18. August 2025, unterwegs

Heute geht es an den Bodensee, denn ich werde eine Woche lang in Markelfingen das Haus, den Garten und die Katze Lillifee von Ulla versorgen. Ursprünglich wollte ich relativ früh losfahren, damit ich noch was vom See habe, aber mein Haus braucht auch etwas Fürsorge und so komme ich erst kurz vor 13 Uhr los. Der Zug ist nicht überfüllt und fast pünktlich, so dass ich eigentlich um 16 Uhr im Haus sein müsste. Leider gibt es in Radolfzell eine Weichenstörung und der „Seehas“, so heißt der Zug, muss eine halbe Stunde warten. Es ist heiß, der Zug ist voll und als ich in Markelfingen ausgestiegen bin und meinen, hauptsächlich mit Lebensmitteln vollgestopft Trolley im Haus abgestellt habe, bin ich erstmal kaputt. Ich begrüse Lillifee, versorge alles, schreibe Ulla, dass ich da bin, esse zu Abend und dann heißt es Füße hoch.

12. Juli 2025, unterwegs

Noch ein letztes Mal frühstücken, den Müll wegbringen und dann geht es los. Unser Zug steht bereits da und wir erwischen zwei Plätze nebeneinander die noch frei sind. Da die Reservierungsanzeigen ausgefallen sind, machen wir uns an jedem Bahnhof bereit umzusetzen, aber auch da haben wir Glück und unsere Plätze sind tatsächlich nicht verbucht. Unser Regionalzug von Nürnberg nach Stuttgart fällt, da es in Bamberg gebrannt hat, aus. Ich gehe zum Zugbegleiter und er ist sehr hilfsbereit und telefoniert mit der Zentrale, damit wir mit unseren Deutschland-Tickets den IC benutzen dürfen und nicht drei Stunden in Nürnberg warten müssen. Eine Stunde haben wir dann in Nürnberg Zeit, wir gehen in ein Café direkt am Bahnhof und während ich auf das Gepäck aufpassen, geht Boris noch schnell zu zwei Plattenläden. Der IC kommt pünktlich in Stuttgart an, wir essen im Dön Dön zu Abend und dann können wir endlich unseren kleinen Gustav knuddeln.

11. Juli 2025, Wien

Heute ist bereits unser letzter Tag und weil die Wettervorhersage wieder Regenschauer ankündigt und uns meine Mama das Wien Museum sehr empfohlen hat, machen wir uns auf den Weg zum Karlsplatz. Dort bewundern wir zuerst die zwei wunderhübschen Pavillons, die die alten Eingänge zur U-Bahn waren und heute einmal ein Café und einmal Teil des Museums sind. Ich hole noch schnell Briefmarken, während Boris in einen Hi-Fi Laden geht und dann geht’s ins Museum. Die Dauerausstellung ist umsonst und auf drei Etagen verteilt. Im Erdgeschoss geht es um die Gründung Wiens, im ersten Stock um die Zeit der Habsburger und im zweiten Stock um die Sezession, das dritte Reich und Wien heute. Zwischen den Stockwerken sind große Exponate aufgehängt, zum Beispiel Poldi, der Wal, der ursprünglich das Wahrzeichen für das Gasthaus „Zum Walfisch“ im Wiener Würstelprater war. Die Zeit vergeht wie im Flug, aber zum Glück ist das Netz der öffentlichen Verkehrsmittel sehr gut ausgebaut, die Bahnen fahren im fünf-Minuten Takt und so stehen wir kurz darauf vor dem bekannte Eissalon „Tichy“. Wir ergattern einen Platz auf der Terrasse und ich esse einen Topfenknödel und Boris eine Topfentorte. Dann geht es noch ein letztes Mal ins Spittelbergviertel und da ich ein Buch mitgebracht habe, wird mir die Zeit nicht lang während Boris Platten durchschaut. Das Wetter hält, das Lokal mit dem Gemüse ist nicht weit und die Bedienung ist sehr nett, nur das Essen ist leider nicht so toll. Anschließend fahren wir heim um zu packen.

