26. März 2025, Marseille

Boris ist das indische Essen leider so schlecht bekommen, dass er beschließt erstmal im Bett zu bleiben. Deshalb ziehe ich leider alleine los und zwar zuerst zum Place des Moulins wo ich mich mit meinem Reader für ein Stündchen in die Sonne setze. Weiter geht es über viele Stäffele hinunter zum alten Hafen und kreuz und quer durch das Viertel wieder zum Café „Bon Miette“ wo ich einen Linsensalat esse und mir eine Scheibe Bananenbrot für die Heimfahrt morgen kaufe (Boris will nichts Süßes mehr essen). Ich bummele weiter zur rue Fontange, kaufe eine Kleinigkeit bei „manon martin“ und trinke ein paar Häuser weiter einen Espresso in dem netten Café „Razzia“. Und weil die Sonne so schön scheint setze ich mich am Cours Julien noch vor eine kleine Brasserie, trinke einen Pastis und lese mein Buch zu Ende. Inzwischen ist es 16:00 h und es hat immer noch 24°, ich schlenderen noch durch den Markt bei der Demeter Statue im Noailles, schaue ein bisschen ein paar Boule Spielern zu, gehe weiter zum Hafen, fahre ein letztes Mal mit der kleinen Fähre und dann bin ich auch schon Ruck Zuck daheim.

25. März 2025, Aix-en-Provence

Boris hat Geburtstag und ich hole zum Baguette noch ein kleines Erdbeertörtchen. Fünf Minuten vor elf Uhr gehen wir los, denn heute wollen wir mit dem Zug nach Aix-en-Provence und der fährt um 11:23 h ab. Um 11:18 h wollen wir zwei Fahrkarten kaufen und werden weiter geschickt, die Automaten funktionieren nicht richtig, na das fängt ja gut an. Wir gehen zurück zum Fahrkartenschalter und ich frage, dieses Mal auf Englisch, wo wir Fahrkarten kaufen können. Draußen stehen viele Busse und zum Glück fragt Boris, ob auch ein Bus nach Aix fährt. Ja, schon in drei Minuten und günstiger ist er dazuhin. Und schneller auch noch, so ein Glück. In Aix gehen wir als erstes zum fnac wo Boris sich drei Schallplatten gönnt. Wir bummeln herum und freuen uns an dem schönen Wetter und der entspannten Atmosphäre. Die Stadt ist wirklich sehr hübsch und gepflegt, aber irgendwie auch unspektakulär was ich später an der mageren Fotoausbeute merke empfinde es jedoch als sehr angenehm, dass ich auch auch mal nicht ständig in Versuchung bin die Kamera zu zücken. Boris findet bei Monoprix ein gestreiftes T-Shirt das ich ihm schenke und dann ist es höchste Zeit für Kaffee. Einige Cafés haben bereits geschlossen, oder die Maschine ist nicht gut oder es gibt keine Toilette. Kurz, es ist nicht einfach und schließlich gehen wir in eines der großen Cafés wo die Pains au Chocolat leider total lätschig sind, aber der Cappuccino dafür lecker ist. Anschließend geht es mit dem Bus zurück nach Marseille, kurz in die Wohnung die Einkäufe abladen und dann in eine Bar auf einen Aperol Spritz der leider gar nicht spritzig ist. Jetzt freuen wir uns auf indisches Essen, das Restaurant hat gute Bewertungen bekommen, stellt sich dann aber als Teil eines Foodcourts mit Karaoke heraus. Zur Entschädigung werden wir mit einem fantastischen Sonnenuntergang belohnt. Kulinarisch war dieser Geburtstag also leider ein Reinfall, aber wir finden, dass es trotzdem ein schöner Tag war.

