metrosystem verstehen und stellen fest, es ist völlig unkompliziert und mit den Plüschsitzen ist die Fahrt auch ultra bequem.

8. Oktober 2025, Osaka

Boris hat wieder das vegetarische Frühstück und für mich gibt es heute das Curry Frühstück, auch lecker, aber lange nicht so gut wie das japanische Frühstück. Dann ziehen wir los Richtung „Kindal“, einer Second Hand Laden Kette mit drei Filialen in Osaka. Leider ist die erste Filiale nur eine Art Lager ohne Verkauf, also auf zur nächsten Filiale. Diese ist in einem rosafarbenen Gebäude untergebracht das mit wurzelartigen Ranken verziert ist. Im Laden sind die Kleidungsstücke nach Designermarken sortiert, Chanel, Dior, Gucci, Prado, alle sind vertreten und natürlich ist das Sortiment entsprechend hochpreisig. Aber das ist für mich nicht weiter schlimm, denn ich finde das Angebot etwas langweilig, es gibt wenig Buntes und viel in schwarz, weiß oder creme. Wir ziehen weiter, schauen noch kurz in einen anderen Vintageladen hinein und dann ist es auch schon Zeit für Plattenläden die oft erst um 12 Uhr öffnen. Boris findet weitere Schätze und anschließend gehen wir für eine kleine Pause zurück ins Hotel. Ich suche uns ein kleines Café heraus und um 15 Uhr stehen wir vor dem „Omo Café“. Der Eingang ist eine Schiebetür und im Inneren ist es ein bisschen wie ein Zengarten angelegt mit Kieselsteinen auf dem Boden und Trittsteinen dazwischen. Wir trinken wieder einen Iced Latte, denn draußen hat es circa 30 Grad und essen dazu ein Stück Käsekuchen. Unser nächster Stopp sind die zwei Kaufhäuser in der Nähe des Osaka Bahnhofs. Die Straße zu überqueren ist dort gar nicht so einfach, es ist eine echte Stadtautobahn, aber zwischen den Kaufhäusern gibt es dann überirdische Stege von denen man auf das Autogewimmel hinunter schauen kann. Wir gehen zuerst ins „Hanshin“, ein bisschen wie unser Breuninger, nur größer, wo wir auch sofort ein paar wunderschöne, rote Sneaker für mich entdecken, leider sind sie zu klein. Auf der Lifestyle-Etage schauen wir uns das schöne Geschirr an und fahren dann runter in die Lebensmittelabteilung, die uns mit ihrem riesigen und vielfältigen Angebot komplett überwältigt. Das zweite Kaufhaus heißt „Hankyu“ und der Schriftzug sieht dem von Harrods sehr ähnlich. Wir fragen ob es die Schuhe hier auch gibt (leider nicht), schauen uns die Möbelabteilung an und fahren dann in den 10. Stock, wo sich mehrere Pop- Up Stores befinden. Hier bin ich im Glück, denn es gibt zusätzlich die Handarbeitsabteilung und die Papeterie. An einem Stand stickt eine Frau mit knallroten Haaren bezaubernde Bilder die ein wenig an Tenniels Zeichnungen in „Alice in Wonderland“ erinnern. Nebenan kann man sich an kleinen Ständen etwas zu essen kaufen und sich auf die Stufen eines Atriums setzen um dem Treiben zuzuschauen, zum Beispiel den potentiellen Kunden eines British Markets der sich ein Stockwerk tiefer befindet. Inzwischen ist es spät und wir haben Hunger. Draußen flimmern die Neonlichter und wir verlaufen uns erst einmal, weil es kaum Fußgängerüberwege gibt und die Stege nur die Kaufhäuser miteinander verbinden. Aber irgendwann sind wir auf dem richtigen Weg und kurz darauf sitzen wir in einem indischen Restaurant und lassen es uns schmecken.