10. Juli 2025, Wien

Für Boris stehen heute diverse Plattenläden auf der Agenda, deshalb klinke ich mich aus und fahre direkt zum Karmeliterviertel. Dorthin sind 1670, nachdem sie aus Wien vertrieben wurden, viele jüdische Familien gezogen. Heute bemerke, zumindest ich davon nicht mehr viel, aber vielleicht habe ich ja aus meiner New York Zeit auch spezielle Vorstellungen. Ich trinke einen Kaffee, schlendere über den kleinen Karmelitermarkt und dann auf einer Brücke über den Donaukanal. In einem alten Kurzwarenladen kaufe ich ein paar Knöpfe und werde beim Heraustreten von einem Regenschauer erwischt. Was für ein Wetter, da nehme ich doch die Bahn, denn ich muss noch etwas auf dem Naschmarkt besorgen. Und weil hier alles durch Markisen geschützt ist, hole ich mir ein paar Oliven und ein Stückchen Baklava und bestelle mir dazu in einem der Lokale einen Prosecco. Frisch gestärkt gehe ich weiter zum Palais Ephrussi, den ich aus dem Roman „Der Hase mit den Bernsteinaugen“ kenne. Dort ist im Erdgeschoss unter anderem ein Billa und dort kann man sich die, zum Glück erhaltene Decke anschauen. Ich bummele weiter durch kleine Gassen und so durch die entzückende Stiegengasse hoch zur Mariahielferstraße, wo ich mir eines der zwei übriggeblieben Wiener Kaufhäuser, das Warenhaus Gerngroß anschauen möchte. Das andere überlebende Warenhaus ist das Steffl, das Haas-Haus, das Rothberger I und II, Kranner und Neumann wurden alle im zweiten Weltkrieg zerstört. Das Hermansky Gebäude steht zwar noch, ist aber kein Kaufhaus mehr. Im Gerngroß ist heute ein Mall mit allen gängigen Läden und im Untergeschoss zum Glück auch ein Billa in dem ich kurz einkaufe. Dann fahre ich heim, Boris kommt kurze Zeit später und wir gehen zusammen Veggi-Burger essen.

9. Juli 2025, Wien

Nachdem wir gestern die Walkingtour gemacht haben, wollen wir heute fast alles was im Reiseführer noch an Jugendstil erwähnt wurde anschauen. Unser erster Halt ist die Strudelhofstiege mit hübschen Lampen und einem Fischbrunnen der uns sehr gefällt. Wir fahren weiter zur österreichischen Postsparkasse deren Schriftzug gerade geputzt wird, sind aber etwas enttäuscht, denn das Gebäude ist doch eher nüchtern. Zum Stadtspark ist es nicht weit, wir genießen das Grün und am Ende erwarten uns die zwischen 1903 und 1907 von Friedrich Ohmann und Josef Hackhofer erbauten Flussportalpavillons und Ufertreppen, Jugendstil vom Feinsten. Auch das Tor zur Haltestelle ist wunderschön und wir nutzen die Chance um zum Naschmarkt weiterzufahren. Dort wird der Eingangsbereich gerade umgebaut, aber der Betrieb dieses Touristen-Lieblingsortes geht natürlich weiter. Überall bekommt man Oliven oder Baklava angeboten und in den Lokalen gibt es viel zu essen. Wir schlendern an den Ständen entlang zu unserem eigentlichen Ziel, dem Majolika-Haus, dessen Fassade komplett mit den wunderschönen Fliesen von Alois Ludwig bedeckt ist. Ein Stückchen weiter steht das Wahrzeichen des Wiener Jugendstils, das Sezessionsgebäude. Was mich jedesmal fasziniert ist, dass es, obwohl reich verziert, so schlicht ausschaut. Wir kaufen ein paar Postkarten und dann geht es weiter, wieder zum Spittelbergviertel wo sich viele nette Cafés und die meisten Plattenläden befinden. Am Abend wollen wir eigentlich in ein Lokal, das leckeres Gemüse in der Auslage hat, aber dann entscheiden wir uns kurzfristig um und kochen noch einmal Pasta.

8. Juli 2025, Wien

Leider ist das Wetter immer noch sehr unfreundliche, deshalb frühstücken wir gemütlich und ziehen recht spät los. In meinem alten Reiseführer gibt es eine Walkingtour und die wollen wir heute mal ablaufen. Am Stephansdom geht es los und da schauen wir natürlich kurz bei „Carla“, einem karitativen Gebrauchtwarenladen rein und ich kaufe einen kleinen Puppenkopf. Weiter geht es zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten, wovon wir eine riesige Jugendstiluhr am beeindruckendsten finden. Es ist die Ankeruhr, die 1911 anlässlich der Gründung der Anker Versicherungsgesellschaft von Franz von Matsch als Brücke zwischen zwei Häusern erbaut wurde. Sie zeigt im Lauf von zwölf Stunden zwölf für Wien historisch bedeutende Figuren an. Was wir auch sehr schön finden ist ein Jugendstilgebäude, in dessen Erdgeschosssich sich ein „H&M“ befindet. Inzwischen ist es Zeit Kaffee zu trinken und danach wollen wir ins Spittelbergviertel, denn dort gibt es einige Plattenläden. Aber nicht nur, sondern auch sehr nette Cafés und einen Kiloladen in dem ich ein cooles Hemd finde das mir Boris schenkt. Weil das alles doch recht anstrengend war, kaufen wir fertige Tomatensoße, Pasta ist noch da und entspannen daheim.