24. März 2025, Marseille

Heute wollen wir getrennte Wege gehen, aber erst gehen wir gemeinsam zum alten Hafen. Dort geht Boris Richtung Museum und ich gehe zur kleinen Fähre die Passagiere für 50 Cent von einer Seite des Hafens zur anderen Seite fährt. Drüben angekommen gehe ich zur großen Bushaltestelle am Hafen mit ihrer verspiegelten Überdachung und dann mache ich mich auf den Weg zum Palais Longchamps, der von 1862 bis 1869 erbaut wurde um die Wasserversorgung der Stadt durch den Canal de Marseille von der Durance zu feiern. Kaum angekommen, beginnt es zu regnen und ich stelle mich schnell unter. Vor mir steht eine Palme und nacheinander lassen sich dort fünf Papageien nieder, wie lustig. Hinter der Palastanlage, die heute zwei Museen beherbergt, gibt es einen Park der früher zum Teil ein Zoo war. Heute heißt das Gelände „Funny Zoo“ und in einigen der ehemaligen Käfige sind große, bunte Plastiktiere untergebracht. Das ehemalige Giraffen- und Elefantenhaus sind sehr hübsch. Über kleine Sträßchen schlendere ich zum Quartier Noailles um mir ein supergiftiges, orangefarbenen Gebäckstück zu kaufen. Es besteht aus fritiertem Teig der in gefärbten Zuckersirup getaucht wurde und während ich daran knabbere, geht ein älterer Herr an mir vorbei und sagt, “ Ce n’est pas bon pour ta santé“ und, weil mir der Gedanke auch schon gekommen ist, antworte ich lachend „Oui, je sais“. Schon toll, wie schnell sich das Gehirn umstellen kann. Nach dem ganzen Zucker ist mir ein bisschen schlecht und anstatt Kaffee trinken zu gehen, kaufe ich noch schnell ein paar Kartoffeln für unser Abendessen und mache mich anschließend auf den Weg zur alten Stadtmauer um über einen Steg zum MuCEM zu gehen und die Aussicht zu genießen. Und dann gehe ich heim.

23. März 2025, Marseille

Heute wollen wir auf den großen Flohmarkt der sich im Norden der Stadt befindet. Am Wochenende sollen hier zusätzlich zum Markt in der Halle noch viele Händler im Freien dazu kommen. Das bedeutet zuerst eine Fahrt mit dem Bus. Ich lege €5 hin, der Fahrer schaut mich auffordernd an, ach ja, ich muss ja noch sagen was ich will. Wir erhalten unsere Billets und passen gut auf, dass wir die richtige Haltestelle erwischen, denn der Norden soll gefährlich sein und wir wollen möglichst nicht wie ignorante Touristen herumirren. Das klappt natürlich gar nicht, wir fahren zu weit und gehen an der Straße 1/4 Stunde zurück, fühlen uns aber überhaupt nicht bedroht. Und dann sind wir da und es gibt — fast — alles. Was es nicht gibt sind Schallplatten, Vintage Kleidung und kleine nette unnütze Dinge, also das was wir uns von einem Flohmarkt erhoffen. Es macht trotzdem riesig Spaß uns durch das Gewimmel zu drängeln. Boris kauft sich ein Bandanatuch, dessen Größe der Händler demonstriert, indem er es sich um den Kopf bindet. Ich kaufe uns köstliche Oliven und kurz bevor wir gehen an einem Stand noch eine politisch komplett unkorrekte Blechdose die mit alter Schokolade gefüllt ist. Direkt am Markt ist eine Metro Haltestelle, wenn Google das mal gewusst hätte und wir fahren wieder in die Stadt. Boris, die Spürnase, findet den kleinen Trödelladen wieder, in dem wir letztes mal meinen Monsieur Renard gekauft haben, aber er hat leider geschlossen, so wie auch das nette Café um die Ecke. Beim weiter bummeln kommen wir am „Bookstore International“ vorbei, der uns gestern bereits aufgefallen war. Dort gibt es auch Kaffee und Kuchen und wir spazieren, weil es noch zu früh ist, einmal ums Carré und gehen dann hinein. Hier ist es richtig gemütlich und das „Pain d’Épice“ ist sehr lecker. Es stellt sich die Frage, heim oder ins nahegelegene „Quartier Antiquaire“ und wir entscheiden uns für letzteres. Was für eine grandiose Fehlentscheidung, denn es ist weiter entfernt als angesagt und es gibt sehr wenige Läden und diese haben alle geschlossen, nur vor dem „Café Edmond“ steht eine rauchende Bedienung. Und dann brechen die angekündigten Gewitter los. Da Metro oder Bus uns nicht in die Nähe unserer Wohnung bringen und die Vorhersage schwere Regenfälle bis 23 Uhr ankündigt, es also auch keinen Sinn macht irgendwo einen Apéro zu uns zu nehmen, spurten wir los. Wir springen über Pfützen, eilen an Sturzbächen vorbei die Treppen hinauf, weichen den plötzlichen Ergüssen, die der Wind von den Dächern weht, aus und stehen 20 Minuten später bis auf die Haut durchnässt und tropfend in unserer Wohnung. Eigentlich wollten wir heute essen gehen, aber wir strecken die Pastareste und bleiben daheim.

