24. August 2025, Markelfingen

Heute heißt es Abschied nehmen und wir fahren nach Singen um noch einmal gemeinsam Kaffee zu trinken bevor Boris zurück nach Stuttgart fährt. Leider fehlt es der Stadt ein wenig an charmanten Flecken. In einer Seitenstraße finden wir aber doch ein nettes Café und nach dem Kaffee trinken bringe ich Boris auf den Zug und gehe zu meinem Gleis. Dort dann Chaos — es hat durch die schweren Regenfälle schon vor ein paar Tagen einen Erdrutsch gegeben und deshalb fährt der Zug nur bis Radolfzell. Leider zickt meine Hüfte wieder etwas herum, denn sonst würde ich den Weg am See entlang heim gehen. So stehe ich ein paar Minuten am Gleis, schaue zu wie es immer voller und die Menschen immer unleidiger werden und entscheide mich für die Heimfahrt mit dem Bus, eine gute Wahl.

23. August 2025, Markelfingen

Ich war ja vor zwei Tagen bereits in Radolfzell gewesen, kann mich heute also ein wenig als Tourguide betätigen. Das Café das ich im Netz ausgeschaut habe sieht in Wahrheit leider gar nicht so nett aus. Deshalb gehen wir als erstes zu dem kleinen Vintageladen der dann erstaunlich viele Schallplatten hat. Während Boris alles durchschaut, wühle ich mich durch alte Postkarten und dann muss der Betreiber plötzlich weg, ein Gemälde. Also schauen wir ob das Restaurant „Levante“ schon geöffnet. Wir haben Glück und genießen die Ruhe in dem bezaubernden Garten. Anschließend geht es zurück zum Vintageladen, wir quatschen ein wenig mit dem Betreiber und ich kaufe zehn alte Postkarten und eine, völlig überflüssige Eieruhr und Boris ersteht eine Schallplatte von den “ Rolling Stones“. Zum Abschluss gehen wir noch kurz in den Kaufland und dann fahren wir heim. Wir lesen ein paar der humorigen Sprüche am „Lachzaun“ und dann ist der Tag zu Ende.

22. August 2025, Markelfingen

Boris und ich wollen heute Konstanz erforschen. Nach einem gemütlichen Frühstück und ein wenig chillen machen wir uns auf den Weg und sind kurz nach zwölf Uhr dort. Unser erster Stopp ist der hiesige Plattenladen, aber Boris findet leider nichts was ihn reizt. Wir besuchen das Münster und bummeln entspannt weiter durch die Fußgängerzone und durch kleine Gassen Richtung Dominikanerinsel. Diese Insel wurde im Jahr 1220 den Dominikanern übergeben die kurze Zeit später darauf ein Kloster errichteten. Es diente zwischenzeitlich als Hospital, dann wieder als Kloster bis Kaiser Joseph II Ende des 18. Jahrhunderts die Insel zur Herstellung von Indigo an eine Unternehmer- und Bankiersfamilie verpachtete. 28 Jahre später wurde die Insel an diese Familie verkauft. Auf Grund der Erfindung von Anilinfarben wurde die Firma unrentabel und musste schließen, während das Bankgeschäft dort noch bis 1921 weitergeführt wurde. Der zunehmende Strom von Sommerfrischlern am Bodensee inspirierte Eberhard, den Bruder Ferdinand Graf von Zeppelins, in dem ehemaligen Klostergebäude 1875 ein Hotel zu eröffnen, und das gibt es mit wechselnden Besitzern noch heute. Auf dem Weg zur Insel haben wir das hübsche Café „Doppio“ gesehen und beschließen dort eine kleine Kaffeepause zu machen. Damit ist unser Sightseeing beendet, wir fahren zurück nach Markelfingen, ich stürze mich zur Erfrischung noch kurz in die Fluten und dann geht es heim. Auf dem Heimweg gibt es noch eine Überraschung, es kommt uns ein Gefangenentransport des LA Police Departments entgegen.

21. August 20 25, Markelfingen

Heute Nacht hat es so laut geregnet, dass ich davon geweckt wurde. In der Früh sause ich los, um Brötchen zu holen sowie zwei Stück Kuchen, denn heute kommt Boris an. Meine Mindelseetour wird wieder durch das Wetter vereitelt, zum Teil durch monsunartige Regenfälle, daher mache ich es mir mit Buch und Tee gemütlich. Um 13:30 h gehe ich zum Bahnhof und nachdem Boris seine Badeschlappen angezogen hat, waten wir durch die Pfützen nach Hause und faulenzen den Rest des Tages.