7. Juli 2025, Wien

Kurz vor sieben Uhr kommen wir in Wien an, es regnet. Zuerst bringen wir unser Gepäck in einem Schließfach unter und anschließend holen wir uns zwei Wochenkarten für die öffentlichen Verkehrsmittel von Wien. So gerüstet ziehen wir los und auf Grund des Wetters sofort zur nächsten Bushaltestelle um uns so Wien ohne nass zu werden anzuschauen. Wir wechseln ein wenig zwischen den verschiedenen Buslinien hin und her und um 10 Uhr betreten wir die Bibliothek in der Zirkusgasse und machen es uns dort gemütlich. Leider macht sie um 12 Uhr schon wieder zu — Mittagspause. Da es gerade nicht regnet schauen wir noch in die „Paper Republic“ hinein in der vor Ort wunderschöne Notizbücher mit Ledereinband und eingestanztem Namen oder Wörtern hergestellt werden. Inzwischen ist es Nachmittag, wir holen unser Gepäck vom Bahnhof ab und fahren in die Theresiengasse. Weil wir etwas zu früh dran sind, gehen wir Kaffee trinken und dann ist es endlich soweit. Die Wohnung ist schön groß und hell und gut ausgestattet. Wir richten uns ein bisschen ein, gehen kurz einkaufen und nachdem wir alles verstaut haben zum Inder und essen dort ein sehr leckeres Thali.

6. Juli 2025, unterwegs

Um 19:45 h ziehen wir los und kurz darauf am Bahnhof in unser kleines Zuhause für unterwegs ein. Wir kennen ja schon alles von unserer 2024 Balkanreise und freuen uns riesig. Zum Einstimmen holen wir uns noch zwei Dosen ungarisches Bier und dann geht es los. In München bekommen wir leider zwei sehr aufgeregt Kabinennachbarinnen, aber nachdem Boris sie gebeten hat ruhiger zu sein, wird es still und wir können wieder schlafen. Ich wache rechtzeitig auf, wir ziehen uns an und dann kommt unser Frühstück, zwei Scheiben Weißbrot, Kaffee, Saft, Käse und diverse Aufstriche. Jetzt kann unser Wienabenteuer beginnen.

10. Juni 2025, Neckartrip 1

Heute will ich zur Neckarquelle und dann ein Stück den Fluss entlang. Mal schauen wie weit ich kommen werde. Aber zuerst frühstücke ich gemütlich und nehme den etwas späteren Zug um 10:27 h. Einmal umsteigen in Rottweil und pünktlich um 12:06 h bin ich in Schwenningen. Die Neckarquelle ist ausgeschildert und zwanzig Minuten später bin ich schon da. 1581 errichtete Herzog Ludwig von Württemberg hier einen Stein mit der Inschrift, „Da ist des Neccars Ursprung“ und 1822 trank der württembergische König Wilhelm I aus dieser Quelle. 1895 versiegte sie, wurde aber 1907 neu gefasst. 1934 gab es den Versuch das Schwenninger Moos als Neckarursprungsort festzulegen, dies wurde aber 1981 korrigiert. Und hier noch kurz ein paar Daten: Der Neckar ist 367 km lang, hat 27 Schleusen und ist mit einer Durchschnittstemperatur von 16 Grad Deutschlands wärmster Fluss. 2010 wurde im Rahmen der Landesgartenschau um die Quelle herum ein Park angelegt durch den ich nun am Wasser entlang losziehe. Bald komme ich zum Ortsrand von Schwenningen und wandere vorbei am Casino und einem Küchenstudio weiter. Bedauerlicherweise ist der Neckarweg gleichzeitig der Neckarradweg. Das bedeutet, er ist flach, asphaltiert und relativ langweilig. Einmal höre ich einen kleinen Wasserfall, linkerhand liegt in weiter Ferne ein Flugplatz mit Museum, ich komme an einem Hundefutterhersteller vorbei und werde von einem der Mitarbeiter nach der Zeit gefragt, weil er seine Uhr verloren hat, am Wegrand blühen wilde Iris, Habichtkraut und Natternkopf, ein Wanderer sieht mich mit dem Handy hantieren und ruft mir zu, dass laut einem neuen Gesetz das Wandern mit Handy jetzt verboten sei, in einem Waldstück zwitschern trotz der Hitze die Vögel. Es ist also schon kurzweilig, aber mir fehlt das Auf und Ab und nach zwei Stunden spüre ich deutlich meine Hüfte. Laut Google müsste in Kürze der Staatsbahnhof von Trossingen kommen, vielleicht gibt es dort ein Café und ich kann mich ein bisschen stärken. Aber leider ist der Bahnhof nur ein Bahnsteig und der Ort selbst ist 4,2 km entfernt. Der Zug nach Rottweil ist vor drei Minuten abgefahren und der nächste kommt erst in 50 Minuten, also heißt es warten. Auch in Rottweil ist der Bahnhof außerhalb des Ortes gelegen und so stapfe ich den Berg hinauf Richtung Café Herz, trinke dort einen recht schlechten Kaffee und esse ein Stück eher mittelmäßigen Kuchen. Zurück am Bahnhof sehe ich, dass der schnelle Zug 20 Minuten Verspätung hat und der langsame nur 5 Minuten verspätet losfährt. Leider schaffe ich es aber nicht mehr auf den langsamen Zug und muss daher wieder warten. In Böblingen plane ich in die S-Bahn umzusteigen, aber es gibt Gleisstörungen und so verzögert sich auch hier die Abfahrt. Am Feuersee fährt mir der Bus Nr. 41 vor der Nase weg und ich fahre mit dem Bus Nr. 43 bis zum Marienplatz, weil es dort ein Wartebänkchen gibt. Als ich an der Haltestelle sehe, dass der nächste Bus Nr. 41 ausfällt, beschließe ich mir ein Eis zu gönnen. In der Eisdiele drängelt sich eine junge Frau von der Seite her vor, aber ich habe keine Lust mich zu ärgern und das Eis ist lecker und versöhnt mich mit diesem etwas unbefriedigenden Tag. Da der Rest des Neckarwegs sicher auch asphaltiert sein wird, bin ich inzwischen am Überlegen, ob ich im Sommer nicht andere Ausflüge machen soll.