22. März 2025, Marseille

Heute wollen wir mal die Croissants von unserem Bäcker probieren, müssen aber feststellen, dass seine Forte das Baguette ist und das ist uns ja auch lieber so. Für mich ist es immer wieder erstaunlich was für einen guten Orientierungssinn Boris hat und wie gut er sich auch an unsere 2023 Reise nach Marseille erinnert, denn für mich ist vieles fast neu und ich erinnere mich nur schwach. Deshalb verlasse ich mich auch ganz auf ihn, als wir uns auf den Weg zu den Docks de la Joliette machen. Dort befinden sich auf der einen Seite die alten Lagerhäuser in denen sich heute kleine Läden und Restaurants befinden und auf der anderen Seite das riesige Einkaufszentrum mit allen bekannten Ladenketten. Wir verbringen sehr viel Zeit auf beiden Seiten und so ist es auch schon etwas spät als wir wieder auf der Straße stehen — fast Zeit für Kaffee. Bei uns um die ecke ist ein Salon du thé mit buchladen , das wollten wir eventuell mal ausprobieren, aber es ist sehr voll. Weil wir das Café gestern so nett fanden, beschließen wir wieder dorthin zu gehen. Auf dem Weg kommen wir an einem Platz vorbei auf dem ein kleines Fest gefeiert und getanzt wird. Im Café wagen wir uns dieses Mal an die Törtchen, mmm, leckere Creme, nur der Teig ist ein bisschen hart. Wir bummeln weiter zum Cours Julien, denn dort gibt es einen Plattenladen und während ich es mir auf dem Sofa gemütlich mache, stöbert Boris ein bisschen herum. Zurück auf der Einkaufsstraße will Boris bei C & A noch kurz nach T-Shirts schauen, währenddessen fotografiere ich die Fassade, denn C & A ist im ehemaligen Grand Hotel du Louvre et de la Paix untergebracht. Dann ist es auch schon spät und während Boris zum Carrefour geht um Salat und Milch zu kaufen, hole ich beim Bäcker noch ein kleines Baguette für unsere Brotzeit.

21. März 2025, Marseille

Um halb acht Uhr stehe ich auf und gehe los zum nächsten Carrefour um Milch, Saft, Marmelade, Butter, Tomaten, Bananen, und leckeren Käse fürs Frühstück zu kaufen und auf dem Rückweg kaufe ich noch ein Baguette von der Boulangerie um die Ecke. Wir frühstücken gemütlich und ziehen dann los Richtung Meer. Dort schauen wir uns die wunderbare Cathédrale de la Major an, die zwischen 1852 und 1896 im neoromanisch-byzantinischem Stil erbaut wurde. Wir trotzen den heftigen Windböen und gehen weiter zum MuCEM, das 2013 nach den Entwürfen Rudy Ricciottis gebaut wurde. Am Kai schauen wir vier Jungs zu die sich ins Wasser trauen und gehen dann weiter zur alten Stadtmauer wo ich einen karierten Schal, der bestimmt in Kürze ins Meer geweht worden wäre, rette. Von der Mauer führt uns unser Weg auf der Suche nach einem Monoprix Kaufhaus in die Innenstadt. Boris braucht Unterwäsche und ich entdecke eine rosa-weiß gestreifte Bluse, Sommer pur und bekomme sie von Boris geschenkt. Schließlich kaufen wir noch vier Flaschen „Ecusson“, den rosa Cidre den wir so gerne trinken und gehen schwer bepackt heim um gleich darauf erleichtert wieder loszuziehen. Erst geht es durch das Viertel Noailles in dem es sehr wuselig zugeht und es viele faszinierende afrikanische Läden gibt. Überall hängen riesige Loofahs und es duftet nach Weihrauch und Gewürzen. Und dann ist es auch schon Zeit für Kaffee und mit etwas Hilfe von Google landen wir auf dem Place du Général de Gaulle beim Café „Bonne Miette“, dem Café zum guten Krümel. Der Name passt, wir essen zum Cappuccino zwei leckere Brownies. Anschließend machen wir uns auf den Heimweg und holen unterwegs beim Carrefour noch Gemüse und Parmesan für unser Abendessen.