20. August 2025, Markelfingen

Der Mindelsee liegt in einem Naturschutzgebiete nicht weit von hier und für heute habe ich mir eine kleine Rundwanderung um den See mit Museumsbesuch vorgenommen. Leider macht mir Petrus einen Strich durch die Rechnung. Anfänglich nieselt es nur, das würde mich ja nicht abhalten, aber als ich mit frühstücken fertig bin hat es sich ordentlich eingeregnet. Gegen 15 Uhr soll es aufhellen, aber leider stimmt das nicht ganz. Um 17 Uhr hört es dann tatsächlich auf, aber für die Rundwanderung ist es mir jetzt zu spät. Ich schnappe mir Badeanzug, Handtuch und Buch, gehe runter zum Strandbad, schwimme ein wenig und schaue den Kindern und Enten beim Planschen zu.

19. August 2025, Markelfingen

Mein Plan war morgens gleich an den See zu gehen um eine Runde zu schwimmen. Aber es ist ganz schön frisch und ich Weichei will ungern mit nassen Haaren in der Kühle herumlaufen. Also frühstücke ich gemütlich, gieße alle Pflanzen, lackiere mir die Nägel und faulenze herum. So gegen halb drei raffe ich mich auf und fahre mit dem Zug nach Radolfzell hinein um das Städtchen zu erkunden. Zuerst gehe ich über den Marktplatz zum Kaufhaus „Kratt“ das leider Ende des Jahres schließen wird. Auf dem Weiterweg zur „Seesucht Manufaktur“, wo es liebevoll hergestellte Bodensee Souvenirs gibt, sehe ich ein Schild für Mokka und Kuchen im „Levante“, einem orientalischen Restaurant und damit steht mein anschließender Halt schon fest. Ich bekomme in dem bezaubernden Garten ein Tischchen und kurz darauf ein kleines Tablett mit leckerem Mokka mit Kardamom Aroma und ein gar nicht übermäßig süßes Stück Baklava das mit Ricotta und Pistazien gefüllt ist. Ich bin (leider) der einzige Gast, habe den Garten für mich alleine und genieße die Ruhe — da will ich auf jeden Fall nochmal hin. Durch den Hinterausgang lande ich in einer kleinen Fußgängergasse und bald darauf in einem Laden mit allen möglichen alten Dingen. Ich kaufe eine „Peter Pan“ Ausgabe vom Dressler Verlag und gehe weiter zum Second Hand Laden der Diakonie — dachte ich. Kurz darauf stehe ich in einem kleinen Einkaufszentrum und stelle verärgert fest, dass mein Handy Akku leer ist und ich mir leider die Adresse nicht gemerkt habe. Also zurück zum Vintage Laden um zu fragen und zwei Minuten später bin ich dann da. Obwohl ich natürlich genug zum Anziehen habe, schaue ich alles durch und finde einen kleinen gelben Schal mit bunten Punkten. An der Kasse schaut mich die ältere Dame freundlich an und sagt, „Den schenk ich Ihnen“. Ganz beglückt gehe ich noch zum Kaufland um Lebensmittel einzukaufen und dann zum Bahnhof und nach Hause.

18. August 2025, unterwegs

Heute geht es an den Bodensee, denn ich werde eine Woche lang in Markelfingen das Haus, den Garten und die Katze Lillifee von Ulla versorgen. Ursprünglich wollte ich relativ früh losfahren, damit ich noch was vom See habe, aber mein Haus braucht auch etwas Fürsorge und so komme ich erst kurz vor 13 Uhr los. Der Zug ist nicht überfüllt und fast pünktlich, so dass ich eigentlich um 16 Uhr im Haus sein müsste. Leider gibt es in Radolfzell eine Weichenstörung und der „Seehas“, so heißt der Zug, muss eine halbe Stunde warten. Es ist heiß, der Zug ist voll und als ich in Markelfingen ausgestiegen bin und meinen, hauptsächlich mit Lebensmitteln vollgestopft Trolley im Haus abgestellt habe, bin ich erstmal kaputt. Ich begrüse Lillifee, versorge alles, schreibe Ulla, dass ich da bin, esse zu Abend und dann heißt es Füße hoch.