16. Mai 2025, St. Georgen

Mit den Überraschungstrips will ich den Sommer über pausieren und stattdessen den Neckar von der Quelle bis nach Stuttgart erforschen. Boris wollte eigentlich mal auf einen der Überraschungstrips mitkommen, ist dann aber ganz begeistert, als er hört, dass es nach Schwenningen geht, denn dort soll es ein Phonomuseum geben. Es stellt sich allerdings heraus, dass das Museum in St. Georgen ist, dem Ort aus dem unzählige Dual Produkte stammen. Da die generelle Richtung stimmt, fahren wir deshalb zuerst dorthin. Auf dem Weg haben wir in Villingen eine halbe Stunde Zeit zum Umsteigen und anstatt auf dem Bahnhof zu warten, machen wir einen kurzen Abstecher in das hübsche Städtchen. In St. Georgen geht es dann steil bergauf zum Museum. Wir sind beide sehr beeindruckt von der Vielzahl der Produkte die hier gezeigt werden. Ein bisschen mehr Information hätten wir uns zwar gewünscht, aber eine Demonstration von zwei Grammophonen und einem Orchestrion entschädigt uns schnell. Die Zeit vergeht wie im Flug und bald ist klar, dass wir den direkten Zug nach Schwenningen nicht erreichen werden. Das bedeutet, mit dem Zug zurück nach Villingen und von dort mit dem Bus weiter. Weil unser Zug leider Verspätung hat und wir deshalb den Bus (der nur jede halbe Stunde fährt) verpassen, beschließen wir uns Villingen etwas besser anzuschauen. Wir bummeln die Obere Straße entlang auf der Skulpturen der verschiedenen Villinger Fasnetfiguren stehen. Der Narro ist hier im Ort die Hauptfigur, aber der Kater Miau gefällt uns natürlich am besten. Während Boris sich im örtlichen Plattenladen umschaut, kaufe ich zur Erinnerung ein kleines Deko-Reh und schaue mir von außen das Münster und den 1989 von Klaus Ringwald entworfenen Brunnen auf dem Münsterplatz an. Anschließend gehen wir in das wunderbare „Kaffeehaus Villa“ und essen zu leckerem Kaffee riesige Stücke Karottenkuchen. Langsam wird es spät und wir machen uns auf den Weg Richtung Bahnhof. Dabei kommen wir am „Café und Weinstube Raben“ vorbei, das sich in einem historischen Gebäude aus dem Jahr 1631 befindet und 1911 von dem Maler Albert Säger wunderschön dekoriert wurde. Leider ist es zur Zeit geschlossen. Kurz darauf stehen wir auf dem Bahnsteig und sind bereit für den Heimweg. Schwenningen muss leider warten.