20. März 2025, unterwegs

Um 10:10 h treffen wir uns an der Ecke und kommen so sehr entspannt am Bahnhof an, wo auch bereits unser Zug auf uns wartet. Ein bisschen Verspätung muss sein und dies und ein kurzer Halt auf freier Strecke führen zu einer verspäteten Ankunft in Straßburg. Aber für einen Kaffee reicht es trotzdem, wir versorgen uns noch mit je einem Panini und süßen Stückle und kurz darauf geht es weiter Richtung Marseille. Ab Dijon wird es deutlich frühlingshaft, überall sieht man Hartriegelsträucher mit weißen Blüten, rosablühende Mandelbäumchen und das Gelb der Forsythienblüten. Dazwischen einsame Gehöfte mit Türmchen und Mansardendächer die dadurch fast wie kleine Schlösser ausschauen. Langsam wird es dunkel, auch dieser Zug hat 20 Minuten Verspätung, so dass wir erst kurz nach 20:00 h ankommen. 25 Minuten dauert es laut Google bis zu unserer Wohnung, wir kaufen unterwegs noch zwei Kaltgetränke und etwas zum knabbern, richten uns in der Wohnung kurz ein und dann heißt es Füße hoch.

4. März 2025, Überraschungstrip 6

Punkt 9:50 h stehe ich am Gleis 1 und wetze gleich los, denn in zwei Minuten fährt der nächste Zug und zwar nach Tübingen. Das ist jetzt zwar nicht unbekanntes Terrain, aber erst kürzlich habe ich gedacht ein Besuch in Tübingen wäre mal wieder nett, da passt das doch sehr gut. Und auch hier gibt es natürlich einges was ich noch nicht gesehen habe. Zum Beispiel das Französische Viertel und als direkt am Bahnhof ein Bus neben mir hält der genau dorthin fährt, überlege ich nicht lange und springe hinein. Das Viertel hat große Mehrfamilienhäuser mit viel Grün dazwischen und ein paar nette Reihenhäuser, ist recht schnell angeschaut, sodass ich mit dem selben Bus zurück zum Bahnhof fahre. Kurz vor der Touristinformation liegt das dai (Deutsches Amerikanisches Institut) das eine Fotoausstellung über das Leben der Inuit zeigt, die mich allerdings etwas deprimiert (Verschwinden der Kultur durch Abwanderung, ein halber toter Wal der am Strand zurück gelassen wurde). Aber der Blick von der Brücke ist unverändert hübsch. Als nächstes suche ich nach einem Café auf der Wilhelmstraße in dem ich vor vielen Jahren einmal einen sehr leckeren Kaffee getrunken habe, aber das gibt es leider nicht mehr. Dafür finde ich in einem € Laden eine tolle Auswahl an Garnen zum Häkeln. Der letzte Punkt auf meiner Agenda ist der Botanische Garten, der sich aber als etwas unspektakulär erweist. Na dann auf zum Bummeln. Erst stärke ich mich mit einem leckeren Bagel und dann schlendere ich durch die Gassen, kaufe ein paar Postkarten, einen Reiseführer, ein Geschenk für Boris, Gebäck im „Backwaren vom Vortag“ Laden und um 15 Uhr lande ich in meinem kleinen Lieblingscafé. Leider liegt der Außenbereich im Schatten, ich nehme also meinem Cappuccino mit ins Hinterzimmer und sehe dort zum ersten Mal den hübschen alten Kachelofen. Anschließend klappere ich noch ein paar der mir bekannten Läden ab ohne etwas zu kaufen, hole mir im mokka ein paar Pralinen und dann gehe ich zum Bahnhof und fahre heim.