12. Juli 2025, unterwegs

Noch ein letztes Mal frühstücken, den Müll wegbringen und dann geht es los. Unser Zug steht bereits da und wir erwischen zwei Plätze nebeneinander die noch frei sind. Da die Reservierungsanzeigen ausgefallen sind, machen wir uns an jedem Bahnhof bereit umzusetzen, aber auch da haben wir Glück und unsere Plätze sind tatsächlich nicht verbucht. Unser Regionalzug von Nürnberg nach Stuttgart fällt, da es in Bamberg gebrannt hat, aus. Ich gehe zum Zugbegleiter und er ist sehr hilfsbereit und telefoniert mit der Zentrale, damit wir mit unseren Deutschland-Tickets den IC benutzen dürfen und nicht drei Stunden in Nürnberg warten müssen. Eine Stunde haben wir dann in Nürnberg Zeit, wir gehen in ein Café direkt am Bahnhof und während ich auf das Gepäck aufpassen, geht Boris noch schnell zu zwei Plattenläden. Der IC kommt pünktlich in Stuttgart an, wir essen im Dön Dön zu Abend und dann können wir endlich unseren kleinen Gustav knuddeln.

11. Juli 2025, Wien

Heute ist bereits unser letzter Tag und weil die Wettervorhersage wieder Regenschauer ankündigt und uns meine Mama das Wien Museum sehr empfohlen hat, machen wir uns auf den Weg zum Karlsplatz. Dort bewundern wir zuerst die zwei wunderhübschen Pavillons, die die alten Eingänge zur U-Bahn waren und heute einmal ein Café und einmal Teil des Museums sind. Ich hole noch schnell Briefmarken, während Boris in einen Hi-Fi Laden geht und dann geht’s ins Museum. Die Dauerausstellung ist umsonst und auf drei Etagen verteilt. Im Erdgeschoss geht es um die Gründung Wiens, im ersten Stock um die Zeit der Habsburger und im zweiten Stock um die Sezession, das dritte Reich und Wien heute. Zwischen den Stockwerken sind große Exponate aufgehängt, zum Beispiel Poldi, der Wal, der ursprünglich das Wahrzeichen für das Gasthaus „Zum Walfisch“ im Wiener Würstelprater war. Die Zeit vergeht wie im Flug, aber zum Glück ist das Netz der öffentlichen Verkehrsmittel sehr gut ausgebaut, die Bahnen fahren im fünf-Minuten Takt und so stehen wir kurz darauf vor dem bekannte Eissalon „Tichy“. Wir ergattern einen Platz auf der Terrasse und ich esse einen Topfenknödel und Boris eine Topfentorte. Dann geht es noch ein letztes Mal ins Spittelbergviertel und da ich ein Buch mitgebracht habe, wird mir die Zeit nicht lang während Boris Platten durchschaut. Das Wetter hält, das Lokal mit dem Gemüse ist nicht weit und die Bedienung ist sehr nett, nur das Essen ist leider nicht so toll. Anschließend fahren wir heim um zu packen.

10. Juli 2025, Wien

Für Boris stehen heute diverse Plattenläden auf der Agenda, deshalb klinke ich mich aus und fahre direkt zum Karmeliterviertel. Dorthin sind 1670, nachdem sie aus Wien vertrieben wurden, viele jüdische Familien gezogen. Heute bemerke, zumindest ich davon nicht mehr viel, aber vielleicht habe ich ja aus meiner New York Zeit auch spezielle Vorstellungen. Ich trinke einen Kaffee, schlendere über den kleinen Karmelitermarkt und dann auf einer Brücke über den Donaukanal. In einem alten Kurzwarenladen kaufe ich ein paar Knöpfe und werde beim Heraustreten von einem Regenschauer erwischt. Was für ein Wetter, da nehme ich doch die Bahn, denn ich muss noch etwas auf dem Naschmarkt besorgen. Und weil hier alles durch Markisen geschützt ist, hole ich mir ein paar Oliven und ein Stückchen Baklava und bestelle mir dazu in einem der Lokale einen Prosecco. Frisch gestärkt gehe ich weiter zum Palais Ephrussi, den ich aus dem Roman „Der Hase mit den Bernsteinaugen“ kenne. Dort ist im Erdgeschoss unter anderem ein Billa und dort kann man sich die, zum Glück erhaltene Decke anschauen. Ich bummele weiter durch kleine Gassen und so durch die entzückende Stiegengasse hoch zur Mariahielferstraße, wo ich mir eines der zwei übriggeblieben Wiener Kaufhäuser, das Warenhaus Gerngroß anschauen möchte. Das andere überlebende Warenhaus ist das Steffl, das Haas-Haus, das Rothberger I und II, Kranner und Neumann wurden alle im zweiten Weltkrieg zerstört. Das Hermansky Gebäude steht zwar noch, ist aber kein Kaufhaus mehr. Im Gerngroß ist heute ein Mall mit allen gängigen Läden und im Untergeschoss zum Glück auch ein Billa in dem ich kurz einkaufe. Dann fahre ich heim, Boris kommt kurze Zeit später und wir gehen zusammen Veggi-Burger essen.