25. Februar 2025, Überraschungstrip 5

Um 9:50 h sollte ich am Gleis 1 sein, aber ich habe mich mit der Zeit vertan und bin erst 9:59 h da, der nächste Zug fährt nach Geislingen an der Steige und da war ich ja bereits. Aber zwei Stationen davor liegt Kuchen und die Fahrt dauert genau eine Stunde, perfekt. Ich googel noch kurz die Sehenswürdigkeiten, eine Burgruine, eine Kirche und eine Arbeitersiedlung. Letzteres klingt auf jeden Fall interessant. In Kuchen spaziere ich an der Fils entlang durch den Ort zu der Kirche und folge dann den Hinweisschildern zu der Siedlung. Die ist wirklich sehr schön und mit zahlreichen Informationstafeln versehen. So erfahre ich, dass der Schweizer Arnold Staub ursprünglich in Gingen eine Baumwollweberei einrichten wollte. Aber die Gingener (auch als Schnapper bekannt, weil sie den Kuchenern das Trinkwasserrecht weg geschnappt hatten) wollten nicht, deshalb ging Herr Staub nach Kuchen. Und 1857 wurde dort dann die „Mechanische Baumwollweberei Staub & Cie“ in Betrieb genommen. Bald kam eine Spinnerei dazu und es arbeiteten über 800 Menschen an 29.864 Spindeln und 535 Webstühlen im damit zu der Zeit größten Webereisaal Europas. Um die Familien der Angestellten an sein Unternehmen zu binden ließ Herr Staub nach den Entwürfen eines Schweizer und eines Stuttgarter Architekten eine Siedlung mit Schule, Bibliothek, Ladengeschäft, Sparkasse, einem Gasthaus und einem Spital erbauen. Die Siedlung vergrößerte sich über die Jahre und da ihm Hygiene sehr wichtig war kam 1869 noch ein wunderschönes Bad- und Waschhaus mit Badezimmern, Dampfbad, Schwimmbecken und Räumen zum Wäschewaschen und Bügeln dazu. Dem experimentellen Charakter des Projekts waren die unterschiedlichen Baustile wie zum Beispiel die des englischen Laubenhauses sowie des Schweizer Landhausstils zu verdanken. Arnold Staub war Präsident der Stuttgarter Industrie- und Handelsbörse und erhielt für seine Verdienste 1867 auf der Weltausstellung in Paris den Großen Preis mit Goldmedaille. Ganz uneigennützig war er allerdings natürlich nicht. Auf Grund der Hygienevorschriften gab es weniger Arbeitsausfälle durch Krankheiten, die modernen Wohnungen waren jeweils mit einem separaten Hauseingang versehen der direkt auf die Straße führte um so Treppenhaustratsch zu verhindern und der Park war nur den Direktoren zugänglich. Trotzdem war die Siedlung sicher vorbildlich, aber indem er kontinuierlich in das Unternehmen investierte verschuldete sich Arnold Staub leider immer mehr was, zusätzlich zum Brand der Spinnerei 1876, letztendlich 1881 zum Bankrott führte und die Firma wurde, unter aus Ausschluss Arnold Staubs, in die Süddeutsche Baumwollindustrie AG (SBI) umgewandelt. Auch bei der Leitung der Spinnerei seines Bruders Emil hatte Arnold Staub kein Glück und 1882 nahm er sich aus Verzweiflung das Leben. Diese letzte Tafel hat mich doch etwas traurig gestimmt und gedankenverloren spaziere ich an der Fils entlang weiter und stehe unversehens in Gingen. Auch hier stoße ich auf ein alteingesessenes Unternehmen, die 1912 gegründete Firma Buchsteiner, „Die Marke mit dem Büffelhorn“, die sich auf Bestecke aus Horn spezialisierte. In den 30er Jahren ermöglichte der Einsatz von Kunststoffen die Erweiterung des Sortiments, heute liefert Buchsteiner weltweit Boxen als Verpackungs- und Werbemittel. Inzwischen hat es angefangen zu nieseln und mein Plan weiter nach Süßen zu wandern kommt ins Wanken. Eine sehr nette Frau weist mir den Weg und als dieser mich an einer Bushaltestelle vorbei führt, disponiere ich um, fahre mit dem Bus nach Süßen und von dort mit dem Zug nach Hause.

11. Februar 2025, Überraschungstrip 4

Ich habe es mir heute früh beim Teetrinken ein bisschen zu gemütlich gemacht und verpasse deshalb meine Bahn. Aber aus Erfahrung schlau(er) geworden, plane ich ja immer etwas extra Zeit ein und bin daher pünktlich um 9:30 h am Gleis 1. Auf Gleis 4 fährt um 9: 32 h ein Regionalzug nach Karlsruhe, perfekt, den nehme ich. Mein Handy will ich im Zug aufladen, aber leider erklärt eine Reihe weiter ein Fahrgast mit kräftiger Stimme seinem Mitfahrer die Welt und anstatt mich umzusetzen, setze ich meine Ohrstöpsel ein, weshalb das Handy beim Aussteigen nicht voll geladen ist. Kurz vor halb elf kommen wir am Bahnhof Karlsruhe mit seiner schönen großen Kuppel an und ich mache mich auf den Weg zur Touristeninformation. Um nicht auf der Hauptverkehrsstraße zu gehen, nehme ich die Wilhelmstraße durch die Südstadt vorbei an hübschen Häusern mit kleinen gusseisernen Balkons. So komme ich auch an den Werderplatz, wo ich früher im Sommer öfter mal im „Wolfbräu“ war. Leider stehe ich kurz darauf wieder an der Hauptverkehrsstraße. Während ich auf das grüne Männchen warte, mache ich ein Foto vom Verwaltungsgebäude der „Volkswohnungen GmbH“ die 1922 hier gegründet wurde um Sozialwohnungen zu bauen. Und dann bin ich auch schon im Zentrum, schlendere über den Marktplatz an der Grabpyramide des Namensgebers der Stadt vorbei zur Touristeninformation wo ich sehr, sehr freundlich bedient werde. Leider ist mein Handy-Akku inzwischen leer, das bedeutet ich erforsche die Stadt wie früher, manches finde ich nicht und manches entdecke ich, was ich sonst vielleicht gar nicht gesehen hätte, wie zum Beispiel die Texttafeln am Platz der Grundrechte. Weiter geht es zum Schloss mit dem Landesmuseum, wo mich die nette Dame an der Kasse auf die Toilette lässt. Entspannt gehe ich durch den Botanischen Garten und folge von da der „Blue Brick Road“ zur Majolika. Dort ist zwar bis auf das Restaurant alles geschlossen, aber einen Eindruck der Arbeiten gewinnt man trotzdem. Ich schlage einen Bogen zur Kaiserstraße mit ihren kleinen Passagen und all den gängigen Läden und biege dann ab auf die Erbprinzstraße, denn dort soll es viele Restaurants geben und ich habe langsam ein bisschen Hunger. Aber irgendwie passt es nicht, ich glaube ich habe mich auf die Südstadt eingeschossen. Mit der Bahn sind es nur zwei Stationen, ein junger Mann bietet mir seinen Sitzplatz an und kurz darauf stehe ich vor dem „Wolfbräu“ und merke, dass es im Sommer sicher toll, aber im Winter eher düster ist. Auf dem Weg von der Haltestelle hatte ich das „Easy Cafe“ gesehen und dorthin kehre ich zurück und mache es mir bei Cappuccino und Franzbrötchen gemütlich. Zum Bahnhof ist es nicht weit und um 15:32 h sitze ich bereits im Zug zurück nach Stuttgart.